Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 8 - September
- Date
- 1908-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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V _.«jie wir betrübten ller/.cns wusstetv, dass schon ■ früh die Schatten tlcsj Todes sich auf ihn senkten. Ij'nil dieses allmähliche Absterben, dieses leidvolle Verwelken! Viel Zeit verging, bis die stille Tücke [es unüberwindlichen Nagers ihr Zerstoru ngswerk {"ilbr.iclit. Wie haben wir sehnsuchtsvoll gebellt, dass ihm eine lange Frist gegeben sein »4f(ichte znm: Leben, zur Arbeit, /um Leben, «las lieh ihm mit glucklichen Verheissungen auf ■clütesseri sollte, das er so vollgültig und heffnungs- Ereuth'g für sich und die Seinen gestalten wollte. Kur Arbeit, die sein Wesen auslullte, die ihn nie brrnattete, ihn immer .'zu grosserer Anspannung reiner Kräfte anregtsk.ihm allein reiche und volle IJefricdiguiig gewahrte. Sit sehr war ihm «las «.eben zur Arbeit wichtig, so \.»!lig ging er in jder Idee langjährigen Schattens' auf. dass er sich Ii.:: ein so jähes K««ie-nicht vorbereiten konnte' juml w«-Ute. Gnädig verhüllte ein Gott ihm die ,\ati:r des. .-Leidens. Lud w er hatte es über sich gewinnen können, ihm «he sonnige Hoffnung des Vöfiendens /tt rauben. Ganz unvorbereitet hat ihn «1er I->«l aus seinem unvollendeten Leben esrissen. Noch klaftt «lie schmerzliche Wunde tief in unseren ller/en. an dem Irischen Grabe lÜi.'H wir sein Leben nicht richten, nur Rechenschaft wollen wir imgeben, was er uns gewesen, herbe Klage führen über den unersetzlichen Ye'r- Ir.st. dass et uns so früh entrissen. In solcher Sl li de ist' m.an zu leicht geneigt zu idealisieren, zu verklären, allein! er war ein (ji nster Mann und wollte .-.tets ernsthaft genommen und beurteilt wer«len. - Als hatte che Natur gewusst, dass er früh vnn hinnen gehen müsse, hat sie seine Gaben frühzeitig zur Keife gebracht.- Ein feinsinniger, charakterfester Mann, von ungewöhnlich tiefer und umfassender Bildung, der sich durch alle Sturme des Lebens einen unzerstörbaren Idealismus, eint kindliche Herzensreinheit, un- Vtjrsiegliche Güte und allzeit hilfbereite Menschenliebe bewahrt hat. So lebte er unter uns. so wirkte er zu unserem besten, so dachte er für unser Gedeihen, s«> empfand er für die idealen Ziele unseres Ordens. So ward er bald unser Führer, unser Meister. 2 t Jahre gehörte er unserem Bruderbmide an, in ihm entfaltete er alle seine herrlichen Geistesgaben und Charaktereigenschaften, liier wirkte er uftermüdlich in den vielfachen Aemtern der Deutschen Reichsloge und «ler Gross|<ig«s, die ihm vertrauensvoll übertragen wurden. Er gehörte zu den standigen Besuchern der L«'>ge und der Ausschüsse «ler Grossloge Nichts konnte ihn abhalten, den Sitzungen fern zu bleiben. Schon schwer kiank sehen wir ihn in der letzten Grosslogen-Sitzung, hören wir das Reformwerk, das er angeregt und durchgearbeitet hatte, den Repräsentanten erläutern, sehen wir ihn ausharren, bis es zum Abschluss gebracht wurde. Von früh an mit Verfassungsfragen beschäftigt, vertiefte er sich mehr und mehr in diese schwierige Materie und loste sie in glänzender Weise. Kr hat die Grundformen unserer Verfassung ausge: baut un«l sichergestellt. Darin hat er sein Bestes gegeben, dafür war er ganz besonders befähigt durch seinen durchdringenden Verstand und durch sein logiscfies Denken. Seme Denkkraft fusstc auf juristisclver Schärte. Weltkenntnis und sittlichem Bewusstsein. Kr war ein wirklicher Geistesaristokrat. klar und fest im Denken, harmonisch in Wesen und Bildung, «-hne besonderen Ehrgeiz, doch wo er auftrat, das anerkannte Haupt, hat er seinen Blick für ilas unmittelbar Nötige und Erreichbare geschult, ohne Fanatiker der Kon se«|ueriz zu sein. War ein Beschluss auch gegen seine Intention gefasst, war die Sache für ihn .erledigt, ohne Groll und Missrtiut fügte er sich in die Tatsache. In ihm lebte eben kein Wille zur Macht, er wollte belehren, überzeugen, nicht durchsetzen. ■ Friedfertig wie er war. vermied er es, die Dinge auf die Spitze zu treiben oder Machtverhältnisse auszuspielen, sowie er gern die Hand zur Beilegung von Differenzen bot. Die verwickeisten Materien durchleuchtet er mit scharfem Geistesäuge. sondert leicht und gefällig das Wichtige vom Unwichtigen, Sein Vortrag war klar und durchsichtig, ohne Gepränge, in behaglicher Breite und Ausführlichkeit behandelte er die Beratungsgegenstände, suchte sie zu erschöpfen, ohne die Hörer zu ermüden; er behandelte sie sachlich, ohne sich in ■ Einzelheiten zu verlieren. Kr war der geborene Kritiker, der unbeirrt bis in die entlegensten Sätze mit seiner Yerstandsfackel hineinleuchtete.,— Aber die reine Verstandstätigkeit muss zum Skeptic\smus und zur'Negation führen^ er setzte auch das Bessere an die Stelle. Die Kritik nahm ihn nicht gefangen, erhitzte bei ihm nicht den Kopf, er blieb immer Herr der Situation. Gelassen, oft kühl setzte er die Vorteile und Nachteile, das Richtige oder Falsche den aufmerksam folgenden Brüdern aus- 100