Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 9 - Oktober
- Date
- 1908-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Glaube ist unsere Ehre. Als ich jüngst bei meiner Anwesenheit in Merlin zum Jubiläum der Berthold Auerbach-Loge, durch die Ansprachen sowohl des hochwürdigen Gross-Präsidenten als des Präsi<lenten der genannten Loge die bange Frage zittern horte: Sind wir noch ein, jüdischer <>rden: —- da habe ich mir tür unser Teil dahier diese Frage freudig und bedingungslos bejaht. Wir gleichen ja die nicht geringe Differenz unserer Denk- und Lebensweise , wie sie Beruf, gesellschaftliche Stellung, religiöse Ansicht und Weltanschauung notgedrungen zwischen uns erzeugen, durch nichts anderes aus. als durch die bewusste Gemeinsamkeit unseres' Bekenntnisso¬ und die vereinte Arbeit an sittlichen Aufgaben, die sich samt und sonders mit dem'Judentum nicht nur vertragen, sondern aus seiner richtigen Erkenntnis gradezu ergeben Wir. billigen Einer die Zwecke des Anderen und lassen ihn nach seiner Persönlichkeit sich voll und ungehindert ausgestalten: aber wir linden uns auf dem eigensten Reviere unseres Brudertums immer wieder friedlich vereint, um unverrückt zusammen fortkugehen und von den Früchten einer wahren, tätigen und produktiven Freundschaft nicht nur selber zu gemessen, sondern auch die Umwelt gemessen zu lassen. 'Darum feiern wir heute in fröhlicher Stimmung einen Tag befriedigender Erinnerungen und lassen dje »'.'jährige Geschichte unserer Rheinland-Loge nicht ohne berechtigtes Hochgefühl an unserem Geiste vorüberziehen. Aber das Beste, was wir von iler Geschichte haben . sa^t wiederum Göthe. ~wr 6 ist der Enthusiasmus, den sie erregt. Denn Enthusiasmus gebiert den starken Willen zur neuen Tat: und so wird an einem l äge, wie dem heutigen, die] Vorstellung des Vollbrachten zur Erzeugerin künftiger Werke. Den gleichen Gedanken offenharr der schone Segen, der am vergangenen Sabbat aus der Bibel verlesen worden ist: Die Aussaat möge Euch reichen bis zur Ernte, und die Ernte nv^e Euch dauern bis zur Aussaat. Auszusäen hat naturgemass nur dann den rechten Wert, wenn die sichere Ernte winkt: aber die Ernte ist auch nur dann ein wahrer Segen, wenn die Hand schon wieder zum Wurf der Aussaat bereit ist. Seine Leistungen sich zu vergegenwärtigen ist nur dann erlaubt und eine wahre Befriedigung, wenn der unentwegte Entschluss zu neuen und grösseren Leistungen damit verbunden ist. Wir werden nicht stille stehen, und wir dürfen nicht stille stehen. In moralischer Beziehung giebt es kein Rentnerleben. Unsere ethische Daseinsberechtigung liegt nicht im Geschehenen und Erreichten, sondern im Fortgesetzten Wollen und Vollbringen; und darin allein liegt auch, für 41ns im engsten Kreis, eine andere Berechtigung: nämlich die. es fortan, wie bisher, als einen Vorzug zu betrachten, zur Rheinland- Loge zu gehören. — Vielleicht darf ich in dieser festlichen Stunde eine Anregung geben, die nicht ganz-^mgehört verhallt. In Ottenbach a. M., wo sich i 5<x > — jihk) russische und galizische Juden aufhalten, also ungefähr so viel wie hier in Cöln, aber anderthalb mal mehr als die ganze dortige jüdische Gemeinde, ist vor zwei Monaten ein Fortbildungsheim für ausländische Juden eröffnet worden, hauptsächlich aus der Initiative unseres verewigten Bundesbruders Hallgarten, in ökonomischer Hinsicht eine Schöpfung der Frau Baronin Edmund v. Rothschild in Paris. Dieses For.tbildungsheim besteht aus einer L'nterrichts-Anstalt und einer Lesehalle. Die Cnterrichts-Anstalt soll den .Mangel der Volksschulbildung ersetzen, und unterweist'Ausländer im Alter von 15 —30 Jähren in Deutsch, Lesen, Schreiben. Rechnen und technischem Zeichnen: dazu soll später noch Geographie; Natur und Weltgeschichte hinzukommen. Dass am hiesigen Ort eine solche oder ähnliche Einrichtung von segensreichster Wirkung werden könnte, davon bin ich überzeugt; und ebenso, dass damit eine unserer Loge würdige Aufgabe gestellt wäre. Vielleicht treten die in unserer Mitte dazu Berufenen in irgend einer Form an sie heran.* 1 Nunmehr aber will ich den Enthusiasmus, .das Beste, was wir von der Geschichte haben , zum Schluss noch in einer, andern Form ausklingen lassen: in anspruchslosen Reimen, ilie ich vor /wei Jahren der von mir mitbegründeten August Farnes-Loge in Mannheim zu ihrem 11'jährigen Stiftungsfest gewidmet habe, und in denen auch unserer Rheinland Loge gedacht ist. Vernehmen Sie, werte Brüder, als mein < >rdensbekcnntnis 1 Di« C iruiiilmi^ solcher Institutionen für die hei un> ansässigen osteuropäischen Juden ist dort, .wo die V erhältnisse sie erheischen, den w. Logen aufs wärmste zll empfehlen Im September P107 haben wir bereits in unserem Monatebericht Nr. 7 S. _sol.-hc •Fortbildungskurse-'' angeregt und sie ausführlich besprochen. Das Ked -Kom