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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-09-01 · Nr. 8 - September · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 8 - September
Date
1908-09-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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I»;i^s ein Mensch vonso reicher Begabung uh'l so vielseitigem Können sich die Wertf=chätzung und Hochachtung seiner Kollegen und 'Mitmenschen errungen, kann uns nicht wundernehmen. Aber darüber hinaus hat er sich unzählige Freunde erworben, die ihm bis ans Ende treu geblieben sin 1 Am Urahe Walter Leistik< ws sprach Gerhard Hauptmann jüngst das wahre Wort: „Was jemand als Freund gewesen ist. was s „ihm Freunde waren, das mächt ein Teil _>eines edelsten Wertes aus." Und wenn wir nichts anderes über unseren Toten zu sagen wiissten. als dass er im reichsten Masse der Freundschaft köstliche Gaben ausgestreut und "empfangen hat. so wäre er schon dadurch allein als edler Mensch gekennzeichnet. Diese < harakterzüge unseres Verblichenen, welche ich eben skizziert habe, lagen mehr öder minder klar vor aller Augen. — Aber seine seelische Eigenart, die. manchem ein Rätsel gepresen. konnte nur der erkennen, den er in sein verschlossenes Tnr.eres hat hineinschauen lassen, pie Welt >ah ihn oft unfreundlich und rauh: roff und rücksichtslos konnte er mit Menschen M igehen. und selten hörte man von ihm ein Wort, aus dem ein fühlendes Herz hervorklang, l'nd dennoch wohnte, in ihm ein empfindsames, weiches'Gemüt: es zeigte sich nicht nur ^uf iler Oberfläche, es war im tiefsten Born des H. rzens verborgen: es ging nicht in die Breite. "es ergoFs sich in die Tiefe. Es widerstrebte ijim. sein Gefühl zu zeigen, er hatte ein eigentümliches < ieraüt v<>n seltsamer Keuschheit. So war es nur natürlich, dass sein kühles Wesen ihn* zuweilen gefühllos erscheinen liess, und darjmn ist er von. vielen, die ihm nicht näher getreten sind. gründlich verkannt worden. Die Welt beurteilt eben das Gemüt eines Menschen nach seiner Aeussernng und versagt ihre Sympathie einer.scheinbar hartherzigen N'atur. Dieses Schicksal hat. unser toter Freund oft erfahren müssen, und darum habe ich den letzten Schleier \|on seiner keuschen Seele hinweggrezogen. damit ihn alle im rechten Lichte sehen. I .3 Und noch nach einer andern Seite möchte ijh sein Bdd vervollständigen Dieser geistvolle Mann und klare Kopf war. so parodox es klingen mag. in Wahrheit ein weltfremder Mensch. Von fasl kindlicher Einfalt des Gemütes sah er das Lobensgetriebe um sich her mit unschuldigen Augen an. Jeder galt ihm als gut. bis ihm das Gegenteil bewiesen war. So hat er sich ein erstaunlich geringes Mass von Menschenkenntnis erworben, und so blieb es ihm auch versagt, das tiefe Geheimnis der Frauenseele zu ergründen. Manche Enttäuschung und Bitternis waren die Folgen dieses seltsamen Defektes. .' Arbeitsreich waren seine Tage, aber er verlangte auch von der angenehmen Seite des Daseins seinen vollen Anteil. Nicht in den Niederungen wollte er seine Jahre verbringen, es. zog ihn mächtig hinauf auf die Höhen des Lebens. Dort beanspruchte er seinen Platz an der Sonne. Die grossen und kleinen Sorgen des täglichen Lebens elastisch von sich abschüttelnd, so wie wenige unter uns es vermögen, konnte er sich ganz dem Genüsse der Welt und ihrer Schönheit hingeben. So hat er wohl oft an der reich besetzten Tafel gesessen — aber es war ihm nicht vergönnt, die ganze Herrlichkeit des Lebens sich zu eignen und gegen das Morgenrot auf Bergeshöhen ist sein Auge blind geblieben. „Hab' ich des Menschen Kern erst untersucht, .So weiss ich auch sein Wollen und sein ' Handeln." Nim. meine hochgeehrte Trauerversammlung, werden Sie leicht verstehen, von welcher Bedeutung Albert Joachim für unsere Grosslogc gewesen ist. Fast ein Menschenalter hindurch hat er seine eminenten Fähigkeiten in den Dienst unserer heiligen Sache gestellt, und er hat. das muss ich ganz besonders betonen, mit grösstor Freudigkeit und nimmer rastendem Eifer für den Orden gearbeitet. Zielbewusst hat er von Anfang an darauf hingewirkt, dem Deutschen Distrikt die Unabhängigkeit von dem amerikanischen Ordenspräsidium zu verschaffen. Die volle Souveränität sollte uns die grössto Bewegungsfreiheit und die Ausgestaltung unserer Tendenzen im deutschen Geiste ermöglichen. Iii diesem Sinne hat er schöpferisch an den Gro'sslogengesetzen gearbeitet. Mit Hecht sind sie einmal als „lex Joa<himicau bezeichnet worden. Auch die jüngsten Aenderungen unserer Verfassung tragen den Stempel seines Geistes. Er war der eigentliche Mentor der Grossloge. ..Was sagt das Gesetz?" diese t}-pische Frage richtete der hochw. Grosspräsident' unendlich oft an Br. Jo-

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