Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 6 - Mai
- Date
- 1908-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- 74 — künftiges Heim und Familienleben. Seid nicht zufrieden, da Ihr junge Leute seid, mit einem Wohnort, der für ein erstrebenswertes Familienleben ungeeignet ist. Studiert das Klima, die Schönheit und Fruchtbarkeit der Gegend und die Moral und das geistige Niveau seiner Bevölkerung. Sind diese nicht passend, so geht sonst wohin. Habt Ibr Euch niedergelassen, so widmet Euch mit Eiter dem erwählten Berufe und meistert ihn mit Fleiss und Treue. Die Ernte wird bald der Saat folgen. Dann wird eine grosse Gefahr folgen. Die ersten Erfolge -^werden Euch verleiten zu denken, dass die Lebenskämpfe auch leicht sein werden. Gar zu oft wird der Mensch dadurch berauscht und verliert nicht nur die Frucht des Sieges, sondern auch seine Spannkraft erschlafft. Lasst einen Erfolg die Stufe sein zu weiteren und strebt weiter. Seid sparsam. Das Heim, welches Ihr Euch schaffen werdet, wird armselig oder stattlich, kahl oder prunkvoll sein, entsprechend Eurer Tatkraft, und wenn Ihr nicht sparsam seid, so wird Euer Vermögen nicht wachsen, und Euer Erbteil wird schwinden. Wenn die Rekruten gemustert werden, so machen sie die Offiziere eindringlich auf die Wichtigkeit aufmerksam, iür ihre Gesundheit zu sorgen. Sie gehört, wie sie sägen, nicht dem Soldaten, sondern dem Lande, und es sei ebensosehr seine Pflicht sie zu erhalten, wie seine Waffen und seine Munition. Eure Gesundheit gehört Euch nicht allein. Sie gehört auch Eurem Lande, der Gesellschaft und vor allem Eurer Familie. Eure Lebenskräfte werden sich in dem Masse vermindern, wie Ihr sie verbraucht. Wenn Eure Arbeiten, Eure Gewohnheiten oder Eure Vergnügungen anormal sind, so werden Eure Lebenskräfte nicht nur frühzeitig verbraucht, sondern auch ihre Stärke vermindert. Indessen Fleiss, Sparsamkeit und Gesundheit sind nicht die einzigen Eigenschaften, welche Sie besitzen müssen. Zwischen dem Heim und seiner sozialen und politischen Umgebung bestehen die innigsten Beziehungen. Die Hebung und Verbesserung unserer sozialen Umgebung ist unser Recht und unsere Pflicht. Die kostbaren Lebensrechte, Eigentum und Freiheit sind durch unsern Staat und unser Land garantiert. Sicherheit zu schaffen für die Reinheit und Weisheit der Gesetze und Sorge zu tragen für ihre wirksame und gerechte Anwendung, ist von nicht geringerer Wichtigkeit für den Bürger wie seine eigenen Privatangelegenheiten. Der Bürger nimmt in gleicher Weise Teil an dem Ruhm oder der Schmach, der Ohnmacht oder der Grösse seines Landes. Von dem Individuum dringt die Macht, die Tugend und Weisheit, derer sie sich erfreut, auf die Nation, und dem Individuum werden sie zurückgegeben in den Segnungen der Ordnung, des Schutzes und des Fortschritts, gleich dem Meere, welches im Regen in die Flüsse zurückkehrt. Diese gegenseitigen Pflichten machen es erforderlich, dass jeder Mann tätig ist für das öffentliche Wohl in Krieg und Frieden; nicht um für sich selbst Macht und Ruhm zu erwerben, sondern um als Patriot seine Pflicht zu erfüllen. Das Idealheim, welches jeder junge Mann erstreben soll, muss alle Tugenden in sich vereinen. Die Gattin und