Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 9 - Oktober
- Date
- 1908-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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f und Töchter unserer Brüder haben, wie berichtet wurde, bei den Logenarrangernents in den Badeorten sich sehr bewährt. Unvorbereitet wie sie waren, haben^sie durch musikalische und deklamatorische Vorträge sehr vier geboten, die Unterhaltung der Brüder angenehm unterbrochen und gewürzt. Würden wir uns entschliessen. zu den Nachsitzungen die Angehörigen unserer Brüder regelmässig einzuladen, so dürfte nach meinem Dafürhalten die Frage des geselligen Zusammenlebens der Brüder nacli der Logenpitzung bald gelöst sein. Diese Neuerung könnte uns noch einen anderen Nutzen bringen,. nämlich die Hebung dos L o g e n b e s u c h e s . Wir wissen, dass viele Brüder, die ausser ihren beruflichen Pflichten noch durch anderweitige Vereinstätigkeit in Anspruch genommen sind, gar oft den Lo<jensitzungen fern bleiben, weil sie nicht so viele Abende in der Woche ihren Familien entrissen sein mögen. Werden aber die Nachsitzungen unsere Brüder mit ihren Angehörigen nach einer ein bis zwei Stunden währenden Lo^ensitzung wieder vereinigen, so würden die Brüder sicherlich bei den Logenarbeiten nicht .so oft fehlen, wie es jetzt der Fail ist. Dass durch gemütliche und zwanglose Arrangements auch manch aufkeimendes Talent unter den Söhnen und Töchtern unserer Brüder ermuntert, ermutigt und zum Weiterarbeiten und Sichvervollkommnen angeregt werden könnte, dass wir dadurch auch ohne Jugendlog trn die Jugend für unsern Orden gewinnen würden, soll nur nebenbei bemerkt werden. Allerdings will ich eine Befürchtung nicht verschweigen, die ich hege, nämlich die, ob es uns so leicht gelingen wird, unsere Frauen einander näher zu bringen. Es haben sich leider I eberreste alter Gesellschaftsformen bis ip unsere aufgeklärte, fortschrittstolze Zeit hinein t'Ttgeerbt. an denen besonders die Frauen mit einer Zähigkeit festhalten, als wären sie heilige Ueberlieferun^en. Nach diesen ungeschriebenen, dem modernen Geist keineswegs melir entsprechenden Gesetzen, dünkt sich die Gattin des Bürgers X. der erworbene oder verliehene Titel besitzt, gesellschaftlich höher zu stehen und passt sich infolgedessen nur schwer der Frau des Bürgers Y an. der sonst ein sehr -schätzenswertes Mitglied der menschlichen Gesellschaft ist, dem aber der schön klingende Titel fehlt. Aber <jrade dieser Umstand dürfte vielleicht für viele Bruder Reiz und Ansporn sein, solche Arrangements in den .Nachsitzungen anzubahnen und durchzuführen, um diese veralteten Unsitten, von denen auch wir Juden nicht ganz frei sind, zu tilgen. Besteht ja die Autgabe der Logo auch darin, erziehlich auf die Brüder zu wirken, und wo gäbe es ein besseres Feld der Wirksamkeit, als auf dem Gebiete der Brüderlichkeit? In unserer Zeit ist dei alte Yerbrüderungsgedanke, den unsere Propheten vor drei Jahrtausenden in den schönsten Farben geschildert und ihn als Eadziel der Vervollkommnung der Mensch heit hingestellt haben, wieder aktuell geworden. Internationale Kongresse der Friedensfreunde, der Presse finden statt; Delegierte grosser Städte und Vertreter verschiedener Stände besuchen in grosser Zahl die Nachbarländer, um so die Völker einander näher zu bringen und ein Freundschaftsband zwischen den verschiedenen Nationen zu knüpfen. Was helfen aber all die Kongresse, wenn in demselben Lande die Scheidewände zwischen den einzelnen < iesellschaftsklassen hoch aufgerichtet bleiben? Es wäre daher des Schweisses der Edlen wert, diese Absperrungsmauern aus alter Zeit wegzuräumen, l'nd besonders uns Logenbrüdern müsste daran gelegen sein, zunächst in unserm eigenen Hause die gesellschaftlichen Schranken, die etwa bestehen sollten, niederzureissen, um wenigstens im Orden U. O. B. B. ein .,einig Volk von Brüdern" zu sein. F. Unsere Devise: W. B. und E. Von Br. Dr. Ernst Hochschild Metz. ':-W 1/ j l Unser Orden Bnei-Briss steht im Zeichen der Devise \V. B. und *E. Mit diesen Buchstaben wollen wir die Zwecke der Loge bezeichnen, wir wiederholen sie als Ermahnung bei allen Gelegenheiten, und kein Bruder schreibt an den anderen, ohne dass er ihn am Schlüsse des Briefes mit den drei Buchstaben begrüsst, die in gedrängter Kürze die Innigkeit des Logenbandes bekräftigen ■ und erneuern sollen. Wir wissen alle, welche ideajen Forderungen.in der Devise enthalten sind: Wohltätigkeit sollen wir üben, Bruderliebe soll uns umschlingen, Eintracht uns verbinden: Es bewarf keiner Auseinandersetzung, dass die Logen — 126 —