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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-10-01 · Nr. 9 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 9 - Oktober
Date
1908-10-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Philosoph übor die Kartenspiele, ilie er zu den Verstandesspielen zählt, sagt:*) .,Weshalb «las eigentliche,! das hoisst das Kartenspiel, welches mit Anwendung der Verstandeskräfte gespielt wird, zu den allgemeinsten und beliebtesten Mitteln der geselligen l'nterhaltung gehört, wird tfus den oben angeführten Gründen des Vergnügens an demselben hinlänglich erklärt sein, zugleich aber auch, wie sittliche, ernste, strenge, berufstreue und rechtschaffene Männer ihre Müsse damit ausfüllen korinen. Sind sie es doch besonders, um derentwillen Leibnitz die Spiele der Aufmerksamkeit des Philosophen würdig gefunden'hat. Weil sie das Denken befördern, ist sein Grund, und wir dürfen dreist hinzufügen, dass sie auch manche Züge des Charakters in die rechte Bahn zu lenken beitragen können: Besonnenheit, Gemütsruhe, Leidenschaftslosigkeit zu üben, bieten sie mannigfache Gelegenheit. Wio sehr sie geeignet sind, den Verstand, namentlich Gedächtnis und Kombination in Atem zu erhalten, also zur l'ebung und zur Schärfung derselben viel beizutragen, wird jeder, der die Spiele kennt, von sich selbst wissen. Anderen genüge die Tatsache, dass grade die denkendsten Männer. Gelehrte vom Fach und insbesondere Philosophen, deren wir eine lange Liste aufführen könnten, fast täglich eine Mussestunde damit ausgefüllt haben. Sollten aher diese Männer nicht ihre Zeit besser im geselligen, geistigen Gespräch zugebracht haben? Wie viele würden, hätten jene sich redend in ihre Gesellschaft gemischt — anstatt stumm am Spieltisch zu sitzen und den wesenlosen Operationen des Verstandes zu folgen — von ihrer Weisheit belehrt, von ihrem Geiste angeregt und entzückt worden sein? Allerdings! aber vergessen wir nicht, dass diese Philosophen auch Menschen sind, welche der Kuhe und Erholung bedürfen. In einem geselligen Gespräch werden stets Gegenstände behandelt, welclio die Denkkraft des Teilnehmenden herausfordern, näher oder ferner mit den Objekten seiner erntesten Tätigkeit im Zusammenhang stehen, und ihn daher notwendig immör und immer wieder in den Kreis seiner Arbeit zurückführen. Ueberhaupt. wenn ein Philosoph spricht, so denkt er, und wenn er denkt, so arbeitet er: das abor will und soll er nicht. Da selbst eine vollständige, untätige Müsse seinen *! Lazarus, l'ober die Heize des Spiels. S.107 If.j von der Zeit der Arbeit her aufgeregten Gedanken schwerlich Ruhe verschaffen, a-uch jode leichtere Lektüre gar oft unversehens ihn in das Gebiet jener zurückwerfen und unwillkürlich anspannen würde, so bieten sich allein .die Karten als ein herrliches Mittel dar, seinem leiste wahro und vollständige Ruhe von der Berufsarbeit zu gewähren, gerade indem sie ihn anderweitig, aber mit einem so abstrakten Gegenstande beschäftigen, -das* von diesem keine Brücke zu dem arbeitsvollen Ideenkreise führt. Daher haben wir die Handhabung' eines besonderen und nur hierzu bestimmten Spielapparats als das charakteristische Merkmal des eigentlichsten Spieles angesehen. Kaum die- Musik, obwohl sie ebenfalls ein abstraktes Element zum Gegenstände hat, dürfte wegen ihrer gemütsorregonden Eigenschaften denselben Dienst zu leisten im stände sein. — Das Schachspiel aber würde denselben Vorzug, und vielleicht noch in höherem Masse besitzen, wenn es nicht zu wenig von dem erholenden, .vergnüglichen und ."befreienden Charakter des Spiels hätte, und, nach «lern bekannten treffenden Worte: wie für den Ernst zu viel Spiel, tür das Spiel zu viel Ernst wäre." Soweit Lazarus. Mit diesen 'Ausführungen des Philosophen habe ich keineswegs für das Kartenspie] in den Logen Partei nehmen wollen. Denn auch ich bin von der Ueberzeugung durchdrungen,' das« die Nachsitzuhgen " ohne Spiel interessant und angenehm gestaltet werden könnten. Ich werde darin durch das a.,Logenleben in den Badeorten'- bestärkt. In Vielen Erholungsorten, wie in Harzburg. Kissingen. Norderney und Ileringsdorf. blühte in diesem Jahre, wie ich von vielen Brüdern hörte, das gesellige Zusammenleben unserer Brüder. Es - fanden öfters Zusammenkünfte statt ohne Spiel, die sehr gemütlich, anregend verliefen, und bei denen dio Brüder und ihre Angehörigen sich sehr wohl fühlten. Was in den Bädern möglich jst, könnte am Platze der Loge noch eher ermöglicht werden. Denn im Badeort ist doch alles, Was geboten wird, improvisiert, während man zu Hause alles isehön vorbereiten könnte.- '• Wir müssten nur die Faktoren berücksichtigen und zu werten suchen, die an den Badeplätzen die Zusammenkünfte beleben- und ihnen einen gewiesen Keiz vorleihen: die Frauen und die erwachsene Juge n'd. Die Frauen

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