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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-06-01 · Nr. 7 - Juni · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 7 - Juni
Date
1908-06-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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selbst," muss uns immer entgegentreten. Aach hier können wir ans auf Lazarus berufen, der es aasgesprochen: „Wenn froher irgend etwas Schweres and Hartes aber Israel gekommen war, in sich selbst hat man den Grand dafür gesacht. Wenn wir jetzt angegriffen werden, da tritt kein Mensch an sich heran, wir finden nur das Unrecht auf der andern Seite. Wir haben aufgehört, das klassische Volk der Selbsterkenntnis zu sein. Das ist der schwerste Schaden, welche jene Angriffe ans zufügen, dass wir den Mut der rollen Wahrheit nicht haben, dass wir aufhören an der Vollkommenheit zu arbeiten, ■ dass wir aufhören, strenge and offenbare Kritik an ans selbst zur üben, das ist der grösste Schaden." Ja. Lazarus hat Recht, denn nur durch die Beobachtung der Lehre: „Erkenne Dich selbst" kann man za der Ordenslehre kommen: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst". Nor, der erkannt hat, dass auch sein eigenes Spiegelbild harten Kampf mit sich selbst, mit seinen Leidenschaften und Schwächen fordert, der wird auch mit den Schwächen der andern Menschen Nachsicht haben, nur der wird den Menschen ehren und lieben. ■ Aber keine Liebe ohne Opfer. Opferwilligkeit das ist eist die Wahrheit der Liebe. In der Ethik des Judentums macht Lazarus aufmerksam, dass das Wort Opfer für deu höchsten Grad der Hingebung galt, dass die Darbringung des Opfers als die weihevollste Tat des Menschen galt. Nicht schwärmen ist für Lazarus das Wichtigste, sondern gute Taten, und er macht aufmerksam auf einen Spruch von Rabbi Jacob, der da sagte: „Besser ist eine einzige Stande der Seligkeit in der zukünftigen Welt als alles Leben in dieser Welt. Aber noch besser als alle Seligkeit des zukünftigen Lebens ist eine einzige Stunde guter Taten." Wer will darnach noch zweifeln, dass wir das Richtige getroffen haben, wenn wir die Wohltätigkeit an die Spitze der bei uns za übenden Tugenden gestellt haben. Schnell sollen wir helfen, denn nur augenblickliche Hilfe ist oft Hilfe füi's ganze Leben, wie Lazarus sagt: „Man darf einem Hungrigen nicht sagen, er solle in acht Tagen wiederkommen, dann solle ihm Fisch und Braten, Brot und Wein gegeben werden." So sollen wir Opfer bringen .bei allem unsern Tun. Wenn wir auch die allgemeine Menschenliebe predigen, besonders nahe muss uns natürlich der Bruder stehen, und die gröbsten Opfer verlangen wir bei der Ausübung unserer Bruderliebe. Wenn wir mit liebeleerem Herzen den Brudernamen auf die Lippen nehmen, so sind wir keine echten Bnei Briss, wenn w ir Scheelsucht, Eifersucht und kleine Gehässigkeiten nicht mit Stumpf und Stiel in unseim Herzen ausbrennen, sind wir keine wahren Bnei Briss, wenn wir den Bruder nicht schützen und verteidigen, wenn er gestrauchelt, so sind wir keine Bnei Briss. Auch nach der Seite der Ausübung der werktätigen Liebe kann uns Lazarus als mastergültiges Vorbild dienen. Lazarus, der Völkeipsychologe, in dem die Sorge um die Gesamtheit seine Wissenschaft hatte erwachsen lassen, betätigte auch die.se Sorge durch ein ausgebreitetes humanitäres Wirken, er lebte, was er lehrte. Bis an sein Lebensende wirkte' er humanitär, ging er bis an die Grenze der Opferfreudigkeit, er, der frühere arme Filehner Jüngling, er stand bis zuletzt auf dem Posten, den er sich aus eigener Kraft unter Entbehrungen erkämpft hat, und er hatte als Gelehrter and als Mensch das Recht zur Nachachtung auszusprechen : .Recht und Billigkeit sollen im Verkehr der Menschen unter einander walten. Sie sollen den Egoismus in heilsame, wohlgeordnete Grenzen eindämmen. Aber nicht nur soll der Mensch bis7 an die Grenze' seines Rechts gehen, nicht bloss berechtigte Forderangen soll er erfüllen, sondern den Egoismus zu. Gansten seiner Nebenmenschen wehrhaft und wahrhaft überwinden. „ Freie Hingebung, liebreiches Wohlwollen, tätige Teilnahme soll er üben, nicht bloss gerecht und billig, wohltätig soll der Mensch sein, gnadenreich und huldvoll. In den Riss, den ein widriges Geschick gerissen, soll die Liebe treten, Wunden, die ein Schicksal geschlagen, sollen Güte und Wohlwollen heilen. Aber nicht bloss dem Schwachen und Unglücklichen soll unsere Wohltat gelten, sondern auch dem Glücklichen unsere neidlose Sympathie, unsere freundliche . Gesinnung, unsere herzliche Hingebang. Nicht bloss mit dem Leidenden sollen wir Mitleid, auch mit dem Freudigen sollen wir mit Fi ende empfinden, deshalb sollen wir trachten, nicht nur die Uebel des Einen zu mindern, sondern auch das Wohlsein des Andern za mehren.* Diese Mahnungen sind auch unser Ordensprogramm und , aus allen diesen Gründen glauben wir kein Unrecht zu bebegehen, uns in einer jüdischen Vereinigung zusammenzuschliessen, die dann freilich auch Aufgaben für das Judentum selbst zu erfüllen hat. Allerdings enthält sich unser Bund jeder Stellungnahme zu den Streitigkeiten der religiösen Parteien. Denn nach unseren Satzungen sind Fragen über Politik und Religion ausgeschlossen. Jede Schattierung religiöser Ueberzeugang findet Raum in unserm Orden, von der strengsten Orthodoxie bis zur Grenze freisinnigster Reformen.' Nur freilich halten wir Wacht, dass diese äusserst« Grenze nicht überschritten werden darf. Fahnenflüchtig darf bei ans keiner werden, der sich noch za ans rechnet. Wiederum ganz im Sinne von Lazarus, der, als Mommsen die Juden aufforderte, ihre Sonderart von sich zu tan and alle Schlanken zwischen sich und den übrigen deutschen Mitbürgern mit entschlossener Hand niederzuwerfen, erwiderte: „Nun, meine Herren, das, was man Sonderart nennt, das wollen wir ablegen. Betrachten Sie doch einmal den Weg, den wir seit einigen Menschenaltern gegangen sind, und auf dem wir ruhig weiter gehen wollen, wie war die Tracht des Juden, wie war namentlich seine Sprache, wie waren so viele Sitten and Gebräuche verschieden. Das alles haben wir abgelegt, aber auch unsere Religion wie eine blasse provinziale Sonderart anzusehen, das ist nicht unsere. Meinung. Fern vou allem Eigendünkel, bei der ruhigst objektivsten Prüfung der Dinge haben wir die Ueberzeugang, dass die Eigenheit unserer Religion von der Art int, dass die deutsche Nation sie in ihrem . j . ■■ \ . y

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