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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-06-01 · Nr. 7 - Juni · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 7 - Juni
Date
1908-06-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Gesamtleben nicht bloss ertragen, sondern auch verwerten kann. Alles, was gut ist, soll erhalten werden, aus dem Guten kommt niemals die Fremdheit. Alles, was im Staude ist, unser Gemüt wirklich zu erheben, das wollen wir erhalten, nicht nur zu unserem Gunsten, sondern zugleich zu Gunsten und zum Heil der deutschen Nation und deshalb auch Treue gegen unsere Religion, weil Religionstreue selbst etwas ist, worin wir vielleicht vor manchen andern im Laufe der Jahrtausenden uns ausgezeichnet haben." Das, meine Herren, sind unsere Ziele und Zwecke, und ich darf wohl auf den Anfang meiner Ausführungen zurückkommen, dass Sie einen besseren Namen als Moritz Lazarus nicht wählen konnten, denn unsere Ordenstendenz, ich habe sie Ihnen ausschliesslich an Zitaten aus Lazarus Schriften dargestellt. Sie, meine verehrten Herren, sollen uns helfen au der Erreichung unserer Zwecke und Ziele. Prüfen Sie/sich deshalb nochmals in diesem feierlichen Moment und/nur wenn Sie den festen Vorsatz fassen, mit uns Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht im Sinne unserer Ordenstendenzen üben zu wollen, dann bitte erheben Sie sich zum Zeichen des Einverständnisses von Ihren Plätzen und antworten Sie mir mit „Ja". 1 . (Geschieht.) Ich danke Ihnen für dieses „Ja- und ich hotte,. es ist nicht bloss vom Munde, sondern auch vom Herzen gekommen. Im Herzen bleibe, Ihnen stets der beilige Zweck des Bundes eingedenk, und möge die heutige feierliche Stunde auf Sie so wirken, wie die Aufnahme in den Orden bei dem geistigen Führer Ibrer Gemeinde Br. Dr. Sonderling nach seinem Bericht gewirkt hat: wie der Gottesdienst am Vorabend des Versöhnungstages. „Wie hier" sagt Br. Sonderling, „im Herzen des gläubigen Juden ein Chaos von Andacht, Demut und Begeisterung wogt, wie die Festesstimmung der versammelten Gemeinde jeden Einzelnen wundersam ergreift und durchbebt, wie tausend ungesprochene Eide die Seele durchzittern, wie das Sehnen nach Versöhnung mit dem Höchsten den Wunsch nach Verbrüderung mit einander wachruft, so immer empfand ich, so und nicht anderes wird wohl jeder empfinden müssen, der nur halbwegs für Stimmung empfänglich ist." *. Wenn auch Sie, meine verehrten Herren, so empfinden, dann wird Moritz Lazarus fortleben durch Wort und Schrift und nicht minder durch sein lichtes Vorbild. Dann ist das Leben von Lazarus trotz seines Todes hoch nicht vollendet, dann wird sich auch au ihm erfüllen der alte Spruch: „Grösser sind grosse Menschen nach ihrem Tode, als bei ihren Lebzeiten." - Leben und wirken Sie im Sinne von Lazarus, der auf die Frage, wie man Gott liebt, die Antwort gegeben hat, indem man das Gute liebt, das wird die würdigste Dankbarkeit für den grossen Menschen und Gelehrten sein. Das wird die beste Watte sein, um die feindselige Stimmung in ihrer Gemeinde gegen unsern Bund aus der Welt zu schatten, und die Gegner unserer Sache in Freunde zu verwandeln. Mit diesem Wunsche und in diesem Sinne heisse ioh Sie, meine verehrten Herren, nunmehr bei uns auf das herzlichste willkommen. K ■ •' '." . . Die Installation der Moritz Lazarus-Loge in Göttingen. In überaus würdiger und. wirkungsvoller Weise wurde die Installierung der Moritz Lazarus-Loge in Göttingen am 26. April vorgenommen. Schon die ersten Frühzüge brachten auswärtige Gäste, und gar bald entwickelte sich das bekannte aber immer wieder schöne Bild, wenn jene besonders eifrigen Brüder, die nirgend fehlen, wo wir gründen und feiern, sich wieder einmal zusammenfinden. Mit jeder Stunde vergrösserte sich die Schar, und um die Mittagstunde stand unsere Musenstadt im Zeichen der Bnei Briss. Hätte Heine an diesem Tage Göttingen gesehen, dann würde er zweifellos „die Logenbrüder" als fünften Typ verzeichnet haben. Um 5 Uhr Nachmittag versammelten sich die Brüder im Englischen Hof, wo ein Saal zur Logenhalle umgewandelt war, und kurz nachher traten unter weihevollen Orgelklängen die 32 Petenten vor den Platz des hochwürdigen Grosspräsidenten, um hier von massgeblichster Stelle aus über unsere Ziele und Zwecke belehrt zu werden. Aber wir müssen sagen, heute noch,- wo Wochen über jene Stunde hingegangen sind, stehen wir unter dem zwingenden Eindrucke jener Ansprache..' Denn sie war nicht nur eine in Form und Inhalt gleich bedeutsame' Erklärung dessen, was unser Orden ist und will, sie war gleichzeitig eine Ehrung und Würdigung des Menschen, Juden und Denkers Lazarus, wie sie weihe- und eindrucksvoller kaum gedacht werden kann. Wir hörten, wie alles, was, der grosse Meister gedacht und geglaubt, in innigstem Zusammenhange steht mit dem, was unser gel. Orden anstrebt, und es wurde jedem klar, dass Moritz Lazarus der Ben Briss war, wie er sein soll, ein hehres, ideales Vorbild für jeden, der sich unsrer Arbeit weiht. Eine Perle seiner Geistesschätze reihte sich, immer in Beziehung auf den Orden, an die andere, bis endlich Lazarus mit unseren Ideen verschmolz zu einer harmonischen Einheit, die Idealgestalt, der wir nachstreben müssen, um wahre Bnei Briss zu werden. „Seid wie er in Leben und Denken, und Ihr seid wahre Brüder unseres Ordens." Es ist klar, dass die sich dieser Festrede anschliessende eigentliche Installation vollkommen unter dem Eindrucke des , Gehörten stand. Der angeschlagene Ton hallte fort und zitterte nach in jeder der nachfolgenden zahlreichen Reden. So fusste der hochw. Vizegrosspräjsident Wisloch in seinen ungemein herzlichen Begrüssungsworten auf dem hohen Piedestal Lazarusscher Ideen, so wurzelten die geistsprühenden Worte des Br. Expräs. Maximilian Stein in seinen Kreisen, und alle Vertreter der Logen, die danach ihre Glückwünsche aussprachen, hatten aus dem unerschöpflich scheinenden Borne der Geistes- und-Herzensschätze des grossen Meisters sich den Grundton ihrer Wünsche geholt und dem jüngsten. Kinde des Ordens gewidmet, ein kostbares 'Geburtstagsangebinde, wert und würdig unseres geistigen Vaters. Aus der Fülle der Glückwünsche sei besonders hervorgehoben

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