Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 8 - September
- Date
- 1908-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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f»o nehme ich denn Abschied von Dir, mein arm^r Freun<l. der Du so sehr am Leben gehangen und so frühzeitig hast dahingehen müssen. Dein glänzender Stern Kst erloschen, in die ewige Nacht versunken, aber Dein leuchtendes Vorbild in Pflichttreue und Liebe zum Orden wird niemals verblassen. Nimm als Scheidegruss unser Gelöbnis hin, dass wir in Deinem Geiste weiter arbeiten und kämpfen werden, bis dereinst auch unsere Stunde schlägt. Unauflöslich fühlen wir uns mit Dir verbunden: . Was innen sich verbindet, das trennt sicli nicht zur Stund', l'ns einet in Gedanken ein Band, das niemals . reisst. Ib'ch über Erdenschranken zieht es von Geist zu Geist! im Nanfen der Berliner Logen verlieh Expiäs. Br. Maximilian Stein der Trauer und i , i <!< r;Teilnahme Ausdruck in folgenden^ Worten: Verehrte Trauerversammlung! Wenn Lippen, die so klug und fesselnd zu reden wussten. wie die Br. Joachims, auf ewig verstummen, wenn ein Herz, das uns teuer war. aufhört zu schlafen, wenn wir ein Grab zu schaufeln haben einem so wertgeschätzten Freunde, dann sehen wir zunächst fassungslos den Tod in unser Lager brechen. Zwar mildert sich sein Schrecken, wenn er. wie hier, auch als Befreier kommt. Schmerzen wegzulöschen und seine Fittige zu breiten über (jual und Krankheit. Ein Jenseits unserer Leiden ist dann der Tod. ein Erlöser und Befreier. K-.stlicher jedoch mag den Hinterbliebenen der Trost sein, dass" ihre Trauer nicht ver einsamt. sondern ein weitklingendes Echo findet als das Weh einer ganzen Gemeinschaft. .Vicht allein die würdige Deutsche Iteicbsloge, nicht nur die hochwürdige Grossloge, wir Brüder alle;der Berliner Schwesterlo^eh. in deren Namen! ich spreche, fordern unseren Anteil an ihrem Verlust und wir bieten dafür unsere tief- i » i ' I - 'e innigste" Anteilnahme. Drei Namen, so heisst es nach einem Spruch alt jüdischer Weisheit, hat der Mensch. Dereine ist ihm von seiner Familie gegeben, der zweite von der Welt, der dritte von seinen Werken. Wir alle stehen unter dem Eindruck der ergreifenden Gedächtnisrede des verehrten Bruders Maretzki, als des Präsidenten dieser Loge, die dem Verklärten eine zweite Familie gewesen ist, und in der sein Name allezeit mit tiefer Sympathie genannt ward. Die Welt Br. Joachims war der Orden. Des Vertreters der hochwürdigen Grossloge. Br. Kutznitzkys rührende, freundschaftliche, herzinnige Worte haben uns vors Auge geführt, .wie in dieser Welt der. Name Br. Joachims heute allgemeine Trauer auslöst ob des jähen Heimgangs dieses verdienstvollen Führers. Von seinen Werken aber habe auch ick noch zu sprechen, von dem Werke zumal, das bereits erwähnt worden ist, an dem mit ihm zusammen zu arbeiten uns. Mitgliedern des Vorstandes und Komitees vergönnt irewesen, von der Toynbee- Halle. die mit seinem Namen eng verknüpft ist und' die er selbst als sein und der Berliner Logen Lieblingswerk bezeichnet hat. Die Toynbee-Halle erhebt sich über ihre lokale Wichtigkeit zu einer symbolischen Bedeutung in bezug auf unsere Logenarbeiten im allgemeinen, wie sie Br Joachim vorgeschwebt: si§ bietet einen weiteren Schlüssel zum Verständnis seiner Persönlichkeit. Wir haben Br. Joachim heute rühmen und preisen hören als einen der Gesetzgeber und Strategen des Ordens. Er gehörte zu denen, die mit den wachsenden Aufgaben des Ordens' selbst emporgewachsen. Aber auch zu denen, die seine Einlenkung in neue weltliche, soziale Bahnen beeirflussten. Noch auf seinem Krankenlager sprach er zu mir mit Vorliebe von der Modernisierung und Sozialisierung des Ordens, sprach er mit Vorliebe von der Toynbee-Halle als einem Merkzeichen zeitgemässer Logentätigkeit. Von berufener Seite, mit dem Gritfei der' Freundschaft, mit Farben des Herzens ist uns heute sein Bild geschildert worden. Es hiess. Br. Joachim sei mehr Verstandesmensch als Gefühlsmensch gewesen. Er war es, weil er gerade dadurch zu nützen glaubte, dass er gegen allzu uferlose Gefühlstheorien schützende Dämme. errichten half, weil seine überlegene weitschauende Klugheit zu erkennen glaubte, dass alle Werke der Barmherzigkeit und Wohltätigkeit wie auf Sand gebaut erscheinen, wenn man nicht Blöcke wie aus Granit um sie häuft, die4 sie schützen und bergen. Sein eigenes Herz schien umsäumt von Geboten seines scharfen Verstandes.