Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 6 - Mai
- Date
- 1908-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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herrlicht durch die Beschränkungen wie durch die Vorzüge ihres Geschlechts. Die Priester der Kunst beanspruchen, dass man sie preist als eine Göttin, welche man vor allen Dingen der Welt preisen muss. Ich muss gestehen, dass ich diese Doktrin nie anerkannt habe, und dass sie mich immer als ein schwacher und eitler Versuch berührt hat, den Verpflichtungen gegen Gott und die Gesellschaft zu entfliehen, welche gleicherweise aul dem Landmann und Dichter, dem Holzfäller wie Bildhauer ruhen. Wir hören manchmal von Frauen, welche sich, um verehrt zu werden, mit Eifer der Kunst, der Wissenschaft, der Literatur oder selbst Werken der Wohltätigkeit widmen, und welche dabei als Hindernis auf dem Wege zum Erfolg alle Rücksichten auf die Familie beiseite setzen. Ich bedauere solche Frauen. Obgleich sie ihren Geist anstrengen, sich mit Problemen von gewaltiger, allgemeiner oder unendlicher Wichtigkeit abquälen, obgleich sie gleichsam spielen mit unergründlichen Mysterien und wähnen, sie könnten durch rhetorische Rlitze gleichsam die Dunkelheit aufklären, welche das stetige Licht der Weisheit nicht zu durchdringen vermag, .so fehlt ihnen doch die höchste aller Lehren, und der höchste Lohn entgeht ihnen. Der anormale Ehrgeiz einer solchen Frau hat sie blind gemacht für das Licht der Liebe und taub für die Musik der Kinderstimmen. Keine Erziehung ist zu hoch für das Weib; keine Ausbildung, physisch, geistig oder moralisch zu gross für den Beruf der Galtin und Mutler. Wofür ich eintrete bei der Ausbildung des Weibes ist, sie geeignet zu machen für ihren -Beruf als Weib, nicht nur um mit dem Manne zu konkurrieren. Was ich in Bezug auf , das schöne, Geschlecht gesagt habe, ist die Ansicht der meisten Frauen und aller Männer. Dieselben Gründe, auf welchen diese Ansicht basiert, sind gleich stark auf den Mann anwendbar. Lord Bacon steht unter den grossen Denkern fas tallein da mit seiner Ansicht, dass die Heirat ein Hindernis sei auf dem Wege zur Grösse und seine Behauptung, dass die grössten Taten von Männern verrichtet seien, welche nicht von Weib und Kindern behindert sind, ist nicht durch Beispiele von Autoritäten belegt. Lucretius behauptet, dass die Zivilisation des Menschengeschlechts aus der Heirat und dem Familienleben entstanden seien und Horaz betrachtete die Verachtung, in welche Haus und Familie gefallen waren, als die Quelle alles Unglücks, welches über Rom hereinbrach. Ein berühmter amerikanischer Schriftsteller schreibt: „Die Heirat ist ein Verhältnis, welches von Gott bestimmt wurde zur gemeinsamen Behaglichkeit, zum Wohlbefinden des Mannes und der Frau, zur eigenen Ernährung, zur Erhaltung der Fortpflanzung und zur Erziehung des ganzen menschlichen Geschlechts. Die Geschichte lehrt in reichem Masse, dass die Zivilisation einer Nation gemessen werden kann nach dem Leben ihres Volkes in seinem Heim. Das Heim verleiht der Religion Wirksamkeit, dem sozialen Leben Elastizität, Festigkeit der Regierung und Nahrung den Künsten. Das Heim erzeugt Gottesfurcht, Vaterlandsliebe, Liebe zu unsern Mitmenschen und die Selbsterhebung zu höheren und besseren 73 — Dingen, die sonst nicht erreichbar sind. Nomadenschreiten in der Zivilisation niemals weit vor. Sie haben kein Heim! im eigentlichen Sinne des Wortes. Der Verfall von i Griechenland und Rom in alten Zeiten und von Frankreich i im achtzehnten Jahrhundert hatte seine Ursache in der falschen Auffassung und der Missachtung des häuslichen Lebens. Ihr, Jünglinge seid reich an Gesundheit, Jugend, Energie, Mut. Verstand, Erziehung und Ehrgeiz. Ihr denkt vielleicht, dass mit solchen Gaben Ihr Euch zu einer hohen i Stellung emporschwingen könnt, in welcher das Heim oder; die Familie keine oder nur eine nebensächliche Rolle spielen. Unter den reiferen Männern Eurer Bekanntschaft sind viele, welche in ihrer Jugendsich einer gleichen Ausrüstung erfreuten, wie Ihr jetzt. Auch sie hatten ihre reichen Gaben; : beobachtet welchen Gebrauch sie davon gemacht und die f Erfolge. Studiert Ihr deren Leben nur rnit der Hälfte des Eifers, welchen Ihr auf Eure Bücher verwandt habty so; werdet Ihr Lehren von unschätzbarem Wert erlangen. Ihr werdet lernen, dass Versehwendung in der Jugend in späteren Jahren Mangel herbeiführt, und dass sich dies gleicherweise auf Reichtum. -Gesundheit und Geisteskraft bezieht. ,Ihr werdet lernen, dass die Gewohnheiten der Unmässigkeit, welche man;al£ erlaubte Torheiten der Jugend belacht, selbst wenn nicht fortgesetzt, in verwüsteter Lebenskraft ihre Spuren zurücklassen. Ihr werdet lernen, dass die Jugend mit ihrer Energie und ihrem Mut stetig zurückweicht vor dem siegreichen Vorschreiten der Zeit, und dass die Vergnügungen, welche man. irrtümlicherweise für Glück gehalten, spottend ihre alten Opfer verlassen, um sich neue , zu suchen. Ihr werdet lernen, dass der, welcher der flüchtigen Gestalt des Ruhmes nachjagt in atemlosen Lauf, 'zerschlagen und erschöpft zu Boden sinkt unter dem Freudengeschrei der belustigten Zuschauer. Ihr werdet lernen, dass j derjenige, welcher sich die Erwerbung von Reichtümern zum einzigen Lebenszweck macht, entweder dies nicht er- | reichen wird, oder was noch schlimmer, bei dem schwierigen | Aufstieg ganz oder zum ', Teil —. Gesundheit, Friede, j Freunde, Selbstachtung und die Freude des häuslichen Lebens von sich werfen musste. Ihr werdet lernen, dass er das Korn des Lebens, lür seine goldene Hülse eingetauscht hat. Ihr werdet lernen, dass die gerühmte Freiheit dessen, der kein Weib und Kind hat, ihm so verhasst wird, dass er seine Freunde bald um die süsse Gefangenschaft; beneiden wird. Ihr werdet ferner lernen, dass ein Mann, der zwar alles im Leben erreicht hat, wonach er strebte, sich kein behagliches Heim und Familienleben geschaffen, kein Glück 'finden wird; hat er indessen ein glückliches Heim, so wird der Schmerz über die Mrsserfolge im Leben bald seinen ausdauernden Freuden weichen. Wenn das Nachdenken Euch überzeugt, dass die wahre Mission des Mannes die ist, Gatte und Vater zu werden; ein vollkommenes Heim zu errichten und zu erhalten und das würdige Oberhaupt einer würdigen Familie zu sein, so werdet Ihr ein bestimmtes Ziel. für Euren Ehrgeiz haben. Strebt dieses Ziel zu erreichen und unterschätzt nieht diese Aufgabe. Kntschliessf Euch nicht zu spät, Euch selbständig zu machen. Fasst Ihr einen Entschluss. so berücksichtigt Euer