Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 10 - November
- Date
- 1908-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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gebildete Juden genieäsen keine genügende gesellschaftliche Toleranz seitens der Slaven; die Assimilation hat hier nichts geholfen: in Galizien lebe/i wir immernoch untey und nicht mit den Slaven. Es können hier nicht einzelne jüdische Individuen berücksichtigt werden, denen es scheint, dass sie mit den Slaven leben, die Masse trügt noch immer das Brandmal, den Stempel des Ghetto auf der Stirne, aufgedrückt durch den Mangel an Bildung bei der ungeheuren Mehrheit der Masse des jüdischen Volkes und das Elend, viel schlimmer, als der Tod. Infolge dessen wird die Masse faktisch von den Slaven zurückgewiesen, obwohl die Gesamtheit der Juden in Galizien, die Notwendigkeit gemeinsamer Arbeit für das allgemeine Wohl empfindet, denn das tagliche Leben verbindet alle; und das Zuiückdrängen einer so breiten Masse, Wie sie die Juden bilden, ist direkt tödlich. Diese Unterscheidung offenbart sich in der ganzen Skala des ökonomischen Lebens und fast in jeder Richtung. Von den 80OO0O Juden, welche Galizien bewohnen, verdienen ihren L'nterhialt faktisch bloss 200700, also nur; der Rest d.'i. .53OÖOO wird von diesen taktisch Erwerbenden ausgehalten. In kleinen Ziffern ausgedrückt, stellt sich dieses Verhältnis so dar, dass 'jeder erwerbende Jude nicht nur sich,, sondern noch zwei ändere Personen neben sich aushält. Diese Gegenüberstellungen an und für sich ' genommen würde nichts besonderes bedeuten;' wir müssen uns aber gleichzeitig in Erinnerung bringen, dass auf 6';2 Millionen C hristen, 3 7)00900 erwerben, und nur 2800000 — also fast nur eine Million weniger — Personen von den Erwerbenden ausgehalten werden; dass demnach jeder erwerbende Christ ausser sich nur eine und mathematisch genommen, nicht ganze Persort aushalten muss. Aus den eben angeführten Daten können wir uns von der in dieser Beziehung schwierigen Lage des Judentums überzeugen. Denn aus dieser Zusammenstellung ist ersichtlich, dass jeder erwerbstätige Jude fast zweimal so viel Personen den Unterhalt geben muss, als ein Christ, dass er demnach zweimal so viel arbeiten muss, sich zweimal so viel anstrengen muss, um einen zweimal so grossen Gewinn zu ernten, wenn er mit dem Christen Schritt halten will. > Die Frage gestaltet sich für die Juden um so schlimmer, wenn wir bedenken, dass die Erwerbsverhältnisse für sie schwieriger sind,' und dass sie schon deshalb grössere Ausgaben haben, we il sie meistenteils in Städten wohnen. : " ' - Die Hauptursache dieses gewaltigen Unter ' schiedes betreffs der Aushaltungslast .müssen wildes ferneren in, diesem Umstände, suchen", ,dass wahrend auf i<«> Juden nur r 7 mit der Landwirtschaft sich beschäftigen, auf um Christen 8fi diesem Berufe sich widmen, bei Weichem alle I Familienmitglieder fast seit ihrer Kindheit arbeiten, und nicht nur die Kosten ihres sehr beschenk-nen Unterhaltes tragen, sondern ausserdem vur Aufhaltung kleiner Kinder und arbeitsunfähiger Greise beitragen. Vor Jahren war es den Juden verboten, Grund und B'Jdcn auf dem flachen Laude zu erwerben; zwar ist dieses Verbot aufgehoben, jedoch ist einerseits Land zu erwerben sehr .schwierig, weil .der Slave zu sehr an der Scholle haftfft, anderseits erscheint dem bis jetzt vom Ackerbau ferngehaltenen Juden der Grandankauf in normalen Verhältnissen als ein viel zu' wenig lukratives Geschäft. Alle diese Umstände trieben die Juden zum Handel. Auf 100 Christen beschäftigen sich hur, 5 mit Handel und Industrie,/'während auf ICX) Juden sich 55' diesen Beruf n widmen; Mit anderen Worten: die Mehrheit der g.ilizischen Juden arbeitet in Handel und Industrie^ Es darf nicht ausser Acht . gelassen werden, dass hier keine Rede sein kairn von 'Gross Handel und von Gross industrie, denn die Juden sind — mit belanglosen Ausnahmen — Tm Her, Krämer und kleine Handwerker, welche ,aHe zusammen genommen, lediglich in eiigen Rahmen . für den Lokalbedarf arbeiten; denn weder die in kleinen (Juantitäten angekaufte Ware noch die Erzeug nisse des Handwerks vertragen Transportkosten, welche übrigens für das winzige Betriebskapital unserer jüdischen Industriellen und Handclstreibenden unerschwinglich sind. Infolge dessen wird in jeder Stadt eine schrankenlose Kpnkurrenz gezüchtet, bei welcher einer dem anderen, direkt den Bissen Brot vom Munde raubt, und welche mit Naturnotwendigkeit in ihren'Mitteln immer weniger wählerisch ist, was sich, in der traurigen Tatsache kundgibt, dass verhältnismässig dreimal so viel Juden als Christen für Verbrechen des Betruges bestraft werden.' Viel wichtiger hierbei ist noch der i/mstand.