Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 8 - September
- Date
- 1908-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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gegengenüber der blossen Zweckmässigkeit, die geistigen Inhalte des Lebens gegenüber den menschlichen Interessen zu vertreten: sie hätte überhaupt ein Reich der selbstständigen Geistigkeit so gut es möglich der Menschheit gegenwärtig zu halten, die ihm innewohnenden Wertschätzungen zu verfechten, eine ihm. entsprechende geistige Atmosphäre zu bilden. Ohne durch ein Zusammenwirken der Menschen zu einer solchen Verkörperung wie wir sie im L. < >. B. 15. besitze«: aer Verf. zu gelangen, sinkt, ja zerfällt schliesslich die Selbständigkeit des geistigen Lebens, und es bleibt nur jenes Gemisch tön Menschlichem und Geistigem, das. als Ganzes und Letztes behandelt, das Leben tief herabsetzen muss und es alles Sinnes beraubt. Sollten'-wir nicht meinen, diese Ausführungen stünden in einer Propagandaschrift des U. ' >. B. B . in einer begeisterten Aufforderung zur Gründung einer I.r»ge! [ ( Dieselben Voraussetzungen und Bedingungen', unter welchen Rudolf Kucken dem Leben einen. Sinn und Wert zuerkennt, haben die bewunderungswürdigen Gründer unseres Bundes in weitschauender. tiefemplindender Weise uns als Ge- ■ setze gegeben. Sie Haben in einer Zeit des öden Materialismus ~ und der kulturfeindlichen Rassengegnerschaft uns den Weg gewiesen, auf dem man über die kleinliche Pein und Sorge des Alltags hinaus ins Grosse. Befriedigende, Erhebende gelangen kann. Je klarer wir dies einsehen, je genauer wir „ das Ziel und die Wege, zu ihm kennen, desto mehr erwächst uns die Pflicht, dieser Stimme des < "rdens. die die Stimme unseres eigenen Ich sein soll zu folgen, den Gesetzen unseres (»rdens im Sinne seiner Gründer und zu unserm Besten nachzuleben und nachzustreben. Wir müssen durchdrungen sein von den) Bewusstsein, dass Arbeit im Sinne unseres Bruderbundes unserm Leben einen Zweck und Wert verleiht. Wir sollen so begierig sein, den" Sinn und Wert des Lebens zu erfassen, dass jeder einzelne Bruder die Erhöhung seinerselbst empfinden müsste, wenn er mithilft für die Gesamtheit etwas zu leisten. Wir müssen mit so heisser Sehnsucht danach \ erlangen den Sinn und Wert des Lebens zu verstehen, dass als praktische Folge dieses Strebens *l l>cr Sinn uiitl VVrrt Me* Lrhens-: Kml'ilt Ktii'krri, Jcnn. r 1+5 . {'..' t . -Tu J ■ Beamte und Ausschüsse vor jeder Sitzung sich . / Rechenschaft . darüber ablegen müssten. ob der betreffende Abend etwas hinzufügt zur Individtialkultur der Brüder oder zur Sozialkultur" der Gesamtheit. Von diesem Geiste müssen unsere Arbeiten immer mehr durchdrungen werden, wir müssen mehr und mehr gepeitscht werden von dem quälenden Gedanken, dass wir den riesenhaften Anforderungen des Alltags nur die minimale Arbeit der Stunde entgegenzusetzen haben. (irosses und Dauerndes ist zu allen Zeiten nur durch die Kenntnis und Erfüllung der Pflichten, nicht der Rechte erzielt worden. .Die leitenden Grundsätze dieser Ausführungen, die Gedanken, die «lern Leben einen Sinn und Wert verleihen und die zugleich die Anforderungen sind, die unser Bund an uns stellt, sind uns in nieverklingender, dichterischer form geschenkt: Dein grösstes Glück, o Menschenkind, Berede Dich mit nichtcj), Dass es erfüllte Wünsche sind. — Ks sind erfüllte Pflichten. Die Hilfsaktion für die russischen Waisen. Die grausamen Judenverfolgungen in Rus-. land. die in kurzen Zwischenräumen in den,Jahren \',"\ und k/io aufeinanderfolgten und jeden edel denkenden und fühlenden Menschen mit Grauen und Entsetzen erfüllten, gaben unseren Brüdern Gelegenheit, die Grundsätze unseres Ordens in reichem Masse zu betätigen. Kaum war die traurige Kunde von den blutigen Greueltaten zu uns gelangt, da überwies die Grossloge dem bewährten Hilfsverein der Deutschen Juden aus den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln eine ansehnliche Summe: gleichzeitig wandte sie sich an die Kinzellogen, sie zu Sammlungen von Spenden aufrufend. Um »den ( )pfern der Verfolgung zu Hilfe zu kommen öffneten unsere Brüder überall Herz und Hand, begnügten sich nicht mit ihren namhaften Gaben, sondern regten noch durch Wort und Beispiel ihre Mitbürger und Freunde zu edlem Tun an. Nachdem die Not unserer, hart betroffenen Glaubensgenossen in Russland durch die Anstrengungen der verschiedenen Wohltätigkeitsorganisationen cinigermassen gelindert war, stand unser i irden vor einer zweiten heiligen Aufgabe, nämlich lür die Kinder, die bei den blutigen