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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-09-01 · Nr. 8 - September · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 8 - September
Date
1908-09-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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einander. Feind alles Scheins, abhold jeder; Phrase, entwickelte er den inneren Kern einer Frage, unbeeinfltisst gab er sein Urteil, seine Meinung. — (iemeinhin wird die Menge von der reinen Ver- Standsarbeit nicht sonderlich bewegt, oft abgestossen, wenn' sie eine kühle'Denkart von, sich sieht. Sie, will auch die Seele tätig sehen. Br. Joachims Verstandskrart war durch einen feinen lluniur gewürzt und gemildert, ohne persönlich zu werden, ohne zu verletzen. In seiner tief empfindenden Seele lebte jene ungezwungene, last kindliche Heiterkeit, die ihn befähigte, über die Schwächen des Menschen, über die Yerdriess lichkeiten des Lebens mit philosophischem Gleichmut hinwegzusehen und sie zu überwinden. Unter dem scheinbar kalten Yerstandsmantel verbarg sich ein zartes, liebevolles Gemüt 1 Wer ihn genauer kannte, wern es vergönnt war, seine Freundschaft erworben zu haben, dem erschloss er die l iefe seines Wesens, die Schätze seines gütigen 1 lerzens. — Wie oft sind wir nächtens manche Stunde auf und abgewandelt in "tiefem Gespräch über die Probleme der Natur jurld der Welt, über Glück und Leiden der Menschen. Da konnte ich stets einen tiefen Blick in sein Inneres tun, mich erfreuen an der Hochherzigkeit seiner Gesinnung, an seiner edlen Auffas-iimg der "Pflicht, an .seiner feinsinnigen Denkart und Zartheit der Empfindungen. — W ie alle Yerstandsmenschen entging auch er nicht dem Schicksal des Verkannt Werdens. Seine reservierte Haltung, seine kühle Aussen seite verdeckte nur scheinbardie Güte seines Herzens. Ks war ihm, als niüsste er sich krampfhaft verschliessen, um nicht zu sehr der Barm herzigkeit freien Lauf zu lassen, denn er fühlte innig und tief mit den Unglücklichen und Verstosseuen. — Line andere hervorstechende Eigenschaft war sein Rech'tsgefühl und sein unerschütterlicher Gerechtigkeitssinn. Er duldete keine Abweichung von den Gesetzen, die er wie kein anderer im Kopfe hatte, mochte die Anregung die denkbar beste sein, mochte die Sache noch so sehr zum besten der Loge dienen. Er war das personifizierte Gewissen der Logen. Oh! er wird uns sehr'fehlen, der unparteiische Wächter der Gesetzlichkeit, der wachsame Mentor unserer Ver handlungen. Wie er so schlicht und bescheiden sich erhob, um zu sprechen oder zu berichten, wie klar und ruhig Hoss seine Rede, wie mahnend und warnend sprach er zu den Brüdern: das wird uns immer vor Augen stehen. An dieser seiner gewohnten Stelle werden wir ihn nicht mehr sehen, unsere Seele wird ihn rufen in . entscheidenden Momenten. — Die Menschen können gross werden durch ihre wirtschaftliche Tätigkeit, .sie bleiben elend trotz Reichtum, wenn der ethische Gehalt nicht die Grundlage ihres Aufbauens ist. bedrängt in den alleinigen ökonomischen Wettbewerb soll der Mensch nicht verkommen in d-eni' Kampf ums Dasein. Unserem freunde War die sittliche , Erhebung und Vervollkommnung das Wesentliche, das Höchste. Und dieses Ziel sollte im 'Orden verwirklicht werden, l est hielt er 'an der Forderung, dass unser Orden arbeiten'solle m stiller, geräuschloser Weise an dem Bau besserer Begriffe, reinerer Grundsätze und edlererSitten. Dieser Ideengehalt des Ordens hat ihn ganz durch drungen und itj der Ordensarbeit gewann er an Lebensfülle. —' Unausgesetzt beschattigt er sich mit dem < >rden. seinem Ausbau, sei.'Ter Vertiefung, seiner Verinnerlichung. Zwiesprache und Meinungsaustausch" über unseren Orden war ihm die schönste und anregendste Unterhaltung', die < r am liebsten im kleinen Kreise.pflog.' Seiner unerschöpflich waren seine Ideen und Vorschlüge.' für jede hatte er eine treffende Begründung. Prot* schwerer Krankheit nimmt er Anteil - an. den Geschäften des Ordens, der Au'sschuss. tagt auf seinen Wunsch in seiner Wohnung.' — Wiewohl er die Ausbreitung unseres < >rdens wiu.isc.hte und förderte, war er einer der Wenigen, die ziir Vorsicht mahnten, die ungestümen Dränger zurückzuhalten sich bestrebte. Bei der Gründling der Leopold Zunz-Loge in Beilin, die er seinerzeit eifrig be trieben, waren seine Tlcweggründ.e nicht/ die, dass er sich besser dünkte, vielmehr wollte .et seine Ideen in schnellerem Tempo durchführen, wozu ihm eine neue Loge eine grössere Gewähr für raschere Durchführbarkeit bot. als .die. alten mit i ihren alten Ueberlieferungen —. lüde \on'freiester religiöser Auffassung sah er .in dem Orden die idealste Bewertung des 'jüdischen Bekenntnisses, sah er in dem Orden das würdige Beispiel und .-mächtige Lehrmittel in Glauben, auszuharren und als Jude sich zu bewähren' in < harakterstärke. vornehmer Gesinnung und idealer Weltanschauung ,— Nicht minder kräftig war-'in ihm, der soziale Gedanke vertreten. Nicht jene (.vefSchwonjmcne. r*"*"" 4 " ''•■'* f*\ " gedankenlose Mildtätigkeit war die Triebfeder und . - der Zweck, seiner sozialen Arbeit, . er stellte sich — 101 —

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