Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 9 - Oktober
- Date
- 1908-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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des Vitt. Distrikts aus vollen Kräften und mit vollem Herzen bemüht sind, diese drei Postulate zu erfüllen. Was an Wohltätigkeit und sozialen Hilfswerken getan wird, ist aller Ehren wert. Welcher Wert in den einzelnen Logen darauf gelegt wird, dass der brüderliche Geist, gepflegt wird, und stets volle Hinfracht, nicht nur äussere, sondern auch die Her/.enseinfracht obwaltet, er fahren wir in jeder Sit»un^ und entnehmen wir aus allen Schreiben der Grossloge, die als die berufene Priesterin dieses Gedankens ihre besten Kräfte einsetzt, dass die Brüder unter sich, die Brüder mit den Lögen, die Logen untereinander und die Logen mit der Grossloge in herzlichster Einigung leben. Zwischenfalle mögein wohl vorkommen, aber sie bilden bei der grossen Anzahl der Logen und Brüder eher Ausnahmen, die die Regel bestätigen, als aufheben. Es darf ohne Ueberhebung ausgesprochen werden, dass der Geist in den Lr.gen dem Ideal entspricht. W. B. und E. werden erfüllt. Liegt also nicht aller Grund vor mit der De* 4 visc zufrieden zu sein, und sie mit dem Gefühl zu gebrauchen, dass sie den Inbegriff des Logengedankens versinnbildlicht? . Diese Frage möchte ich dennoch verneinen. Denn die Devise drückt zweimal dasselbe aus und sagt nichts von dem, was meines Er»! achtens den innersten Kern des Logen lebens bildet. Soviel ich weiss, sind bis' jetzt keine kritischen Stimmen gegen die Devise laut geworden, trotz dem jeder Bruder, mit dem ich darüber sprach, mir Recht geben musste, dass W. B. und K. zu viel und z\i wenig ausdrückt. Da aber in Reden und Aufsätzen noch immer die Devise gepriesen wird, als ob sich in ihr, wie durch ein Brennglas aufgefangen, alle erwärmenden Strahlungen des Logenlebens sammelten, erscheint mir eine Untersuchung geboten, ob die Devise wirklich den ganzen, reichen Inhalt des Logeidebens anzudeuten vermag. Ich tue dies um so freudiger, als nur in der Wahrheit belebende Kraft liegt, und der ,YIII. Distrikt viel zu mächtig dasteht, als dass er bei einer Kritik seiner Devise irgendwie Schaden leiden konnte. Da aber nach meiner L'eberzeugung der Reichtum der Logenidee viel'gewaltiger ist, als die offiziellen drei Programmbuchstaben W. B. und E. iiideuten, Ware es doch notwendig, eine Devise zu suchen, die vielleicht genau* dieselbe Form hat, aber «las Ordensleben in seiner ganzen Schönheit enthüllen konnte: ■ ■ IL ' „: *"- Die Devise W. B. E. sai«t. insofern zuviel, als 4 . . . .- ,.' in .den Worten Bruderliebe und Eintracht dasselbe Ideal zweimal betont wird. Wo .» Bruderliebe herrscht, besteht auch Eintracht. Wenn brüderliche Gesinnung und liebevolle Freundschaft vorhanden ist, kann die Eintracht garnicht fehlen. Denn Eintracht ist nur ein schwächerer, farbloserer Ausdruck desselben Zustands. Zwar ist Eintracht ohne Bruderliebe «lenkbar. In Vereinen und Verbändenwnrd überall Eintracht gefordert. Bis zur Bruderliebe steigern sich aber dort die Forderungen nicht. Das hebt grade die Loge so hoch hinaus, w'ei'l sie ihre Mit 'glieder nicht nur wie Ycreinsgcndssen einträchthch verbinden will, sondern weif in alten Lagen des Lebens ein Ben Briss im ändern Ben Briss den Bruder sieht. Auch in anderen 'Wohltätigkeitsvereinig'ungen und jüdischen Verbänden ist Eintracht notwendig. Sic allein genügt aber für das IJogenlebeii nicht. Die -Eintracht;'- ist der Körper, der uns alle umfasst, die Bruderliebe lullt diesen Korper mit warmem, lebendig-pulsierendem Blute aus. Die Eintracht ist das schwächere 'Ideal lind keineswegs eines, das der Loge .originell wäre, tjnd da:die Devise sie schon' in .der Bruderliebe erheischt, braucht sie doch nicht noch einmal gefordert zu werden. Das F. ist also überflüssig, oder konnte vielleicht ein.anderes Logenidcal damit'.bezeichnet werden? * III. •V "." \ Jedem Logenbruder ist es" bekannt, dass die Aufgaben der Loge nicht mit der Pflege von Wohltätigkeit und durch die Betätigung von Bruderliebe erschöpft sind. Möglich," dass bei dem ersten Beginnen der Wolfltätfgkeitsgedanke im Yoidergrund stand. Heute ist -er nicht mehr das alleinige und hauptsächlichste Ideal.-, Denn Wohltätigkeit wird auch sonst' von vielen Vereinigungen!, ausgeübt, und Debatten, über Wohllahrtsbestrebungen, Unterstützungen ' Und soziale Hilfswerke verleihen noch lange nicht den Logenabenden den anziehenden Reiz, .den sie auf jedes Gemüt ausüben, das sich erheben will. Und die Bruderliebe ist an sich kein Endziveck, sie ist v ielmehr der innere Motor, der dusere Kräfte ver einigt und verstärkt, um dann unseren Findzielen, der Wohltätigkeitspflege und der Herzensknltur, - 127 — i