Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 10 - November
- Date
- 1908-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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den Anforderungen der Gerechtigkeit entsprechen sollten. Die Schuld daran tragen meistenteils die Juden selbst, indem sie über ihre Konkurrenten unzählige Denunziationen erstatten, denen die ententsprechendcB Behörden nur allzu ,williges Gehör leihen. Wenn irgend ein Jude in der betreffenden Kommission sitzt,-so wird er sich ent-, wieder gar nicht des Geschädigten annehmen, oder er besitzt viel zu wenig Intelligenz oder Finfluss um seine Ansicht durchzusetzen. In der geschilderten Weise bleiben die armen galizischen Juden Sklaven der camera . und indem Bttt in fortwährender Anstrengung, die ihnen sogar den nötigen Schlaf raubt, im Schweisse ihres Angesichtes dem geringsten Verdienste nachjagen, der in gar keinem Verhältnis mit der geleisteten Arbeit stellt, vegetieren sie ohne einen gesicherten Morgen, ja, ohne zu wissen, was die nächste Stunde bringen wird, von der Hand in den Mund, am Rande des tiefen Abgrundes des äusserten Klends. / Und dieses Elend ist etwas so selbstverständliches geworden, dass man sich wundert, 'wenn es jemand für anormal hält. Unsere westlichen Brüder meinen dieses Elend zu kernen, wenn sie für Hungrige, für Abgebrannte Samnlungen einleiten — aber sie hörennicht das Stöhnen und Aechzen der Unterdrückten, sie sehen nicht die Augen, aus denen keine Träne mehr , herausquillt, sie sehen nicht die ausgemergelten Gestalten, von welchen elende Fetzen herunterfallen und nackte Gerippe zur Schau bringen. Stumpf wird langsam auch der einheimische lüde — der Wille zur Hilfe viel zu schwach, die Mittel fast erschöpft, und wieder leidet darunter die Judenseele. » Nur der unerschütterliche Glaube an Gott, wiederholte religiöse Uebungen, das Leben in den Betstuben, die Ueberzeugung von der Unterdrückung der Gesamtheit des Judentums zeitigten eine Solidarität, die den Grundstein lieferte zur Gestaltung der jüdischen Kultusgemeinden. Aussenstehende würden den Eindruck empfangen, als seien die »Kultusgemeinden Institutionen, berufen zut Wahrung der jüdischen Interessen, als erste Instanz zur Beschützung des geschädigten Individuums, als auch zur Besserung des Schicksales der breiten Massen. Wer aber diese jüdischen Kultusgemeinden einer näheren Betrachtung unterzieht, der. wird bald erkennen, dass es grösstenteils Oligarchencliquen sind, zusammengesetzt aussein paar einflussreicjien Individuen, ohne Gerechtigkeitsgefühl, ohne Gefühl für die Armen, ohne Kenntnis der jüdischen Volksseele, welche durch direkte und indirekte Steuern das Mark .des Volkes aussaugen, und dje auf diese Weise erpressten Gelder zu Sinekuren für sich oder ihre, Helfershelfer gef ** * *tv "t ' I brauchen, oder sie zu Agitationsz.wecken verwenden, die dem Gesamtintcresse des Judentums meistens entgegengesetzt sind. - Kein Wunder also, dass die getriebenen, ven schmachtenden Massen unter dem Drucke der Indolenz sich nach Schlitz von aussen umschauen. Seit einer gewissen Zeit flössen dem galizischen Judentnmc Gelder zu, welche che Vertrauten def Wohltäter' in Gestalt von Unterstützungen verteilten, ohne weitere Untersuchungen anzusteHeni, ohne Ucberblick über das Ganze,, über die Ziele, und über die Zukunft. Eine Unterstützung, eher ein - Almosen zu nennen, ist gut für einen arbeitsunfähigen Greis, aber sie kann verderblich wirken, *venn sie einem gesunden, arbeitsfähigen Menschen zuteil wird. Darum muss anerkannt werden, tfasä den ohne Zweifel besseren Weg der Wiener .Hilfsvereiji eingeschlagen hat, indem er bestrebt ist, die galizischen Juden dem Hausgewerbe -zuzuführen. Aber auch diese Arbeit ist ungenügend, nicht aus Mangel an gutem Willen, aber aus gänzlicher Unkenntnis lokaler Ver, hältnisse, aus dem gänzlichen V'erkenrfeh der Psyche des galizischen Juden. ' / Man hat die den Jüdinnen nicht vertraute Spitzenfabrikation eingeführt, und man konnte doch mit geringeren Kosten und weniger Mühje die Fälligkeit der Jüdinnen zu Stickereiarbciten, welche sie in den Schulen' erlernen, ausnützen. Man hat die Erzeugung von Haarnetzen eingeführt, und man versäumte die Fähigkeit der Jüdinnen zur Strumpfstrickerei auszunützen. Ueberdies verschlingt die Administration, die ausser Landes sich befindet, den grössten Teil des Erlöses, 'sodass trotz der geradezu erbärmlichen Arbeitslöhne die Tabellen ergeben, dass die Beamten des Zentralkurses für Spitzenfabrikation direkt von der Arbeit der galizischen Armen leben. Im letzten Bericht gab der Wiener Hilfsverein zu, dass dieser Gewinn elend ist, . vertröstete aber seine Mitglieder mit