Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-09-01 · Nr. 8 - September · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 8 - September
Date
1908-09-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4864325-6028974-6074175--1324-4865461
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

achim. wenn ein Meinungsstroit herrschte Mit einem Worte: Joachim war das personifizierte Ordensgesetz. Dem Gesotzes-Komitee hat er eine lange Reihe von .Iahten, meist als Vorsitzender, angehört, und ihm gebührt hauptsächlich das Verdienst, das? alle Tochterlogen einheitliche Statuten erhalten haben, in. denen ihnen völlige Autonomie bewilligt und für die Grossloge nur das Aufsichtsrecht gewahrt wurde. Er war eines dor rloissigsten Mitglieder den (ieneral-Komitees und des Geschäftsausschusses, jener beiden Organe welche die Verwaltung der Grossloge ausserhalb ihrer Tagung zu führen haben'. Hier hat er die glänzendsten Referate erstattet und durch dio l 'eberzeugungskraft seiner kühl abwägenden Rede einen massgebenden und meist entscheidenden Kiiitluss auf die Beschlussfassung ausgeübt. Kr war nicht leicht zu widerlegen und oft haben wir bereut, gegen seine Ansicht votiert zu haben. / Ergreifend war es für mich, den Wissenden, zu sehen, wie der totkranke Mann sich noch im Mai d .1. an den Arbeiten der Grossloge mildem Aufgebot seiner letzten Kräfte beteiligte. Dabei atmeten seine Reden den gewohnten klaren Geist und wurden so eindrucksvoll und lobendig vorgetragen wie in seinen besten Tagen.'i Nach Joachims Auffassung ist der Zweck des Ordens nicht die Ausübung der Wohltätigkeit im engere» Sinne. Mit vielen teilte er die Meinung, dass im Vordergrunde unserer Bestrebungen die ethische und geistige Fortbildung der Judenheit stehen müsse. Als hervorragender Vertreter dieses Gedankens nahm er sich der Gründung der Toynbee-Halle, mit bewundernswertem Enthusiasmus und ausdauerndem Eifer an. Ihr Werden kann mit Fug uh 1 Recht als sein eigenstes Werk bezeichnet werden. Kunst und Wissenschaft zu iördern. scheint allerdings bei oberflächlicher Betrachtung ausserhalb des Rahmens unserer Aufgaben zu liegen. Denn dem hohen Gedankenrluge unserer Dichter und Forscher, dem ästhetischen Kmpfinden unserer KünStife»' vermögen allerdings nur wenige zu folgen. Jaber die Quellen der Sittlichkeit, dio aus ihren Schöpfungen hervorsprudeln, strömen auf dfe Gemüter aller mächtig und wohltuend ein. verstanden, dient auch die Toynbee- Halle Vanz eigentlich dem Logonzwecke. Gibt es we-fal eine grössere Wohltat, als den Armen _ **'•'. und Darbenden, den Mühseligen und Reladonen nach des Tages harter Arbeit in "behaglichen Räumen durch , belehrende und künstlerische Vorträge einen geistigen Genuas und eine sittliche Erhebung zu verschaffen? Das war nach Joachims Ansicht das rechte Wohltun, wie es uns geziemt, und darum lag i ihm das Rlühen und Gedeihen der Anstalt ganz besonders am Herzen. Ihr beispielloser Erfolg war der schönste Lohn seiner Tätigkeit. Kr selbst aber hat sich in ihr ein ..monumentüm aere perennius'. ein Denkmal dauernder als Erz, errichtet, das noch über viele Geschlechter hinaus y.-on seinem Wirken künden wird. Und noch ein letztes Wort an die Brüder. Hätte Joachim für den < >rden in Deutschland seinen letzten Willen aufgezeichnet, so würde sein Programm in'die Worte ausgeklungen sein: „Arbeit im stillen, kein . Prunken mit unseren Leistungen 'vor dor Ooffentlichkeit, ** - streng demokratische Verfassung, kein persönliches Regiment, kollegiale Verwaltung. Einigkeit im Deutschen Distrikt; in < »st und West, in Nord und Süd.u So. meine Verehrten, war der Muimi. um den wir dio Totonklage anstimmen müssen. Von zäher, unverwüstlicher Körperkraft schien er uns zu sein, und doch hat eine tiiekische Krankheit sein Lebensmark so frühzeitig zerstört: Irl der Blüte der .Mannesjahre hat ihn iäejf-unerbittliche Tod auf der. Ib>he seines Schaffens erbarmungslos dahingemäht. So weint die Grossloge mit den Brüdern der Deutschen Reichsloge um den Verlust dieses ganz hervorragenden Menschen, so klagen wir mit Ihnen, verehrteste 'Frau, das harte Schicksal an. Sie. die er mir einst in vertrauter Stunde als das Ideal; ejner Gattin und Mutter, als seine angebetete Göttin gepriesen. Sic mögen einigen Trost daraus schöpfen, dass Sie dem lebensvollen Manne durch hingehendste, aufopferungsvolle Pflege bis zum letzten Atemzuge den Glauben an seine baldige Genesung erhalten und das schwere Sterben leicht-gemacht haben. l'nd Ihr, lieben Kindef, die IhrWben dor Mutter die einzige Eitelkeit Kures. Vaters wäret, möget Euch aufrichten an dem Gedanken das? seine Lebensarbeit köstliche. Früchte gezeitigt, und dass er Euch einen Namen hinterlassen hat, den Ihr mit stolzer Fremlo tragen dürft. - — 105 —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.