Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 7 - Juni
- Date
- 1908-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Meister zugleich, nmsomebr, als ihn nicht allein der allgemeine jttdische Solidaritätsgedanke anzog, der unserem Orden zu Grande liegt, und von dem auch seine Tätigkeit getragen und geleitet war, sondern auch, weil er als der glühende Idealist und Grossorganisator in unserm Bund eine Organisation von Idealisten vorfand, weil er in dem geistigen Arsenal unseres Ordens alle Hilfsmittel traf, die er für die edelsten Ziele mobilisieren konnte. Hier fand er Verbündete und Gefolgschaft. Gross musst« daher die Fülle der Anregungen werden, die er in Gemeinschaft mit führenden Brüdern in segensreiche Taten umgesetzt hat. Die dankbaren Lippen der vielen, denen er beistand, segnen heiss und inbrünstig den Namen, der unvergeßlich bleiben wird allen, die Einblick hatten in die werktätige Arbeit dieses seltenen Weltweisen und Menschenfreundes. Verehrte Brüder der Frankfurt-Loge! Schwere Trauer um den Verklärten umdüstert den Horizont unseres Ordens. Aber durch das Gewölk schimmert tröstend der Tag mit seinen Rechten und mit der Einsicht, dass die Begrenzung des Lebens seinen Wert nicht aufhebt, wenn dem Menschen zumal das Ende so bemessen wurde, wie .unserm dahingeschiedenen teuren Bruder. Ein solches Leben bezähmt den Tod und bannt seine Schrecken. Im Augenblick zwar, da wir von einem teuren Toten Abschied nehmen müssen, dessen Lichtgestalt wir aus unserm Gesichtskreis uns kaum wegdenken können, da bäumt sich wohl unsere -gequälte Seele auf und es entringt sich ihr die bange Frage: Ewiger, warum lässt du nicht ewig leben, warum hast du uns den Tod gesandt? Allein in seiner Vergangenheit offenbart sich die Selbsterneuerung des Lebens. Der uralte Kreislauf unseres Seins surrt und schwindet dahin in alle Ewigkeiten. Aber in ständiger Wiedergeburt kehrt die Natur nur zu sich selbst zurück, ewig sich wandelnd, ein Fortsetzen und Weiterbilden, das sich immer wieder aufbaut auf das Vorhergegangene. Wer daher so unendlich viel Gutes und Liebes, Schönes und Grosses hinterlassen, wie der Verklärte, wer soviel Anregungen pflanzte, so in Leistungen sich auslebte, und Werktätiges geschaffen, der ist nicht gestorben, der hat sein unsterblich Teil beigetragen im Dienst der Menschheit. Er hat bleibende Werte geprägt, seine Grosstaten in feststehende Formen gegossen, weiten Kreisen den Stempel seines Wesens gegeben. Andere haben nun die Arbeit aufzunehmen, die seinen ermüdeten Händen entglitten, und die sich fortsetzen wird in unverlierbaren Zusammenhängen. So unermesslich reich auch die vielseitige Persönlichkeit unseres Bruders gewesen, als Teil eines grossen Ganzen, als Glied unseres Ordens ist er aus der langgezogenen Kette unseres Bundes gerissen, das Ganze aber, die Totalität unserer Bestrebungen darf nicht auf das Vergängliche und Sterbliche allein gestellt sein. Am sausenden Webstahl der Zeit schaffen wir an Werken, die dem Schatze der Ewigkeit unterstehen, für Jadentam and Menschentum, in deren Dienst wir Bnei Briss Pionierarbeit leisten. Möge daher der Heimgang unseres unvergeßlichen Bruders auch die Wirkung üben, unsere Reihen zusammenschliessen, aut dass wir den überragenden einzelnen, der unserer Gemeinschaft entrissen worden ist, zu ersetzen streben durch gemeinsame Arbeit in seinem Geiste. Meine Andächtigen! In ergreifenden Akkorden rauscht # die Trauer um Charles Hallgatten durch unsere Brüderschaft. Majestätisch entschwand seine edle Seele wie die Sonne stirbt am Firmament, und wie sie im Untergehen die Erde' noch in Purpur taucht und mit heranziehendem Abendrot den Horizont umrändert, so möge uns das Morgenrot der Tröstung and Aufrichtung heraufziehen. ' Möge diese Trauerfeier dazu beitragen, zu zeigen, wie sehr es unseren Logen Herzenssache ist, ihren dahingeschiedenen Brüdern ein Denkmal zu setzen aus Liebe und Dankbarkeit, ein Denkmal, das Zeugnis ablegt von der unwandelbaren, unvergänglichen Bruder treue im U. 0. B. B. Mögen die Freundschaften, die mit dem Verstorbenen verbunden waren, von den- Ueberlebenden bewahrt und fortgeführt werden für alle Zukunft. Auch Gräber umschimmert der Glanz und die Wärme des wiedererwachten Frühlings und vergoldet die welken Gräser mit neuem Erwarten. Das Leben löst den Tod ab wie der Tag die Nacht. So wandele sich unsere Trauer zu neuer Zuversicht, and das Leben gebe uns^an Hoffnungen wieder, was der Tod Was grausam hat genommen. „Rahel weint um ihre Kinder." Möge das Gebet, das wir am Sabbathende zu sprechen pflegen, sich auslösen, da unser Bruder abgerufen worden ist zu ewiger Sabbathrnhe: „Friede, Friede den Nahen und den Fernen", spricht der Ewige. „Ich heile Eure Wunden." MO. Sitzung des General-Komitee«, Berlin,' den 24. Mai 1908, in den' Logenräumen hierselbst. Bis auf Br. Wahl, der entschuldigt fehlt, sind sämtliche Mitglieder anwesend. Der Grosspräsident..Br, Timendorfer eröffnet um 9l/t Uhr die Versammlung mit einer herzlichen Begrüssung der Erschienenen und besonders der neu gewählten Mitglieder, die durch das Vertrauen der Vollversammlung nunmehr dazu berufen sind, im General-Komitee mitzuarbeiten. Zu Mitgliedern des Gesetzes-Komitees werden die Brüder Kuznitzky, Metzenberg und Bloch, zu Mitgliedern des geschäftsfühlenden Ausschusses die Brüder Joachim, Kuznitzky und Stein gewählt. Es liegt eine Petition aus Insterburg mit 39 Unterschriften vor. Br. Bloch berichtet, wie es ihm and Bruder Kamnitzer in Alienstein gelangen sei, den Boden in Insterburg für unsere Ideen empfänglich zu machen. In dem dort wohnenden Zahnarzt Elräscheff hätten sie einen Mann gefunden, der ein geborener Ben Briss sei. Wie sehr die Petenten für den Ordensgedanken begeistert seien, könne man daraas ersehen, dass sie schon jetzt die Mittel aufbringen, um ein eigenes Logenhaus zu kaufen. Referent empfiehlt aufs wärmste die Petition und meint, der Orden werde durch Inst erbarg auch in Königsberg, Tilsit und Memel Fuss fassen können. Br. Timendorfer dankt Br. Bloch für dessen Bemühungen und hebt hervor, dass von Berlin aus in dieser Sache bis zur Propaganda-Versammlung nichts geschehen sei. Br. Bloch, Dr. Kamnitzer-Allenstein und auch die Petenten in Insterburg seien rührig ans Werk gegangen; wären sie weniger rigoros bei der Auswahl der Petenten gewesen, dann hätten sie mehr als 39 Petenten aufbringen können.