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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-12-01 · Nr. 11 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 11 - Dezember
Date
1908-12-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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längst gefallene Schranken wieder auf, wenn wir uns auf den von ihm missbilligte/i Standpunkt stellen. Wir sollten kein Hilfsverein für Juden, sondern eben ein Orden sein. Der einmal angeregte Disput kam lange nicht zu Ende. Teilweise anschliessend an Heinemann sah ßr. Flörsheim das Wesen des Ordens darin, dass wir unter unseren Glaubensgenossen hebend, fördernd und erzieherisch wirken und dass wir als höchstes Ziel dieser Erziehung die allgemeine Menschenliebe hinstellen sollten. Br. "Schulhöfcr betonte, dass Br. Heinemann ihm ganz aus der Seele gesprochen habe. Freilich klingt, was er sagt, schon etwas anders. >,Weil niemand für unsere Glaubensgenossen sorgt, müssen wir uns ihrer annehmen, gäbe es irgend eine andere Menschenklasse, die gleich verlassen wäre, wir würden ' uns freudig ihrer annehmen, ohne nach ihrer Konfession zu fragen". Dann aber traten die angeblichen Gegner auf den Plan. Br. Kuznitzkv meinte, wir seien in der Tat ein jüdischer Orden, ein Orden mit jüdischen. Tendenzen, mit der Tendenz. Juden zu orziehen zu edlen Menschen und dadurch einzuwirken auf allo Menschen. Dem Hr. Kuznitzkv trat Br. Blau boi. ,,Ich stehe", so sagte er, „in der Theorie im Gegensatz zu Hoinemann. wenn sich auch in der Praxis die Gegensätze abschleifen. Unser Orden hat den Zweck, fleckenlose jüdische Männer heranzuziehen, Männer, die es sich zur Aufgabe gestellt haben, für die geistige und sittliche Hebung ihrer Glaubensgenossen zu wirken. Unsere Brüderlichkeit erschöpft sich zwar nichts mit der Zugehörigkeit zum Judentum, aber sie ist begründet in dem Bestände der jüdischen Gemeinschaft. Wir wollen erziehlich auf ..die Juden innerhalb und ausserhalb des Ordens wirken, wir wollen Musterjuden werden und dadurch ein Mustermen8chentum heranziehen". Wir wollen einmal das Fazit aus dem ziehen, was in der Debatte über diese Frage gesagt wurde. Ein gewisser Gegensatz zwischen beiden Anschauungen lässt sich zunächst nicht wegleugnen. Die da sagen, wir seien ein Orden jüdischer Männer, müssen wir dahin verstehen: „Wir vereinigen uns als Juden, wir wollen allgemein menschliche Zwecke fördern, jüdische aber nur insoweit, als sie mit diesen zusammen fallen." Sind wir ein jüdischer Orden, so vereinigen wir uns nicht blos als Juden, sondern auch für Juden, für jüdische Zwecke. .-. . Die erstere Auffassung scheint durch die Geschichte unseres Ordens in Deutschland, wie sie uns Br. Maretzki überliefert hat, - als die massgebliche bostätigt zu werden. Wir lesen" bei ihm (S. 5 ff.), dass die Ordensidee bei unseren Gründern, die vorher einem nicht jüdischen Orden schon angehört hatten, so tief in.Fleisch und Blut übergegangen gewesen sei. dass sievon dersegensreichen Tätigkeit des Ordenswesen.s so tief überzeugt gewesen seien, dass sie die Gründung eines Ordens beschlossen, in dem sie seine Ziele pflegen konnten, ohne um ihres Bekenntnisses willen Zurücksetzungen und Gehässigkeiten ausgesetzt zu sein. Br. Fenchel erzählte uns auch in unserer Loge einmal, dass man an die Gründung eines jüdischen Ordens zunächst nicht gedacht habe. - ■, 7 *t * ," ■ VI-.* *. £ ♦ Aber man überführte darin doch den amerikanischen Order! „Bnai Brith" nach Deutschland. Und wurden wir auch ein von diesem unabhängiger < >rden, eo können wir nicht ableugnen, dass wir auf dem Böden jenes amerikanischen. Ordens stehen. In Amerika aber hatte Henry Jones am 12. Oktober 1843 den Bund gegründet, weil er? ihm notwendig erschien „Zur-Fürsorge und Erziehung zur modernen Kultur unter den Juden." (Maretzki S (5). Gerade Fenchel war es, der schliesslich die Gründung eines jüdischen Ordens wollte, und den noch zögernden Ordensbehörden schrieb er: „Es würden* die achtbarsten Männer aus den besten Kreisen der jüdischen Gesellschaft ihre geistigen und materiellen Mittel zum Wohle der Judenheit widmen und dem Orden für ewige Zeiten eine Stätte in Deutschland bereiten zum Heile unserer'Glaubensbrüder.11 Dass wir also bei der Gründung ein jüdischer Orden werden sollten, kann nach dem Gesagten nicht zweifelhaft sein. Dass wir ein jüdischer Orden geworden sind, lehrt die Tatsache, dass wir überwiegend jüdische Zwecke gefördert haben. Dass wir ein jüdischer Orden bleiben sollen, daran gemahnt uns die Verpflichtung, die Füh-

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