Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 6 - Mai
- Date
- 1908-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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f — 69 — ihres Wissens zu achten; dazu werden sie ihre freie Zeit verwenden. In den Jünglingsvereinen oder Jugendheimen sollen sie die Möglichkeit haben, sich Kenntnisse über das Jadentain sowie über die verschiedensten Wissenszweige Anzueignen und sittlich stark erzogen zu werden. Selbstverständlich sollen die Logen diesen Vereinen Halt und Förderung gewähren, ohne aber sie zu bevormunden, ohne sie in ihrer Selbstständigkeit irgendwie zu beeinträchtigen. Zum Schlüsse bemerke ich noch, dass ich ineine Ausführungen nicht als unnmstössliche Normen halte, als unverrückbare Dogmen; ich habe nur das Wort ergriffen, um als Bruder zur Klärung der Frage: Was können wir für unsere Jugend tun, die in letzter Zeit unsere Logen beschäftigt, einen bescheidenen Beitrag zu liefern. Mögen jetzt andere Brüder ihre Ansichten äussern, damit wir dann nach reiflicher Erwägang zur Lösung dieser Frage mit Erfolg schreiten können. Ein Schlussartikel solilich mit der weiblichen Jugend beschäftigen. ß i. „._„_ „• Zur Frage der Jugendvereine. Von Br. Dr. J. Heinemann - Frankfurt a. M. In einem Artikel in No. 3 des diesjährigen Grosslogenberichtes äussert sich Br. E. F. über die Frage, was für unsere Jugend geschehen könne, lieber seinen positiven Vorschlag, familiären Verkehr zwischen Chefs and Angestellten herzustellen, gestatte ich mir als Nichtkäufmann kein Urteil. Wohl aber glaube ich nach langjähriger Mitarbeit in Jugend- Vereinen auf deren Beurteilung durch Br. E. F. eingehen zu sollen. Dass der liebe Bruder versucht die Grenzen za bestimmen, die unserer Arbeit für Jugendvereine gezogen sind, muss durchaus anerkannt werden. Ich glaube aber, dass er diese Grenzen viel zu eng zieht, and dass seine Ausführungen die Möglichkeit eines Erfolges in den uns so nahestehenden Vereinen doch zu gering erscheinen lassen. . Die Jünglingsvereine, nieint Br. E. F., besitzen nicht die Werbekraft, alle jungen Leute zu sammeln. Beweis: ein seit 24 Jahren in Berlin bestehender, wenig gekannter Verein, in dem „unter Leitung eines Lehrers Raschi und Talmud getrieben, däneben auch Gottesdienste und Festlichkeiten veranstaltet werden." Ein Verein also, der sich mit seiner Haupttätigkeit nur an solche jangen Leute wendet, die für talmudische Studien hinreichend vorgebildet und ihrem religiösen Standpunkte nach zu solchen geneigt sind. Wie kann man von einem solchen Verein (es ist wohl der „Montefiore" gemeint) auf andere schliessen, die sich an alle Schattierungen wenden? Wenn die jangen Leute auch Andersdenkende als Gäste bei sich sehen wollen, so werden sie das in einzelnen Fällen auch erreichen; die grosse Mehrzahl der jangen Leute, die — ich sage: leider — ihre Ansichten nicht teilt, werden sie nicht heranziehen können — noch wollen! Sonst müssten sie die Tendenz ihrer Vereinigung eben ändern. In Frankfurt besteht ein orthodoxer Verein mit 100 Mitgliedern und — in bestem Einvernehmen mit ihm — ein allgemein jüdischer mit 1200. Ein Schluss von der Werbekraft solcher SpezialVereine auf die der andern ist also anberechtigt. Und was will es beweisen, wenn christliche Jagendvereine nur solche jangen Leute' haben fesseln können, die .arm an Geist" und von „eigenartiger Gemütsstimmung" sind? Glaubt Br, E. F. wirklieb, dass in unsern Jagendvereinen ein Ton der Weltverneinung herrsche, and dass es in den Jagendgrappen unserer Frauen logen so hergehe, wie in christlichen Jungfrauen vereinend Gottlob hat jene Weltverneinung im Judentum niemals.(auch geradein der Gegenwart nicht) den Boden gewonnen, den sie in katholischen, orthodox-protestantischen und pietistischen Kreisen recht häufig fand. Sie ist den Jugendvereinen so fremd, wie jüdischen Studentenverbindungen und Logen; wollte man anter ans Jaden nur die „Stillen im Lande" sammeln, so ergäbe sich freilich eine kleine Mitgliederliste. Gewiss sind der Ausdehnung unserer Vereine Grenzen gezogen, ähnlich wie diejenigen unserer Logen. In beiden Fällen ist die Gewinnung auch solcher Mitglieder gelangen, die sich zu positiver Religion indifferent verhalten — immerhin wird es stets grundsätzliche Feinde jüdischer Verbindungen geben. Und manche jungen Leute werden nicht beitreten, weil ihnen — mit Frenssen zu reden — das Himmelreich zu sauber ist. Aber selbstredend bleibt eine überwiegende Mehrheit lebensfreudiger junger Menschen übrig (es werden gewiss nicht die schlechtesten sein), die wir gewinnen können; and es wird, ebenso wie bei der Propaganda für unsern Orden, von der Arbeitslast und Arbeitskraft der Pioniere abhängen, wieweit der Kreis ausgefüllt wird, innerhalb dessen wir operieren müssen. Wird aber diese Arbeit wirklich zum Segen der jangen Leute verwandt sein? Br. E. F. schätzt'die Wirkung der bestehenden Jugendvereine auf ihre Mitglieder — er verspricht Reformvorschläge — sehr gering ein. Der junge Mann, der um zehn oder elf Uhr vom Vortrag nach Hause kommt, ist vor Versuchung nicht geschützt. Also eine Panacee gegen jeden sittlichen Exzess sind unsere Vereine nicht, meint Br. E. F. Er versäumt nur hinzuzufügen, dass es unter unseren sozialen Umständen nach der übereinstimmenden Ansicht aller Beurteiler eine solche nicht geben kann, dass daher das Streben nach Versittlichung der Jugend nur eine starke Einschränkung, leider aber keine, völlige Beseitigung der Unsittlichkeft als Erfolg erwarten darf. Und Br. E. F. hätte sieh wohl fragen sollen, ob nicht auch die Jugendvereine zu diesem Erfolge etwas beitragen können. ♦ Er empfiehlt zur Eindämmung der Unsittlichkeit mit Recht Familien verkeh r. Eine Panacee ist auch dieser nicht: in „Soll und Haben", worauf Br. E. F. verweist, wird Fink vor recht anschöner Handlungsweise nicht durch den Gedanken an Sabine Schröter, sondern durch die Vorhaltungen eines Kameraden bewahrt. Und ich kann vor allem nicht einsehen, warum sich ein junger Mann gerade im Hanse des Prinzipals behaglicher fühlen soll, als anderwo. Gewiss, auch dieses steht ihm offen: vor allem aber führt man ihn mit Altersgenossen zusammen, die ihn in ihre Familien einfahren — er wird die Schwester des Kameraden so respektieren, wie er die seinigen von jenen geachtet wissen will. Und zweitens: schafft den jangen Leuten ein Heim, wo sie jeden Abend nicht Gäste, sondern zu Haas« sind,