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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-11-01 · Nr. 10 - November · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 10 - November
Date
1908-11-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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will. Darunter sollen auch einige Kinder 'von Brüdern gewesen sein. Ich erblicke darin auch keinen Fehler, auch keine Verleugnung des Grund- ' gedankens. Diemittleren Schichten der Gesellschaft haben mit der Existenz sehr zu kämpfen. Warum soll es unsern Brüdern, die in schwieriger wirtschaftlicher Lage sich befinden, verwehrt sein, ihre Kinder in unsere Ferienkolonien aufnehmen zu lassen? Warum soll man ihnen eine solche Erleichterung nicht gewähren? Die Zahl ' wird immer eine kleine sein und ändert nichts an dem Zuschnitt der Kolonien. Ich halte es auch für vorteilhaft, dass die Kinder schon früh gewohnt werden, sozial zu empfinden. — In Hamburg, das in bezug auf Ferienkolonien bahnbrechend war und an der Spitze steht, hat - man auch Ferienkassen gegründet. Man weiss, dass es manchen Eltern schwer wird, den Betrag zu den Kosten für Ferienkolonien auf einmal zu zahlen, wohl aber gern die Mittel nach und nach bestreiten möchten. Es ist dort die Einrichtung getroffen, wöchentliche Einzahlungen anzunehmen. Diese Art der Selbsthilfe ist auf fruchtbaren Boden gefallen. Vielleicht Hesse sich das für unsere Ferienkolonien verwerten. Für die Kinder unserer Brüder möchte ich etwas anders vorschlagen, nämlich Austausch der Kinder für die Ferienzeit. Hierfür kämen aber reifere Kinder aus den Mittel- und Oberklassen in Betracht. Vielen Kindern würde dadurch die Möglichkeit gegeben, in grösseren Städten sich in Kunst, Musik und Theater umzutun, während die grossstädtischen Kinder aus der Ruhe und Stille der kleinen Städte Erholung und Beruhigung der Nerven schöpfen würden. Vor Jahren ist es einmal versucht worden, es hat sich aber nicht bewährt. Ich verkenne die Schwierigkeiten nicht,' die Auswahl der Familien und Kinder müsste unter sorgfältigster Prüfung geschehen. Aber was vor IO Jahren misslang, kann jetzt wohl gelingen, wenn eben alle Umstände mit allen Kautelen erwogen und geprüft werden. Es lohnte wohl einen Versuch zu machen. AVenn der Versuch zur Zufriedenheit der Eltern und Kinder ausfallen sollte, würde ich das für einen grossen Gewinn halten, das würde eine segensreiche Erweiterung des Ferienkolonie-Gedankens bedeuten. Maretzki. Galizien. Am Ende des vorigen und zu Beginn unse es Jahrhunderts hat sich der VIII. Distrikt mit-der Frage der Hebung der sozialen Lage der Juden in Galizien eingehend beschäftigt . An der Delegierten Konferenz in Frag am 13. November [898.war. unserDistrikt durch dieBBr. Maretzki. Timendorfer, Wisloch und Wolff vertreten, an der sie sowohl durch Referate afs auch durch verschiedene. Anregungen während der Debatte regenAnteil nahmen. |S. Monatsbcr. i(i(>S N'o. 8. 11. 9; lyoo-No. .1 u. 2). Wir haben dann ein galizisches' Hilfswerk in die Wege geleitet, das aber ins Stocken, geraten ist, weil die Pogrome in Russland und die Bedrängnisse unserer Brüder in Rumänien uns vor arftlere wichtige Aufgaben drängten. Da wir nun von diesen Seiten einigermassen Ruhe haben, wollen wir von neuem Galizien unsere Aufmerksamkeit in'erhöhtem Masse zuwenden, denn dieses Land ist. der Hilfe gar sehr bedürftig. Kenner galizischer Verhältnisse versichern, dass das Los der galizischen Juden noch-trostloser ist, als anderswo. In Galizien herrscht ein latentes Elend, von dem wir in Westeuropa nur selten erfahren. Auf ' die russischen Juden haben die Pogrome die Aufmerksamkeit der zivilisierten Welt gelenkt; dasselbe gilt von den Juden in Rumänien. Die Greuel, in Kischineff und Hornel,' die .Ausbrüche des Hasses in Rumänien haben unser Erbarmen rege gemacht, uns Herz und Hand geöffnet zu helfen und die Not zu lindern. Antlers in Galizien. In Galizien kommen Judenmetzeleien nicht vor, nur hie und da erfahren wir von Wahlexzesseii, bei denen Juden, die für den Kandidaten des Herrn Starosta (Bezirkshauptmann! nicht eintreten, erschlagen werden: hie lind da hören wir von Entführungen unmündiger jüdischer Kinder, die zum Grame ihrer Eltern in polnischen^ Klöstern getauft werden, vor deren Mauern bekanntlich die österreichisch Staatsgewalt Halt macht. Um so stärker sind die inneren Plackereien, denen die galizischen Juden ausgesetzt sind, und von denen die Aussenwelt nur selten Kunde erhält. Die galizische Regierung, Von der Schlachzizen- Partei beeinflusst, versteht es in aller Stille, ohne das Odium der Judenfeindlichkeit. auf sich Zu laden, durch Handhabung der Gewerbeordnung, durch strenge Durchführung der Sonntagsruhe (man vergesse nicht, dass die dortigen Juden den

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