Mutter muss darbringen die Grazie, die Ruhe, die Reinheit und das Mitleid, welche ihr Heim zn einem Heiligtum machen; der Gatte muss darbringen die hohen Vorzüge, welche den guten Bürger, den Patrioten und den Mann von Rechtlichkeit und Ehre auszeichnen. Auf Eure Jugend und Kindheit haben Eure Eltern unsägliche Mühen verwandt; Eure Eltern, welche sich nun schon dem Ende ihrer Tage nähern. Ihr seid, wozu Euch Eure Eltern gebildet. Sie sind verantwortlich für Euch, und je nachdem Ihr Ehre oder Schande auf Euer Elternhaus werft, werden sie erfreut oder betrübt sein. Gleiche Verantwortlichkeit wird später auf Euch ruhen. So jung Ihr seid, ist es wahrlich nicht zu früh daran zu denken. Trauben entspriessen nicht dem Unkraut. Das Leben, welches Ihr lebt, ist das Leben, welches Ihr übertragen werdet. Die Gewohnheiten Eures Lebens werden die Beispiele für Eure Nachkommen sein. Wenn Ihr die Urstorfe für den Erfolg besitzt, so findet Euch das Leben zu jedem Opfer ' bereit, welches der Erfolg erfordert, und Ihr werdet mit aller Treue und Energie wirken, Euch körperlich, geistig und moralisch nicht nur zu einem guten Bürger, einem edlen Patrioten, einem tüchtigen Menschen in Eurem Beruf, einen aufrechten und ehrenhaften Mann zu machen, sondern zu jedem von diesen und mehr I zu einem würdigen Gatten und Vater. Das ist das erfolgreiche Leben. — Dies ist alt und oft gesagt. Das sind auch die zehn Gebote, — das ist die Unabhängigkeitserklärung. Das ist die Konstitution unseres Lahdes.. Im Namen dieses Landes, seiner Ehre, seines Glückes bitte ich Euch als Faktoren für seine Zukunft, wendet Euch nicht ab von der Wahrheit, weil sie nicht neu ist. Im Gegenteil, lasst neue Ideen, einem Fremden gleich, zwar mit Gastfreundschaft, so doch auch mit Misstrauen bei Euch vorsichtig einkehren, bis sie sich Eures Vertrauens würdig gezeigt haben. Die moderne Zivilisation erzeugt neue Begriffe, aber keine heue Rechtsgrundsätze. Das Prägen von Phrasen lässt falsche Münzen entstehen, wenn sie nicht das Metall der Wahrheit enthalten. Nero erwarb nicht die Unsterblichkeit, trotzdem seine Schmeichler ihn einen Gott nannten. Der ewige Schöpfer hörte nicht auf zu bestehen, als Frankreich ihn abschaffte, und die zehn Gebote können nicht Ton Menschen und Nationen abgeschafft werden. Nicht Bestimmung, sondern Gott herrscht; nicht Macht, sondern Recht ist die wahre Führungsregel. Da in unsern Tagen leider so viele alte ewige Grundsätze djrch hinterlistige Sophisterei angegriffen werden, habe ich diese Gelegenheit ergriffen, sie warm zu verteidigen. Begierde, Ehrgeiz und wilde Kampfeslust laden Euch unter euphemistischen Bezeichnungen ein, Eure wertvollen Schätze gegen wertlosen Flitter einzutauschen. Man sagt Euch, dass die Traditionen unserer Väter für. uns veraltet'sind, dass Religion eine bei Seite geworfene Einrichtung sei, dass Sieg besser als Ehre sei, dass Angriff ein Zeichen von Mut sei, dass es die Pflicht der Macht sei, die Schwachen zu beherrschen und zu berauben, dass der Fall eines andern unser eigenes Steigen bewirken soll, dass im Frieden zu wandern und sein Heim ordentlich auszubauen, bedeute ein Leben unedler Ruhe zu führen. Gegen solche Ketzereien protestiere ich auf das ener-