Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 5 - April
- Date
- 1908-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— «0 — und Jugendvereinen soll die letzteren bei ibrtr Selbständigkeit und eigenen Bewegungsfreiheit belassen. Die Art und die Stärke der Verbindung, die zwischen Logen und Jugendvereinen hergestellt werden sollen, können erst noch erwogen werden. Die im Antrag erwähnte Verbandszentrale, die einem mit der G-rossloge verbundenen Organ (Spezialkomitee» unterstellt sein soll, hätte kontrollierend tür eine gewisse Einheitlichkeit der Arbeiten und der Leitung der Jugendvereine zu sorgen, sowie auch für Zuführung geistigen Materials, geeigneter Redner, lür materielle Beihilfe der kleinen Vereine und tür ihre Förderung durch die benachbarten grösseren Vereine. Der von der Grossloge herausgegebene „Wegweiser für die Jugendliteratur*, dessen Ausgestaltung als Jugendzeitschrift ohnedies in Aussicht genommen ist, könnte unter Umständen auch zu einem Verbandsblatt der jüdischen Jugendvereine werden. Auf alle Fälle ist es eine Pflicht und eine dankbare schöne Aufgabe des Ordens und der Logen, sich der Wirksamkeit für die jüdische Jugend mit voller Hingabe zuzuwenden. Unsere mannigfachen jüdischen Vereinigungen kommen' vielfach in die Lage, das gut machen zu müssen, was bei der Jugend verabsäumt und vernachlässigt worden ist. Daher müssen wir beizeiten dort selbst ansetzen, nicht indem wir schulmeisterisch doktrinär erziehen. und uns auf Vorträge und Belehrungen beschränken, ohne bleibende tiefgehende Wirkung, sondern indem wir aus der Psychologie der Jugend heraus ihr selbständige Tummelplätze schaffen, auf denen Gleichalteriges sich anzieht und sich am ehesten zusammenfindet, unter Berücksichtigung der eigenen Neigungen, des Ehrgeizes und des Strebens der jungen Leute. Jugendvereine sollen die jungen Leute nicht nur unterrichten und belehren, sondern sie zur Pflege idealer Interessen einander näher bringen, ihre individuellen Anlagen sich bekunden und sich* entwickeln lassen, ihre Urteilskraft selbständig ausbilden und die jungen Leute zu Persönlichkeiten ausreifen helfen. Jüdische akademische Studentenvereine und bestehende sonstige jüdische Jünglingsvereine erzielen bereits die Wirkung, die der Antragsteller ganz besonders für weite kaufmännische jüdische Jugendkreise für nötig erachtet, die Wirkung nämlich, das sich verlierende und verflüchtigende jüdische Bewusstsein der jüdischen Jugend zu stärken und nicht zuletzt das jüdische Ehrgefühl immer gründlicher auszuprägen. In weit mehr Städten als der Antragsteller ursprünglich selbst gedacht hätte, existieren bereits jüdische Jugendvereine, die fast überall eine befriedigende Tätigkeit aufweisen. Aus all diesen Städten sind mir auf eine Rundfrage von Logenpräsidenten und Logenbrüdern Briefe zugegangen, in denen gerade auf Grund der befriedigenden Erfahrungen in bestehenden jüdischen Jugendvereinen der Begründung und Förderung solcher Jugendvereine aufs lebhafteste zugestimmt wird. Es ergibt sich die Richtung für die Tätigkeit gedachter jüdischer Jugendvereine schon aus den bestehenden Vereinigungen. Die Jahresberichte derselben spiegeln bemerkenswerte Leistungen wieder. Um nur einige Beispiele herauszugreifen: Der Jugendverein in Essen, um einen kleineren Platz anzuführen, formuliert sein Programm dabin: Stärkung jüdischen Bewusstseins, geistige Fortbildung, Pflege anspruchsloser Geselligkeit- Aktive Mitglieder sind junge Leute bis zu 30 Jahren; inaktive Mitglieder sonstige Personen, die sich irgendwie für den Verein interessieren. Die Tätigkeit erstreckt sich auf besonders für die Jugend geeignete Vorträge, auf gesellige Veranstaltungen und auf feststehende Vereinsabende nach Art etwa von Logenabenden. Mit 30 Mitgliedern begründet, hatte dieser Verein im zweiten Jahre schon 120 Mitglieder. Der Jahresbeitrag der aktiven Mitglieder beträgt 4 Mk.. der der inaktiven Mitglieder 5 Mk. Der rührige jüdische Jugendverein in München, gegründet unter dem Protektorat der München-Loge, hat 210 Mitglieder. Der Jugendverein in Düsseldorf zählt zu den ersten Werken der dortigen Loge. Der jüdische Jogendverein in Hambnrg, mit« 150 Mitgliedern, hatte mancherlei Schwierigkeiten zu überwinden, reüssiert jetzt aber sehr gut, nachdem eine engere Fühlung des Jugendvereins mit der Loge hergestellt, wurde. Mit Schwierigkeiten hatte auch der auf Anregung der Loge in Erfurt begründete Jugendverein zu kämpfen, hat sich aber auch dort dank der Förderung durch die Loge durchgerungen. Sorgfältige und regelmässige Veranstaltungen für die jüdische Jugend betätigt die Loge in Dresden im Jünglingsheim der Fraternitas-Loge. Einen vortrefflich organisierten Jugendverein hat Köln mit 330 Mitgliedern, eifrig gefördert von der Rheinland- Loge, die 500 Mark jährlich Beitrag zahlt, wenn der Verein auch formell nicht organisch mit der Loge verbunden ist. Der Jugendverein tagt in den Räumen der Loge, die den Verein wohltätig beeinflusst und entwickelt eine reichhaltige Tätigkeit, berichtet von interessanten Vorträgen, besitzt eine grosse Bibliothek, hält Kurse für Französisch und Stenographie ab und steht auch zu anderen Jugendvereinen, besonders zu dem jüdischen .lugendverein in Frankfurt a. M., in. Beziehungen. Der Jugendverein in Frankfurt a. M., augenscheinlich der älteste, grösste und blühendste in Deutschland, arbeitet in gleicher Linie und kann auf eine zehnjährige erfolggekrönte Wirksamkeit zurückblicken. Von der Frankfurt-Loge ins Leben gerufen, mit 46 Mitgliedern begründet, zählt der Verein jetzt über 1000 Mitglieder. Die Veranstaltungen finden lebhaften Zuspruch, die Tätigkeit ist eine ausgedehnte und vielseitige. Neben reichhaltigen Vortragszyklen unter besonderer, aber nicht ausschliesslicher Pflege jüdischer Gebiete, veranstaltet dieser Verein Fortbildungskurse für •■ Französisch, Englisch, Stenographie, Gesang- und Turnübungen, anziehende gesellige Abende, unterhält eine reiche Bibliothek, Lese- und Klubzimmer und zeigt nach jeder Richtung ein lebhaft interessiertes Vereinsleben. Wie der Frankfurter Verein und die meisten Jugendvereine schreibt selbst der Jugendverein in Halberstadt,