Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-09-01 · Nr. 8 - September · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 8 - September
Date
1908-09-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4864325-6028974-6074175--1317-4865454
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Kr. Joachim in bester Manneskraft mitten im .unermüdlichen Arbeirsdrange von der türkischen Krankheit ergriffen wurde, die ihn Stück für Stii. k. in seiner Lebenskraft lähmte. Der < Jrabredner. er soll auch zu trösten versuchen? . ' Nun meine liebste Frau .Joachim, wenn man. wie Sie. Tag und Xacht Zeugin' der schweren Leiden des Verstorbenen in den letzten Monaten gewesen ist. vielleicht schweigt Ihr Schmerz vor deftn Gedanke«, ilass er'vollendet hat, vielleicht, \er-tummt Ihre Klage vor «lern bedanken, dass der -chwere Kampf vorüber ist. ohne den es nich dem Willen des Schicksals unserem lieben Bruder Joachim nicht vergönnt war hinübert '■ i hlummern in das Land der ewig Seligen. : Am Sonntag wird eine Trauerfeier statt rinden, würdig dieses Toten, unter Beteiligung des ganzen Deutschen Distrikts. Es wird der rangjährige Freund des Verstorbenen und derzeitige Präsident der Deutschen Reichsloge, der Mitgliedsbruder Joachims war. Br. Maretzki. ein umfassendes, liebevolles und gerechtes Bihl des Verdorbenen zeichnen. Ileut ist dies nicht iic"glich. Der erste Schmerz hat etwas, was das Herz beengt.und die Zunge lähmt. Im ersten Sc'h::;erz ist es zu schwer, das eigenartige Ganze einer Persönlichkeit zu erfassen, da kann man deren Vorzüge nur stückweis schildern. Aber wenn es möglich wäre. Br. Joachim heute selbst zu hören, er würde in seiner einfachen und bescheidenen Weise gewiss zu uns .sprechen: ..Liebe Brüder, macht "auch nach 'meinem, Tode an meinem Grsibe nicht viel Rühmens : von mir." Und" so will ich auch nicht viel rühmen und ich brauche auch nicht viel zu rühmen, denn die Täten unseres Joachim. . seine Leistungen, ~ie rühmen ihn. Der Schmerz, der uns alle erfasste, als wir die Trauerbotschaft erhielten, rühmt ihn. Dieser Schmerz, er ist gross, aufrichtig und namentlich gerecht. Seit dem Jahr 1887 war Dr. Joachim Mitglied des Ordens. „Seit dem Jahr ISm! Mitglied des General-Komitees-und Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses, und er war nicht nur ein einfaches Mitglied dieser beiden höchsten Körperschaften, sondern eins der massgebendsten. Da ziemt es sich, ihier zu fragen, was es denn war. das dem Br. Joachim diesen massgebenden Einfluss, den sich niemand entziehen konnte, verschaffte. Unser Orden will Menschentum üben. Licht im Kopfe, Wärme im Herzen machen' den Menschen gottähnlich, (iestoigerte Vernunft und wahre Herzensgute ist dann reine Menschlichkeit. Beide Eigenschaften sind deshalb für die Existenz unseres Ordens notwendig. Ilerzensgüte tindet man häutig, aber ohne die gesteigerte Vernunft kann sie gefährlich werden, denn die Sprache des Herzens ist nicht objektiv, sondern leidenschaftlich, und das Herz liebt dieUebertreibungen. (ierade deshalb war Joachim ein so wertvolles Mitglied im geschäftsführenden Ausschuss, weil er neben der wahren Ilerzensgüte die gesteigerte Vernunft, den praktischen Sinn zu Worte kommen Hess. \ Joachim war ein < harakter: was er einmal in seiner Geistesklarheit als recht erkannte, das sprach er als Wahrheit aus. Er sprach es einfach* und entschieden aus ohne Bücksicht und ohne Menschenfurcht. Er sprach es aus lediglich, wie er es seinem Gewissen gegenüber verantworten konnte. - Für Joachim war die Einheit des Ordens, seine innere Festigkeit das Höchste und Wertvollste, und gerade er hatte ein besonders feines Gefühl dafür, ob aus irgend einem Antrage dem Orden nach dieserRichtung hin eineGefahr drohte. Hielt er die Einheit und die innere Festigkeit des Ordens für gefährdet, dann trat er mit Freimut und mit der ganzen Wucht seiner Persönlichkeit dagegen auf. er. der ruhige Redner konnte sich dann auf das leidenschaftlichste erhitzen. Ich sage den Brüdern, die die Geschichte des Ordens kennen, gewiss nichts Neues, wenn ich feststelle, dass es dem Br. Joachim in erster Reihe zu verdanken ist, dass der Deutsche Distrikt sich von Amerika unabhängig gemacht und seine Völlige Selbständigkeit erlangt hat. Die Grossloge ist erst vor kurzem in das Vereinsregister ""eingetragen. Die Gesetze derselben, sie mussten umgestaltet werden, und dieses neur umgestaltete Grosslogengesetz trägt voll und ganz den Joachim'schen Geist. Das war seine letzte grosse Arbeit im Orden, der Erfolg war aber auch eine hohe Freude für ihn. Bis in die letzte Zeit hinein war Br. Joachim Vorsitzender des Gesetzes - Komitees und auch hier hielt er sich von falscher Sentimalität frei.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.