Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 7 - Juni
- Date
- 1908-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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welcher alle den Kern des gegenwärtigen Judentums betrettenden wichtigen Fragen berührt und ans durch drei Sitzungen hindurch reichen Stoff zu Erörterungen über Fragen der Erziehung, des Kultu?, des gesamten öffentlichen Lebens — die Frauenfrage einbegrißen - gab. Ein Korreferat von Br. Dr. Norden rlieber die Erziehung der Jugend zum Judentum" fugte eine anregende Ergänzung hinzu. Zwei gehaltvolle Referate der Brüder Neuhoff und Zivi orientierten uns über „Das Hebräische als Umgangssprache" und über »Die Synagogeumüsik als Kunst und deren Hauptvertreter". Die Kenntnis des letzteren Gegenstandes wird voraussichtlich in einer offenen Loge des nächsten Jahrganges unseren Schwestern - von Br. Zivi in etwas erweiterter Form vermittelt werden. Als erster Vortragender in offener Loge sprach Br. Dr. Alfred Apfel aus Cöln über „Die christlichen Förderer der Judenemanzipation" und gab auf historischer Grundlage ein abgerundetes und erschöpfendes Bild dieser wichtigen Geistesbewegung. Am 6. Januar besprach Br. Dr. Artur Kahn- Berlin in seinem Vortrage . l'eber die jüdische Frau und ihre Aufgaben* die verschiedene Stellung, welche das jüdische Volk der Frau zuwies, im Gegensatz zu sämtlichen alten und neueren Kulturen. Er betrachtete im besonderen als ihre Aufgabe die Förderung jüdischer Geschichte und Gebräuche in der Familie, welche die vornehmste Grundlage für die Erhaltung des Judentums sei und empfahl besonders die Gründung von Frauenbünden im Anscbluss an die Logen. In einer der folgenden Sitzungen erstattete Br. Dr. Norden Bericht über die auf der zweiten Tagung des jüdischen Frauenbundes in Frankfurt gehaltenen Vorträge, welche sich allerdings in wesentlich fortschrittlicherem und modernerem Sinne bewegten, als die in dem Vortrage von Br. Dr. Kahn aufgestellten Grundsätze. Eine geistvolle und beredte Vertreterin und Vorkimpferin der modernen allgemeinen und der besonderen judischen Frauenbewegung hörten wir am 27. Januar in der Frau Henriette Fürth, die in offener Loge das Thema „Die Juden im Weltbild" besprach. Sie zeigte zunächst die Bedentung des jüdischen Volkes auf den verschiedenen Epochen seiner Geschichte für die es umgebenden Völker während des Altertums und für seine Wirtsvölker im Mittelalter auf. Im weiteren Verlaufe hob dann die Rednerin den Einnass hervor, welchen das moderne jüdische Geschlecht mit seinen durch Geschichte und Abstammung entwickelten hervorragenden geistigen und sittlichen Kräften für die übrige Gesellschaft in wirtschaftlicher, sozialer und ethischer Hinsicht habe und in dieser Richtung damit kämpfen müsse. In der letzten am 9. März stattgefundenen offenen Loge sprach Dr. Hannover aus Köln über den jüdischen Hei zog Josef von Naxos und gab auf breitem geschichtlichen Untergrunde ein gut ausgeführtes Bild dieser interessanten jüdischen Einzelerscheinung. Am 13. April erreichte nach der Iastallation des neuen Beamtenrates durch den Expräsidenten Hermann Wahl das Logenjahr sein Ende. Das ist in grossen Umrissen ein Ueberblick über die Tätigkeit der Bergischen Loge im vergangenen Jahre. Sie können daraus entnehmen, dass die Loge das ehrliche Bestreben gezeigt hat, im Sinne des Ordens zu wirken and zu arbeiten. In dieser Arbeit wurde sie unterstützt von einem festen Stamme treuer Brüder, welche regen and ununterbrochenen Anteil an den Arbeiten nahmen. Dass daneben auch eine grosse Summe von Indolenz einherging, welche eine Reihe anderer Brüder an den Tag legten, ist eine Erscheinung, welche unsere Loge mit fast allen Vereinigungen gemeinsam hat nnd ein Tribut, den sie, wie aach die übiigen der allgemeinen irdischen Unzulänglichkeit nun einmal zu entrichten hat Diesem treuen Stamme aber, der in der letzten Session einige hoffnungsvolle neue Zweige angesetzt hat, sei an dieser Stelle der herzlichste Dank ausgesprochen, an diese Kerntruppe ergehe heute die Mahnung und der Wunsch, dass sie, wie bisher, weiter mit dem Herzen und mit dem Geiste für unsere Ideale wirke znm allgemeinen Wohle und zum besonderen Wohle unserer Loge. Dann wird auch im kommenden Jahre unsere Arbeit eine erspriessliche werden und die Bergische Loge in der aufsteigenden Linie der Entwicklung sich bewegen. Herder-Loge. (Jahresbericht). Schon mehrere Jahre sind seit unserm letzten Bericht verflossen; nun gibt uns das fünfjährige Bestehen unserer Loge Anlass, über unsere Tätigkeit wieder einmal zu berichten. Beim Rückblick auf unsere fünljährige Zugehörigkeit zum Orden dürfen wir gestehen, dass, nachdem wir die Anfangsschwierigkeiten überwunden, die Ordens-Idee immer fester in ans eingedrungen ist nnd die Liebe zur Arbeit im Dienst der Loge immer stärkere Wurzeln in unserer Mitte gefasst hat. Bei allen unsern Arbeiten hat ans der Wahlspruch des Ordens W. B. u. E. geleitet. Unsere Wohltätigkeit haben wir im Sinne des Ordens ausgeübt, indem wir bedrängten Glaubensgenossen zu Existenzen verholfeh und sie mit Rat und Tat in ihren Unternehmungen gefördert haben. Für die Unterkunft zweier rassischer Waisenkinder in das Waisenhaus Esslingen waren wir mitbesorgt nnd leisten zu deren Unterhaitang einen jährlichen Beitrag. Für die bedrängten russischen und rumänischen Glaubensgenossen haben wir unser Scherflein beigetragen, wie wir auch die Gründungen der hw. Grossloge, sowie andere humanen Zwecken dienende Anstalten subventionieren. An der Ferienkolonie der Stuttgart-Loge haben wir uns seit einigen Jahren beteiligt and mehrere schwächliche Kinder bedürftiger jüdischer Eltern mit- Erfolg in das Sool-, bad Hall gesandt. Aach haben wir den Versuch gemacht, junge jüdische Angestellte des Handwerks- und Kaufmanns-Standes einen oder zwei Abende in der Woche zu vereinigen und ihnen Gelegenheit zu geben, sich durch passende Vorträge unserer Mitglieder, durch entsprechende Lektüre etc. anregend zu unterhalten nnd .ihr Wissen zu vermehren, gleichzeitig sie dadurch vom Wirtshaus-Besuch fernzuhalten., Diese Arbeit ist in die Wege geleitet and hoffen wir dieselbe zu einem günstigen Resultat zu führen. Als Jubiläums-Stiftung haben unsere Brüder den Betrag von M. 850 gespendet zur Vergrössernng unseres Handwerkerfonds, welcher jetzt M. 1850 beträgt and dessen Zinsen für jüdische Handwerker verwendet werden. Auf dem Gebiet der geistigen Tätigkeit haben wir