Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-06-01 · Nr. 7 - Juni · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 7 - Juni
Date
1908-06-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4864325-6028974-6074173--1299-4865437
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

f. — 83 — 1 seine Triumphe sind auch die unsrigen. Was wir Inn and was wir treiben, tan and treiben wir als Deutsche.'- Wer teilt nicht das Bedauern, dass die Worte von Lazarus nicht Überall gehört und verstanden werden! Uns zur Erfüllung aller unserer Pflichten befähigt zu machen, ist Zweck unserer Vereinigung. Lediglich die jttdische Not war es, die die Juden zu einer, Gemeinschaft zusammenschmiedete, das Bewusstsein, gleichen Unbillen ausgesetzt zu sein. Mit Recht sagt Lazarus: „Nicht nur gegen, sondern direkt für das Vaterland, in seinem Dienst und in seinem Interesse arbeiten wir, wenn wir die Stärkung des Gemeinsinns unter den Juden anstreben, um die sittlichen Kräfte unter uns zu fördern. Die Hebung der sittlichen Kräfte, sie kommt vor allem dem Vaterlande zugute.'' Freilich, eine Anzahl von Juden haben von solchen Unbillen nichts zu leiden und deshalb glauben sie, sich den Ihrigen nicht anschliessen zu sollen. Schade wiederum, dass sie unseren Lazarus nicht kennen, der es einmal aussprach: „Das allgemeine Gefängnis des Gesamturteils, in welches man alle sperrt, obgleich nur einige schnldig sind, pflegt wohl eine kleine Hintertür zu haben. Man gibt zu, dass es Ausnahmen gibt, sie man sogar als Freunde anerkennt. Ich aber, für meine Person, erkläre hiermit ausdrücklich, ich stehe lieber zu den Letzten und Niedrigsten, zu den Schlichtesten und Einfachsten, wenn sie redliche Männer sind, ich stehe zu denen, welche angekannt angeklagt uud unaberiünrt verurteilt werden, viel lieber, als zu der Schar der Ws Ausnahme Begnadigten." Aber freilich, diese uns aufgezwungene Solidarität, mit der man jeden jüdischen Spitzbuben als ausnahmslosen Semitentypus jubelnd an den Pranger stellt, hat für uns erhöhte Verpflichtungen im Gefolge. Wir lehren, dass jeder Jude doppelt unrecht handelt, wenn er gegen das Straf- oder Sittengesetz fehlt. Wir lehren, dass es uns Juden nicht genügen darf, dass wir nicht moralischer sind, als unsere christlichen Mitbürger. Zeichnet sich der Jude, wie auch unsere Gegner anerkennen, in Werken der Barmherzigkeit, in Fürsorge für seine Familie, in Nüchternheit und Sparsamkeit von seinen christlichen Mitbürgern aas, so muss er sich, und das ist unsere Ordenslehre, in gleicher Weise in Reinheit der Sitten und Lauterkeit des Lebenswandels auszeichnen. Erst wenn der Geist strengster Rechtlichkeit und Scheu vor jedem unlauteren Beginnen alle Kreise unserer jüdischen Bevölkerung ergriffen haben wird, dann erst werden wir die Hoffnung haben, den Kampf, den wir in unseren Logen kämpfen, zu seinem siegreichen Ende zu führen. Wer unsei n Band charakterisiert, der hält ans bald für einen Freundschaftsbund, bald für einen Geselligkeitsverein und bald für einen Wohltätigkeitsverein, und wenn auch alles dies richtig ist, es erschöpft nicht die Summe unserer Aufgaben. Unser Bund ist mehr als ein Freundschaftsbund, mehr als ein geselliger Verein, mehr als ein Wohltätigkeitsverein, er ist ein Menschheitsbund, und wahre Menschlichkeit soll in demselben gelehrt and geübt werden ganz im Sinne von Lazarus, des Völkerpsyt'hologen, der die Menschheit als eine Einheit zu erfassen bestrebt war, der in seiner Jagend einen Entwarf aasgearbeitet hat zur. Gründang einer Humanitätsgesellschaft ohne Grenze des Staates, der Nation und der Religion. Das Ziel der Völkerpsychologie ist ja Negation des Egoismus, des Aufgehens des Ich im Wir. 4 In demselben Sinne fassen wir die wahre Menschlichkeit auf. Was ist es denn, das den Menschen als Ebenbild Gottes auszeichnet: Vernunft und Güte, Licht im Kopte und Wärme im Herzen. Gesteigerte Menschen Vernunft und reinste Herzens - gute ist dann wahre Humanität. Die Vernunft, sie gebietet Wahrheit und Gerechtigkeit,, der Wahrheit wollen wir deshalb in unserm Orden allweil die Ehre geben, der Wahrheit, von welcher Lazarus sagt: „Der Mensch empfängt die Wahrheit nicht als Geschenk, er muss sie erkämpfen. Die Lüge und Unwahrheit ist nicht nur das grösste Laster des Einzelnen, sondern das der Gesellschaft, das Grandübel aller Schuld und Sünde. Tiger und Hyänen können morden und Blut trinken, aber sie können nicht lügen." Gerecht wollen wir in unserm Orden sein gegen alles, was Menschenantlitz trägt und diese Gerechtigkeit, sie schliesst in sich edle Duldung gegen Andersdenkende, gegen Andersglaubende, die Achtnng vor jeder ehrlichen Ueberzeugung, Beurteilung und Geltung. eines Menschen nach seinem Werte, nicht nach Stand und Reichtum, nicht nach Religion und Rasse. Wiederum im Sinne yon Lazarus, der es ausgesprochen hat: »Wenn ein fester Glaube nicht'möglich wäre, ohne Intoleranz gegen Andersgläubige, dann steht der Wert ' des Glaubens sehr in Frage." •Aber die Wahrheit und Gerechtigkeit verlangen auch Verteidigung dessen, was man für wahr und recht befunden hat. Deshalb müssen wir auch in unsern Logen kämpfen und ein Schwert führen, ein Schwert, zunächst im sittlichen Kampf gegen uns selbst, gegen unsere Begierden und Leidenschaften, ein Schwert /um Schutze für die Reinheit unserer Grundsätze, zur Wehr gegen das Eindringen eines engherzigen und unduldsamen Geistes in unser Heiligtum. Aber das Hauptschwßrt,- welches wir führen, ist die Liebe, die Liebe zu allen Menschen., Unser Herz soll besonders in den Logen ausgebildet .werden, muss immer tätig sein. „Das Herz — so sagt'Lazarus — ist ein ganz besonderer Muskel; verschieden von den meisten andern Organen unseres Leibes, welche in Tätigkeit und Ruhe abwechseln, muss das Herz immer tätig sein. Von der ersten Sekunde des - Lebens bis zur letzten muss es schlagen. Hört es zu schlagen* auf, so ist auch das Leben geschieden." , Dieses Herz muss für alle Menschen schlagen, wiederum im Sinne Lazarus, der ausspricht: .Ziel and Zweck des Lebens muss einen Iuhalt gewinnen, der über die blossen Familienbedürfnisse weit, weit hinausgeht." Zu diesem Geist' der allgemeinen Menschenliebe kann man aber erst kommen, wenn man die Forderung: „Erkenne Dich selbst* erfüllt hat. Der ernste Zuruf: „Erkenne Dich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.