Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 6 - Mai
- Date
- 1908-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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eine Universität besuchen, vielmehr dieselbe auf alle ausdehnen, die ihrer Beschäftigung wegen das Vaterhaus verlassen und Städte aufsuchen, wo Logen existieren. Auch die jungen Leute, die sich dem kaufmännischen oder einem anderen Berufe widmen, so sie Söhne unserer Brüder sind, sollen uns bei unseren Veranstaltungen und in unseren Familien stets willkommen sein. Den Sohn eines Bruders, welchem Stande und Berufe er auch angehören mag, zu fördern, ihm den Aufenthalt in der Fremde angenehm zu machen, ihm mit Rat ' und Tat zur Seite zu stehen, durfte sicherlich jeder Bruder als seine selbstverständliche Pflicht betrachten. Dasselbe gilt in einem noch erhöhten Masse von den Töchtern unserer Brüder. Durch die den Kindern gewährte Gastfreundschaft könnte das Bruderband zwischen den Vätern gestärkt werden und an Innigkeit gewinnen, sodass die Brüder der einzelnen Logen sich mit Recht als Glieder einer grossen Familie fühlen würden. Die Gastfreundschaft stand bei den klassischen Völkern des Altertums und auch im alten Israel in hohen Ehren und war eine der vornehmsten Tugenden; sie vererbte sich zu jener Zeit von Geschlecht zu Geschleeht, vom Vater auf den Sohn, sodass der Sohn eines Gastfreundes, auch wenn er einem anderen Staate angehörte, bei dem Gastfreunde seines Vaters auf Schutz und Förderung. rechnen durfte. Wollen wir diese schöne Tugend aus der alten Zeit bei uns aufleben lassen und sie mit Innigkeit pflegen! Mögen die Brüder, die ihre Söhne und Töchter in Städte, wo Logen sind, schicken, sei es um zu studieren oder sonst in irgend einem Berufe sich zu betätigen, der betr. Loge hiervon Mitteilung machen. Wir sind überzeugt, dass die Brüder dieser Loge es nicht als eine Last, sondern es als eine Lust empfinden werden, den Kindern von Brüdern gefällig zu sein und ihnen Gastfreundschaft in reichem Masse zu gewähren. , , F. , | » , - ...'— . -■ —-■ Das erfolgreiche Leben. Eine Promitionsanrede vom verstorbenen Ordenspräsidenten LeoN. Levy, gehalten in der Universität von Texas am 14. Juni 1899, übersetzt aus dem Englischen von Br. Paul Laskar, Hamburg. Wir bringen eine Rede unseres so früh verstorbenen Ordenspräsidenten, die er 1899 an die Studenten, welche die Universitätsstudien beendet hatten, gerichtet hat. Wenngleich die Rede keinen Bezug auf unseren Orden nimmt (das Auditorium gab keinen Anlass dazu, auch war er damals noch nicht Präsident), so ist sie doch bedeutsam durch die edle, ethische Lebensauffassung, die sich in ihr kundgibt und die Fülle von Anregungen, die sie gibt. Sie berücksichtigt vornehmlich amerikanische Verhältnisse, aber die Tiefe und die Wahrheit der Lebensregeln gelten ebenso für die Menschheit im allgemeinen wie für die Brüder, die aus der Rede viel Belehrendes für. die sittlichen Lebensideale schöpfen werden. Zudem glauben wir den Brüdern einen guten Dienst zu erweisen, wenn wir ihnen diese schöne Rede zur Kenntnis bringen, damit sie, die von der Wirksamkeit unseres verbuchenen Ordenspräsidenten sehr wenig wissen, sich ein Bild von dem vortrefflichen Mensehen und Bruder und seinen hervorragenden Charaktereigenschaften machen können. Auch sind wir es dem pietätvollen Andenken an ihn schuldig, diese eine seiner letzten Reden zu veröffentlichen, um ihm auchin unserem Distrikt ein bleibendes Denkmal zu setzen. ■• . Die Redaktion. '.**•"■*'■.'.' , In der medizinischen Wissenschaft sind die Entdeckungen eines Zeitalters Ausgangspunkte für die folgenden. Nicht so bei den philosophischen, welche sich mit den Sittenlehren und dem Glück des Menschen befassen. Ks gibt wohl kaum wahre Sittenlehren für den Menschen, welche nicht in alten Schriften, heiligen oder profanen, zu finden sind. Das Wiedererscheinen in späteren Schriften hat nur darin bestanden, dass man alten Gedanken neue Worte gab. Die Weisheitsregeln, welche so früh in der Menschengeschichte zum Ausdruck gekommen, sind, seitdem sie den Menschen zugänglich sind, eine unversiegbare Schatzkammer. . Ihr innerer Sinn wurde geschmückt durch das kostbare Gewand epigrammatischer Ausdrucks weise, und in Sprüchwörtern haben die höchsten Wahrheiten über die ganze Welt Verbreitung gefunden. Indessen erfreut sich leider nicht der Mensch der Schätze, welche ihm zum Greifen bereit liegen. Die meisten versäumen es, Nutzen zu ziehen sowohl von Lehren als auch von Erfahrungen. Von den übrigen lernen* bei weitem die meisten nur von dem, was ihnen selbst widerfahren und sterben, bevor ihre Erziehung halb vollendet ist Die verbleibenden Wenigen erfassen eifrig die von andern gelehrten Lehren und in diesen erkennen wir die Gabe des Genies. Der Durchschnittsmensch bedarf mehr als der begabte guter Ratschläge, leider aber sucht er sie weniger als dieser und weiss sie weniger zu verwerten. Wahrheitslehren sind gleich den zahllosen Samenkörnern, welche die Pflanzen zum Zweck ihrer Vermehrung hervorbringen. Eine Verschwindend kleine Zahl kommt zum keimen, und wie wenige entgehen der Zerstörung, bevor der Keim sich zur Blüte, die Blüte zur Frucht und die Frucht sich aufs neue zum Samen entwickelt hat.' Nur. unter günstigen Umständen wird der Keim sprossen und wachsen. Ist der Boden dürftig, das Klima ungünstig oder die Pflanzung unvernünftig, so erhält man keine oder saure Frucht. Die höchsten Wahrheiten,'. selbst von den begeistertsten Lippen ausgesprochen, werden kein Heim und keine Entwicklungsfähigkeit finden in Seelen, die unfruchtbar, anormal und zerrüttet sind. Wenn Kriegsbegeisterung die Geister entflammt, so predigt die Friedensphilosophie tauben Ohren. Macht bringt Vernunftgründe zum Schweigen, und die Streitsucht reisst die Schranken der Gerechtigkeit nieder. Zwischen Schwert und Vernunft ist ein ungleicher Kampf. Die sanfteste Schwingung entlockt keine Musik einer Harfe mit gesprungenenen oder missklingenden Saiten. Deshalb ergreift der Lehrer bei feierlichen oder freudigen Anlässen die Gelegenheit, um in die durch die Feier empfänglich gewordenen Gemüter passende Lehren zu streuen." Ein bei passender Gelegenheit gesprochenes Wort ist gleich goldenen Aepfeln in silbernen Schalen." So will ich denn heute nicht bei den Alten Interesse