Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 7 - Juni
- Date
- 1908-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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89 auf Veranlassung des Br. Cahen Br. Wölfl bei der Polizei, Abteilung für Pressgesetze, gewesen sei, and sich erkundigt, habe, ob unsere Monatsberichte dem Pressgesetz uuteilägen. £28 sei ihm dort geantwortet worden: nein, weil sie keine periodisch erscheinende Zeitschrift sei. Die Versammlung erklärt sich -für den vertraulichen Charakter der Monatsberichte, nur wünscht sie, dass in einem der Monatsberichte näher angegeben werde, wie das Wort „vertraulich" aufzufassen sei, ob z. B. der Monatsbericht auch Familienmitgliedern zu lesen gegeben werden dürfe. Eine zweite Frage erörtert hierauf Br. Maretzki, nämlich, ob Berichte über Vorgänge, Organisationen, Einrichtungen, welche die Gesamtjudenheit betreffen, iu die Monatsberichte aufgenommen werden sollen (These b). Ein Teil der Brüder, so meint der Referent, wünsche, dass von allem, was in der Judenheit vorgehe, in unseren Monatsberichten Notiz genommen werden solle. Ein anderer Teil wieder sagt, dies sei nicht nötig, weil dies in den jüdischen Zeitungen geschehe. Nach einer angeregten Aussprache, in der allseits zugegeben wird, dass das Logenorgan vornehmlich durch regere Mitarbeit von Seiten der Brüder gehoben werden könne, und in der auch die Mitglieder des General-Komitees ersucht werden, für geeignete Mitarbeiter in den Logen zu werben, wird These b in folgender veränderter Fassung angenommen: „Berichte, die die Gesamtjudenheit betreffen, sollen, wenn sie in Beziehung zum Orden stehen, in die Monatsberichte aufgenommen werden." Die These c über literarische Beiträge und Bücher- Besprechungen im Logenorgau wird gestrichen, weil dieselben von vielen Seiten nicht gewünscht werden. Ueber die These d, ob freieste Diskussion zugelassen werden soll, entspinnt sich eine lebhafte Debatte. Der Referent ist für die freieste Diskussion. Br. Timendorfer und andere dagegen meinen, auch hier sei vernünftiges Et wägen am Platze, da zuweilen durch einen Artikel die Anschauungen mancher Brüder verletzt werden könnten. Schliesslich wird folgende von Br. Kuznitzky eingebrachte Resolution einstimmig angenommen: „Es soll der freien Aussprache der Brüder im Grosslogenorgan möglichst weiter Spielraum gelassen werden, soweit es mit den Interessen und Grundsätzen des Ordens nach dem Gutachten des Red.-Kom. verträglich erscheint." Ueber die Bildung jüdischer Jugend vereine referiert Br. Maximilian Stein. Er habe ein grosses Material gesammelt, sich die Satzungen fast aller bereits bestehenden Jugendvereine kommen lassen, um aus ihnen das zu lernen, was für die Gründung solcher Vereine von Nutzen wäre. Er möchte aber die Versammlung heute mit diesem Material nicht beschäftigen, zumal an ihn vom Geschäftsausschuss das Ersuchen gestellt worden sei, kein längeres Referat zu erstatten, vielmehr sich auf praktische Vorschläge zu beschränken. Doch will der Referent hervorheben, dass sein Referat in der Grosslogensitzung bereits Erfolge auf diesem Gebiete erzielt habe. So hätten die Logen in Braunschweig, Gotha und Thorn bald auf die erste Anregung hin solche Jugend vereine ins Leben gerufen, die sehr gut arbeiteten. Vor kurzem habe Br.i Landsberg aus Stettin dem Referenten mitgeteilt, dass | die dortige Loge nahe daran sei, auch einen Jugendverein zu gründen. Vor allem möchte er bemerken, dass in den Jugend vereinen die jüngeren Kräfte, also d^e.. Jünglinge und Studenten selbst am besten als Redner wirken. So habe er es von dem Referendar Regensburger in Braunschweig gehört, dasselbe wurde ihm auch von dem jungen Juristen Dr. Apfel in Köln mitgeteilt, und Br. Dr. Sonderling habe mit seinem Vortrage in Braunschweig grosse Erfolge erzielt. Die jungen Leute hören gern aus dem Munde von Altersgenossen dasjenige, was sie belehren und anlegen könne. Br. Stein macht folgende Vorschläge: Die einzelnen Logen sollen zur Begründung von Jugendvereinen aufgefordert werden, und zwar solle mau den Logen den Hinweis geben, lokale Verhältnisse wenn möglich zu berücksichtigen, ferner, dass die Jugendvereine selbständige Vereinigungen seien, die Logen hätten sie nur zu überwachen, sie zu fördern, ihnen die Räume zur Verfügung zu stellen,, damit die jungen Leute nicht gezwungen wären, ihre Sitzungen in Restaurants abzuhalten, wodurch aus solchen Vereinen mit der Zeit Kneipvereine sich herausbilden. Ferner sollen die Logen diese Vereine bei der Entstehung dadurch fördern, dass sie ihnen die Flugblätter und die Propagandäredner zur Verfügung stellten. Referent teilt noch ferner mit, .dass auch der Verband ■ der Literaturvereine sich in den Dienst dieser Sache zu stellen bereit sei. Br. Stein regt noch an, einen Verband der einzelnen bestehenden Jugendvereine zu gründen, damit dieselben zueinander in nähere Beziehung träten und sich gegenseitig mit Rednern aushülfen. Als Verbandsorgan schlägt Br. 8tein den zur .Jugendzeitschrift umgestalteten „Wegweiser" vor. In der sich anschliessenden Debatte bittet zunächst Br. Kuznitzky diese Angelegenheit zu vertagen, weil dieselbe von weittragender Bedeutung sei. Viele Brüder stimmen ihm hierin zu und einige halten sogar die Gründung solcher Vereine für nicht wünschenswert, da dadurch die jüdische Jugend von den nicht jüdischen Altersgenossen zu sehr abgesondert würde. Vor allem wird vor jeder Schabionisierung gewarnt. Andere Brüder wiederum unterstützen die Ausführungen des Br. Stein und meinen, dass von den Jugendvereineu nur GuttB für die Logen und das Judentum erwachsen könne. Schliesslich wird folgender von den Brüdern Kuzaitzky und Ginsberg eingebrachter Vermittelungs-Anträg angenommen! „Die Angelegenheit der Jugendvereine soll dem Geschäftsausschuss zur Vorberatung für das General-Komitee überwiesen werden." Mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit werden die übrigen Punkte der Tagesordnung: Qualifikation def Ex- Präsidenten, rituelle Verpflegung Lungenkranker, Schaffung eines neuen Rituals, Aenderungen der Buchungen bei den Logen und der Jahresberichte des Grosssekretärs, vertagt. Br. Jeselsohn bemerkt noch zum Schlüsse, dass Bruder Strauss ein neues Ritual auszuarbeiten sich bereit erklärt hätte, und bittet, ihm die früher bei der Grossloge eingegangenen Entwürfe als Material zu überlassen. Diese Sache soll den Geschäftsausschuss in seiner nächsten Sitzung beschäftigen. Br. Beer regt an, dass im Anschluss an die nächste