Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 7 - Juni
- Date
- 1908-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 95 - Dank and Anerkennung gebührt den Brüdern, die bisher zur Leitung unserer Loge berufen waren, die verstanden haben, das Interesse aller Mitarbeiter zu wecken, die Freudigkeit an der Arbeit zu stärken und Wohltätigkeit, Brüderlichkeit und Eintracht zu verbreiten und zu pflegen. Mögen die Arbeiten des kommenden Termins ebenso fruchtbar und unserer Loge würdige Krönung das fünfundzwanzigste Lebensjahr sein und möge die Loge zu allen Zeiten ihrem Leitstern, dem Leitmotiv des Ordens Bnei Briss folgen: .Ein Segen zu werden der ganzen Menschheit"! E. 0. Jahresbericht der Bergischen Loge, erstattet am Stiftungsfeste, 10. Mai, von dem zeit. Präsidenten Br. Dr. Apfel. Es war, wie heute, im wanderschönen Monat Mai des Jahres 1902, als unter allgemeiner Anteilnahme von Brüdern im ganzen Deutschen Reiche, allen voran der Grosspräsident Timendorfer, die Bergische Loge hier an derselben Stelle feierlich ins Leben gerufen wurde. Draussen standen Bäume und Sträucher von Blüten schwer und verhiessen ein gesegnetes Jahr and aus allen Reden, die zum Gedeihen der neu gegründeten Loge gehalten wurden, klang es gleichfalls wieder von Hoffnung auf Ernte und Segen. Zum ersten Male leuchtete über dem Wuppertale in verheißungsvollem symbolischen Glänze das Zeichen W B und E, Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht. Wie die Bergische Loge in fünfjähriger Entwicklung, nicht anangefochten, in diesem Zeichen gelebt and gestrebt, darüber hat in der ihm eigenen beredten, eindringlichen Weise hier am gleichen Orte bei derselben Veranlassung vor Jahrestrist mein verehrter Vorgänger, Br. Dr. OllendoiÖ', genaue Rechenschaft gegeben. Mir liegt es ob, Ihnen in kurzen Zügen zu berichten, wie in dem letzten Jahre, im Wandel der schnell vergehenden Zeit, die Bergische Loge gewirkt und gearbeitet hat. Auch an unserer Loge hat sich der Prozess von Werden und Vergehen, ein Prozess, wie er unerschütterlich und unwandelbar sowohl im Leben des einzelnen Individuums, als auch der grossen Organisationen eintritt, in diesem Jahre tätig gezeigt. Wir gedenken hier an erster Stelle der dahingeschiedenen Brüder. Da steht vor uns der verewigte Bruder S. Alsberg, der im Leben ein wohlgemuter Geselle war und durch Frohsinn, schlagfertigen Witz gar manchem eine frohe Stande bereitet hat, den Seinen ein treuer Berater, Vater und Gatte war. Vor unserem Geiste lebt wieder auf der stille, sinnige Bruder Levy Block und vor allem unser zuletzt dahingegangene Expräsident Br. S. Weyl, der von der ersten Stunde der Giündung unserer Loge bis zur letzten Stunde seines Lebens treu den Ideen des Ordens gelebt hat. Ihnen allen widmete die Loge eine herzliche Gedenkfeier und auch an dieser Stätte wollen wir nochmals in Treue der dahingeschiedenen Brüder gedenken, sowie der Angehörigen unserer Brüder, welche ihr Erdendasein vollendet haben. Und nun, nachdem wir vor unseren Toten in stillem Gedenken das Haupt gebeugt, den Kopf wieder aufgerichtet und dem pulsierenden Leben zugewandt! Und junges Leben zeigt sich auch in unserer Loge. Nicht nur, dass bei manchem jungen Paare hier und dort ein Knäblein oder Mägdlein den Familienkreis vermehrte, ein Umstand, der hoffentlich dem gesamten Israel zum Heile gereichen wird, auch in der Loge selbst kreiste im letzten Jahre anter der anfeuernden Leitung meines Vorgängers ein frisches Leben. Nicht weniger als 10 neue Brüder, durchweg im Beginn des Mannesalters, konnten im vergangenen Jahre der Bergischen Loge zugeführt werden. Wir hoffen, wünschen and glauben, dass wir mit diesen 10 neuen Brüdern eine wertvolle Bereicherung et fahren haben. In Br. Dr. Norden1, der von der Concordia- Loge zu uns übertrat, gewannen wir gleichfalls erfreulichen Zuwachs. Ihrem Grandsatze, Wohltätigkeit zu üben, ist selbstverständlich die Loge auch in diesem Jahre nachgekommen. Ausser einer Reibe jährlicher, feststehender Beiträge, mit welchen namhafte; Organisationen and Institutionen schon seit Jahren unterstützt werden, wurden neu bewilligt: Je SO Mark für den Verein Jedide II mim (zur Unterstützung vou Taubstummen), zur Linderung der Hungersnot in Palästina, zu einem Synagogenbau, für die israelitische Karanstalt für Lungenleidende in Meran, für das Waisenhaus in Diez; je 50 Mark laufende Beiträge für die beiden von djer Grossloge ins Leben gerufenen'Anstalten: das Jaffasche Fürsorge- und Waise lheim, sowie die israelitische Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder in Beelitz, für Ahlem und das neu gegründete Kinder- und Ferienheim in Bad Sassendorf. Ausserdem wurden den beiden erstgenannten Anstalten einmal je 50 Mark besonders bewilligt. An der Timendorfstiftung, welche zur Erinnerung an die erspriessliche und hingebende zehnjährige Tätigkeit des Grosspräsidenten ins Leben gerufen wurde, beteiligte sich unsere Loge mit einem namhaften Beitrage. Die Frage der Krankenpflegerinnen wurde für unseren Bezirk weiter praktisch gefördert, da zur Zeit zwei Schwestern für uns ausgebildet werden, die in absehbarer Zeit hier im Wuppertale ihren Wirkungskreis fiqden werden. f Das geistige Leben in unserer Vereinigung beruht — und das müssen die Schwestern mir schon aufs Wort glauben — zum gröstfen Teile in' den Sitzungen der geschlossenen Loge. Mit verschwindend geringen Ausnahmen warde in jeder Sitzung irgend ein Referat aus den weiten Gebieten der Wissenschaft and der öffentlichen jüdischen Angelegenheiten gehalten, nnd keine irgendwie bemerkenswerte, die Allgemeinheit interessierende Frage ging unbeachtet oder unbesprochen vorüber. Von den zahlreichen Debatten und Diskussionen, welche die Geschäftsordnung, Statutenveränderung, Reformbestrebungen i Lokalfrage und ähnliches mehr betrafen, muss naturgemäss an dieser Stelle' abgesehen werden. ' Einzig erwähnt in dieser Richtung sei das Referat von Br. Rechts auwalt Brück, der eine anschauliche Besprechung über den Bericht des Refoi mkomitees betr. die Abänderung der Grosslogengesetze gab. Von besonders wichtigen Referaten seien namhaft gemacht die beiden von Br. Hermann Wahl über die zweite Tagung des Verbandes der deutschen Juden in Frankfurt a. Main und den Grosslogentag in Berlin, die in sehr klarer und eingehender Weise uns Ober diese beiden wichtigen Verhandlangen unterrichteten, Ferner meine Besprechung des in den Monatsbei ichten eischieuenen Aufsatzes von Dr. Artur Kahn-Berlin „Ueber die Wurzeln des Uebels",