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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-05-01 · Nr. 6 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 6 - Mai
Date
1908-05-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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gischste. Lasst uns Weisheit lernen von den Nationen, deren Grösse durch ihre Verbrechen vernichtet wurde. Lasst ans auf's neue lernen, dass die Tugend des Bürgers die Quelle der sozialen und nationalen Grösse des Landes ist, und dass diese Tugend genährt wird nicht im Lager des Feldherrn, nicht auf der Rednerbühne des Demagogen, nicht in den Bureaus der Syndikate, sondern im Heim. Glücklich der Mann, glücklich das Weib, welche diese Wahrheit voll erfassen, denn sie werden einsehen: „Die Familie ist eine Dynastie, das Heim ein Königreich und der heimische Herd ein Thron.* -r Ferienkolonien für jüdische Kinder, gegründet von den Berliner Logen U. O. B. B. Der 23. Jahresbericht des Komitees für Ferienkolonien jüdischer Kinder ist in diesem .Jahre von besonderem Interesse und verdient von allen Freunden und Gönnern dieser segensreichen Einrichtung, insbesondere von unseren Brüdern beachtet ■ zu werden. Aus demselben entnehmen wir zunächst, dass das Komitee für Ferienkolonien jüdischer Kinder, dem eine Anzahl von Brüdern angehört, den Kreis seiner Wirksamkeit immer mehr erweitert. Das ist etwas Erfreuliches; denn Vorwärtsschreiten bedeutet Leben. Minder erfreulich aber ist die Tatsache, dass die Einnahmen mit den Ausgaben nicht gleichen Schritt halten, und dass das Jahr 1907 in finanzieller Beziehung ungünstig abgeschlossen hat. Die Gründe hierfür gibt uns das Komitee in folgenden Sätzen an: „Zunächst sahen wir uns genötigt, bei weitem mehr Kindern als in früheren Jahren Aufenthalt in unseren Ferienkolonien zu gewähren. Von den 904 (701 ) bei uns angemeldeten Kindern worden uns über 600 (450) seitens unserer Vertrauensärzte als der Erholung dringend bedürftig bezeichnet. Von diesen konnten wir unter Zugrundelegung unserer vorjährigen Einnahmen nur 433 (358) Kinder, und zwar 18!» (146) Knaben und 244 (212) Mädchen auswählen. Indess sind die Beiträge unserer Mitglieder und namentlich die einmaligen grösseren Spenden in bedeutend geringerem Masse (letztere um ca. 3000 M. weniger) als in früheren Jahren eingegangen. Auch unter der Ungunst der Beschaffung von Freistellen^ hatten wir zu leiden. Während wir im votigen Jahre ausser, in Kolberg noch 92 Familien hatten, betrugen sie im Jahre 1907 nur 62. ) Von der allgemeinen Teuerung wurden auch wir betrollen. Wir mussten für die Kolonie Schreckshaide einen höheren Verpflegungssatz bewilligen, und auch die Kolonie Misdroy, die unter unserer eigenen Verwaltung stand, erforderte trotz sparsamster Wirtschaft grössere Ausgaben für Miete, Anschaffungen und Verpflegung. Schliesslich haben auch die erhöhten Fahrpreise und die zahnärztliche Behandlung unserer Kolonisten, mit der wir im Jahre 1907 einen ersten Versuch gemacht haben, mehr Ausgaben verursacht. *) Die vorjährigen Zahlen sind in jKlammern vermerkt. . A •] Aus allen diesen Gründen schlössen wir Ende Dezember mit einem Defizit, von 6856,89 M., dessen Deckung mit 3469,20 M. der Berliner Verein für Ferienkolonien, und mit je 500 M. die Deutsche Reichs-, Berthold Aderbach- und die Montefiore-Loge U. O.' B- B. gütigst übernommen haben, während der Rest aus den einmaligen Spenden des Jahres 1908 noch aufzubringen ist.' Das Komitee hatte, so erfahren wir in dem Berichte, folgende Kolonien: j 3 Soolbadkolonien in "Bad . Eimen, 3 Seebadkolonien in Misdroy, 1 Waldkolonie in Schreckshaide bei Züllichau, Freistellen. In Misdroy wird fortan das. Komitee, eine dauernde Stätte für seine Kolonien haben. Die -fr*erliner Logen U. 0. B. B. haben nämliuli zum ehrenden Andenken an unsern Br. Adolph Mayejr, den Begründer und langjährigen Leiter der jüdischen Ferienkolonien, die Villa „Westend", Höh enzolle rnstrasse, zur Begründung eines Ferienheims ' — Adolph Mayer - Stiftung. — , erworben und stellen dem Komitee für Ferienkolonien das ausserordentlich günstig gelegene und geräumige GAtndstück gegen einen massigen Mietspreis zur Verfügung. Das Komitee wendet sich an die Logen mit der dringenden Bitte, seine Bestrebungen zu unterstützen, indem sie sich um Freistellen an ihren Orten und der Umgegend bemühen. Die Arbeiten des Komitees .wnrden nämlich in den früheren Jahren gerade dadurch gefördert, dass eine grosse Anzahl menschenfreundlicher Familien in den Provinzen vier Wochen lang arme Kinder bei sich aufnahmen und sie wie ihre eigenen Kinder hegten und pflegten. Auch an unsere Glaubensgenossen richtet das Komitee die Bitte, ihm ihre Unterstützung in erhelltem Masse zuteil werden zu lassen, damit es diese Wohlfahrtseiniichtung auf der Höhe erhalten könne, die «ie in 23 jähriger Entwickelung erreicht hat. .-. «* ■ ... . ■ „Wer Gelegenheit gehabt hat", so schliesst der Appell des Komitees, „die zumeist infolge Unterernährung in ihrer Entwickelung zurückgebliebenen Kinder vor ihrer Abreise zu sehen, wer dann beobachten , konnte, wie sie in den Kolonien durch die vorzügliche Verpflegung von Woche zu Woche sich erholten, und wer sie endlich an Leib und Seele gekräftigt hat zurückkehren selten, der weiss den unermesslichen Segen der Ferienkolonien zu würdigen und wird gewiss mithelfen, dieses' Werk ausgleichender Gerechtigkeit und Menschenliebe nach Kräften zu fördern. Einzig und allein von den eingehenden Spenden* hängt es ab, wieviel Kinder wir im kommenden Sommer werden fortsenden können. Anmeldungen liegen schon jetzt in grosser Anzahl vor.* Hoffentlich wird dieser Appell bei allen unseren Brüdern den gewünschten Erfolg haben, sodass sie sich in ihrem Freundeskreise bemühen werden, recht viele Gönner dieser Wohlfahrtseinrichtung zuzuführen, damit das Komitee in der Lage sei, die Ferienkolonien entsprechend der Grösse und Zunahme unseres Ordens auszubauen und zu erweitern. —

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