Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 10 - November
- Date
- 1908-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Zweck, die. interkonfessionell geleitet, jahraus '•jahrein eine Anzahl jüdischer Kinder aufnehmen. Fünf Logen, haben 375 .Mark Beitrage den allgemeinen Vereinen für Ferienkolonien geleistet. In den kleineren Städten macht sich kein Bedürfnis geltend, die Kinder erholen sich in diesen Städten in »1er Ferienzeit.' diese Städtesind sozusagen natürliche Ferienkolonien. Die Art der praktischen'Beteiligung der Logen \\ ar verschieden, wenngleich die Anregung überall vnii den Logen ausgegangen war. 17 Logen haben au f eigene Kosten Kolonien-ausgerüstet. In der Lessing-Loge hat das der Logcn-Schwesternbuiui besorgt, die Cohcordia-Loge tut es in Gemeinschaft mit dem Schwesternverein. Zwei Logen Dresden. Dessau konnten Stiftungen dazu benutzen: eine Loge hat auf ihre Kosten die Kinder „dem allg. Verein für Ferienkolonien angeschlossen. Von -den übrigen Logen haben einige' einen israelitischen Verein dafür gegründet, z.' B. Berlin, mit reicher Subventioh der Logen und zahlreichen Mitgliedern aus den Logen. Viele Logen haben! 1 ürsorgevereme Frankfurt) oder die Gemeinden Posen,"KöüjJ in Anspruch genommen. Manche I Logen hatten solche Zuwendungen entbehren müssen und mussten sich an Privatpersonen wenden. In Folge dieser verschiedenen Bemühungen ist es den Logen gelungen in Voll- | kolonien 489 Knaben, 433 Mädchen, in Halb- I kolonien 41 Knaben und 29 Mädchen zu entsenden, eine stattliche Zahl 'von 992 Kindern. In Familienpflege kamen dieses Jahr 53 Kinder. Leber den Wert der Unterbringung von Kindern in Familien herrscht noch keine völlige Uebercinstimmung, ob diese für die Kinder vorteilhaft oder nachteilig ist. In dieser. Frage sind wir noch besonders interessiert, da die Berliner Lugen; andere Logen X Kinder in Familien untergebracht haben. Die Zahl der von Berlin in Familienpflege gegebenen Kinder ist* gegen frühere Jahre stetig zurückgegangen, 1900=221 Kinder,' [1/14l'/y. U>>5 =:I l6, 1906 92, J90/=62. Die Gründe des Rückganges dürften manniglache sem. Br. Sarasolm (Stettin) hat in den ersten Jahrenzahlreiche Familien zur Aufnahme veranlasst, seitdem die AIlemannia-Loge selbst Kolonien ausrüstet, sind viele Familien in Pommern für diese Loge verpflichtet worden. Sodann ist zu bemerken, dass viele gutsituierte und gebildete Familien nach grosseren Städten verzogen sind und fiTr die Ferienkolonien verloren gingen. Auch ist manche Unzuträglichkeit entstanden, dass nicht immer trotz grösster Vorsicht geeignete Kinder in geeignete Familien kamen. Alle diese Umstände haben bewirkt dass immer weniger Familien sich zur Aulnahme von Kindern erboten. Aber auch grundsätzlich ist man sich in der Beul teilung der Versorgung von Kindern in Familien nicht einig. Man wendet gegen die Familienpllege ein, dass in den Familien keine genügende oder keine zuverlässige Aufsicht ausgeübt werden könne. Auch sei die Behandlung der Kinder in Familien keine gleichmässige; einzelne Kinder würden geradezu verwöhnt, dass sie sich in dem elterlichen Hause nachher nicht mehr zufrieden und glücklich fühlten, es komme auch vor, dass die Beköstigung eine unzuträgliche oder ungenügende sei, dass die Kinder in ungebührlicher Weise zu häuslichen Arbeiten herangezogen werden Andererseits ist nicht zu leugnen, dass die Familienpflege einen guten Ersatz der elterlichen FläHslichkeit bietet, dass sich gute dauernde Beziehungen zwischen Pflegeeltern und Kindern ausbilden, die den Kindern nur Vorteile bringen. Ks durfte schwer zu entscheiden sein, was richtig und gut sei. Meiner Ansicht nach sind beide Systeme gut und annehmbar. Es kommt nicht auf das Prinzip an, sondern mehr darauf, wie die Sache gehandhabt wird. Bei sorgfaltiger Auswahl der Familien und richtiger Aufsicht sind beide Systeme gleichwertig. Die Rheinland-Loge hat die Kinder zu 2 oder 3 in Familien in Ems untergebracht, beköstigt wurden sie gemeinsam in der Wohnung des dortigen jüdischen Lehrers. Eine geordnete Aufsicht kann auch für die Familienpflege geschaffen werden, es dürften sich doch geeignete Personen, Männer und Frauen, finden, die eme Aufsicht übernehmen. Die Familien können doch in der Aulsicht kein .Misstrauen sehen; mit nötigem Takt und mit Rücksicht müsste allerdings verfahren werden. Schon früh erkannte man den Vorteil von geschlossenen Kolonien, dass die Kinder gruppenweise unter Führung von Lehrern untergebracht werden. Die Entwicklung der Sommerpflege für Kinder hat diesen Weg - genommen, weil sich organisatorische Schwierigkeiten bei der stets sich vermehrenden Zahl der Kinder eingestellt haben. Es war schlechterdings unmöglich geworden, die vielen Kinder anders unterzubringen. Die ge- - 134 -