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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-12-01 · Nr. 11 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 11 - Dezember
Date
1908-12-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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seitigt und der bleiche, hohlwangige Zustand des Kindes ist wieder an deren Stelle getreten. — Da gibt es nur ein Mittel, das modern ist und radikalywirkt. das ist die Waldschule. Sie bietet den Kindern Monate hindurch neben einer Verkürzung der Schulzeit und einer Beschränkung iles L lu stoffes den dauernden Aufenthalt inj frischer gesunder Waldluft mit ausgiebiger Ernährung und voller Gelegenheit zur körperlichen Ruhe und führt erfahrungsgemäss die Bjesserung der Konstitution herbei, ohna dass das Kind in seinen Leistungen hinter den > ormalschulen zurückbleibt. — - Nach dem Vorbild« ('harlottenburgs sind be- * » reits in tiiner Reihe grösserer Städte des Innd Auslandes zum Sjgen der schwächlichen Kinder Waldschulen gegründet worden. Es ist -iiir nicht bekannt, ob unter diesen auch Kinder inserer Glaubensgenossen Aufnahme gefunden haben: indessen glaube ich das bezweifeln zu müssen da rittuelle Bedenken' der Aufnahme jüdischer Kinder sicherlich in den meisten Fällen Entgegenstehen werden. Dass trotzdem eine sehr srrosse Zahl jüdischer Kinder vorhanden ist, die [dieser Wohltat bedürfen, beweist das Beispiel [von Berlin. — Xach der Au>kunft, welche mir vom . Talmud-Thora-Verein der jüdischen Gemeinde zuteil geworden, befanden sich Ende 1 l'.KXi gegen 4200 jüdische Kinder in den öffentl liehen Gemeindeschulen Berlins, wahrend gegen j lOOOKinder die beiden jüdischen Gemeindeschulen j besuchten. Man kann wohl annehmen, dass die | erstere Zahl jetzt bis auf etwa 5Ö00 gestiegen | ist. Diese Kinder stammen sicherlich aus dem wirtschaftlich schwächsten TeUe der jüdischen Bevölkerung der (irosstadt. Wenn nun schon i unter den 1000 Kindern der jüdischen Gemeinde- . schulen, sich* nach Angabe des Schularztes Dr. Zlocisti 50 Kinder, finden., welche für eine Waldschule geeignet wären, so kann man sicherlich unter den anderen 5000 Kindein mindestens [ 5 Proz. als Material für die Waldschule veranschlagen, eine Zahl, welch» die Errichtung einer Waldschule für jüdische Kinder durchaus rechtfertigen, ja unter den obwaltenden Umständen1 als dringendes Bedürfnis erscheinen lassen würde. Redner führt zum Schluss noch etwa folgendes aus: Wir hören häufig bewegliche Klagen darüber, dass sich unter den jungen jüdischen Leuten so wenige finden, welche Neigung zu Landwirtschaft und Ackerbau haben. Entreissen Sie die Kinder dem moralischen und physischen Sumpfe ihrer Umgebung, führen Sie die Kinder in Feld und Wald, lassen Sie ihre Sinne berauschen an dem Dufte von Blüte und Blatt, an den tausendfachen Formen der Bäume und Sträucher, an dem lieblichen Gesänge der gefiederten Waldbewohner und lassen Sie — was bei dem praktischen Sinne unserer Glaubensgenossen nicht unwesentlich ist-— ihnen aus dem Munde eines verständigen Lehrers andeuten, dass, während alle menschliche Arbeit nur eine Umwertung vorhandener Werte bedeutet, die Natur allein im Stande ist, neue Werte zu schaffen, nun. dann gehörte nicht die Impressibilität des kindlichen Gemütes, die Phantasie des kindlichen Geistes dazu, um nicht in einer Anzahl dieser Kinder den Entschluss entstehen und reifen zu lassen, es einmal mit der Bearbeitung des Bodens zu versuchen. Auch auf diesem Gebiete gilt es, die Jugend zu gewinnen. „Jüdischer Orden oder ein Orden jüdischer Männer". Nach einem in der Berthohl Auerbach-Loge gehaltenen Referat. Einen nicht unwesentlichen Teil in der Generaldebatte der diesjährigen Grosslogcnsitzung füllte die Frage aus. ob wir ein jüdischer < »rden1 oder ein Orden jüdischer Männer seien. Als Br. Heinomann bei der Erörterung nach den Zielen und Zwecken unseres Ordens den Satz aufstellte: „Wir sind doch kein jüdischer Orden", rief man ihm aus der Versammlung entgegen, „natürlich sind wir das". Und er erwiderte: „Nein, das wäre ein Schlag in das Gesicht der Ordensidee. Wir sind ein Orden jüdischer Männer, wären wir das nicht, dann wären wir nur ein jüdischer Verein, dann brauchten wir uns nicht „Orden" zu nennen, dann wären wir garnicht existenzberechtigt,,. Br. Heinemann sieht es als eine Versündigung an unserem Grundgesetze an, wenn wir uns als einen jüdischen Orden bezeichnen. Denn es heisse dort: „Wir wollen Israeliten vereinigen zur Förderung der Interessen der gesamten Menschheit". Wir richten nach Beiner Ansicht nur — 156 —

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