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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-12-01 · Nr. 11 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 11 - Dezember
Date
1908-12-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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j Seiner tatkräftigen' Menschenliebe gelang es. eine hochherzige Dame, die I ran Baronin Edmund von Rothschild für die gro-se Kulturaufgabe dejrart zü gewinnen, dass sie einen 'grösseren Bötrag fur Jieses Fortbildungsheim zur Verfügung sttitte. ";; I i Diese ^Mittel dienten zunächst zur Begründung das Heims. Von Anfang an stellte sich das Fortbildungsheim eine' doppelte Aulgabe: es wollte unseren armen Glaubensbrüdem Gelegenlicjit bieteiu sich selbst fortzubilden: hierzu dient eine Lesehalle. Die aber, die sich nicht selbst fortbilden können, sollen durch' Unterricht auf eijie höhere Stufe gehoben werden: hierzu wurde ejine Kortbi 1 dungs-Schule geschaffen.! Die. Lesehalle wird hauptsächlich von russischen Arbeitern besucht. Ks finden sich da in der aufgelegten Präsenzliste Schlosser, Portefeuiller.,. Stepper. Schuh machen Zuschneider. Konditor. Tabakarbeiter, Schneider, Färber, Taglöhner, Blichhalter, Glaser, Studenten und Kaufleute, kurz Vertreter aller Berufsstände, die trotz schwerer körperlicher Tagesarbeit es nicht verschmähen, dd|n Abemf sich nochmals geistig zu beschäftig'!. \\ eori man die Lesehalle betritt, ist man erstaunt ül er die Ruhe und Ordnung, die in derselben herrscht. . - -! In der Lesehalle liegen meist . Jargonblätter aijl. weiterhin aber auch hebräische Blätter, ein polnisches Blatt und einige deutsche Zeitungen und Zeitschriften. - Die Fortbildungsschule, die von den Bell' >rden. insbesondere auch von dem städtischen Schulvi rstand mit Freuden begrüsst worden ist — wurden doch alle diejenigen fortbildungsschulptfichtigen Schiller, die (an diesem Unterricht teilnehmen, von der obligatorischen Fortbildungsschule durch die Kreisschulkommission befreit — giebt Unterricht in folgenden Fächern: Deutsch wöchentlich 4 Stunden Rechnen wöchentlich 2 Stunden, französisch wöchentlich..2 Stunden, i Als Lehrer, fungieren seminaristisch gebildete Schulmänner jüdischen Glaubens. . Im Deutsch und Rechnen sind die Schüler 1:1 je zwei Abteilungen eingeteilt. , Der Unterricht in Deutsch erstreckt sich auf: Lesen Ziel: Lesefertigkeit und sinngemässe Betonung), und Rechtschreiben das wichtigste in der Grammatik und Anfertigen von Aufsätzen, hauptsächlich Briefe und Geschäftsaufsätze). Die unterste Abteilung im Rechnen wird in den 4 Spezies mit reinen und benannten Zahlen unterrichtet: dazu kommt das wichtigste über .Münzen, Maasse und Gewichte. Die obere Abteilung setzt dies ergänzend fort, lernt das wichtigste in der Bruchlehre und sodann die Rechnung des bürgerlichen und geschäftlichen Lebens. I ).is französische wurde eingefühlt, weil etwa 12 Leute es verlangten. An dem Elementarunterricht nehmen etwa 411 Personen im Alter von 14 bis 30 Jahren teil. Die Schüler zahlen, soweit ihnen das möglich ist, fünfzig Pfennig für den Monat. Hierdurch wird der Eindruck des Almosens vermieden. Nur derjenige, welcher diesem Unterricht einmal beigewohnt und zugesehen hat. wie zwanzig bis dreissigjährige Menschen auf die Frage, wieviel Kilo ein Zentner hat, den Finger in die Höhe' heben wie kleine Schulknaben, der kann ermessen, wie segensreich dieses Fortbildungsheim wirken kann und wirken wird. Ks ist uns auch gelungen statt des .ursprünglichen dumpfen Lokals eine grössere Wohnung zu mieten, so dass den Besuchern ein freundlicher Aufenthalt gewährleistet ist. Alsbald nach Begründung des Fortbildungsheims haben diejenigen Organisationen, die'sich mit der Besserung der Lage unserer ausländischen Glaubensgenossen befassen, die Bedeutung unserer Arbeit erkannt: so haben wir denn u. a. von dem i >st-Europäischcn Komitee in Frankfurt eine Zuwendung von IOOO M., von der Frankfurt- Loge eine Beihilfe von 400 M., von dem Hilfsverein der deutschen Juden und der deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance Israelite Universelle Spenden von je 300 M.. auch von dem israelitischen Handwerkerverein in Frankfurt kxmi M. erhalten. ' Die Zuwendung des Handwerkervereins ist für ein Jahr und an gewisse Bedingungen geknüpft, die übrigen Zuwendungen sind ebenfalls nur einmalige Gaben, so dass die Frage, ob das Fortbildungsheim Bestand haben wird, davon abhängig ist, ob weitere Zuschüsse in den nächsten Jahren gegeben werden. Seit dem 1. Oktober haben wir auch technisches Zeichnen eingeführt, den Unterricht erteilt — 150 —!•• . •' i'

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