Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 5 - April
- Date
- 1908-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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— 59 - Jüdische Jugendvereine. Von Maximilian Stein. In der diesjährigen Grosdoge wurde der Antrag angenommen, die Logen unseres Distrikts anzuleiten, sich für die Begründung und Förderung jüdischer Jugendvereine zu 'interessieren. In der Debatte wurde darauf hingewiesen, das-s diese Aktion mit grosser Vorsicht bewerkstelligt werden mü>se. Insbesondere seien überall die lokalen Verhältnisse zu berücksichtigen. Es sei darauf zu achten, dass die ius Leben zu rufenden .Tugendvereine zwar nachhaltig von den Logen gefördert würden, im übrigen aber selbständig zu arbeiten hätten, unterstützt, von den Logen, unter Umständen im Verein mit anderen geeigneten Institutionen und Körperschaften. Was uns leite, den Eiufiuss des Ordens für Jugendvereine einzusetzen, sei nicht der Ehrgeiz, die Logen hierbei unter allen Umständen in die Erscheinung treten zu lassen, als vielmehr der Wunsch, der Jugend geeignete stabile Organisatiouen zu schaffen unter Mitwirkung der Logen, ohne dass diese selbst in den Vordergrund zu treten brauchen. Die Mitwirkung der Logen solle neben der Initiative vor allem den Fortbestand der Veranstaltungen für die Jugend dadurch gewährleisten, dass diese Veranstaltungen einen dauernden Rückhalt an den Logen linden. Alle zu Worte gekommenen Redner, auch diejenigen, die zur weitesten Vorsicht mahnten, waren sich darin einig, dass wir uns auf alle Fälle energisch der Aktion anzunehmen hätten, die Jugend durch Schaffung von Jugendvereiniguugen im Geiste des .Judentums und im Sinne unseres Ordens zu beeinflussen. Es wurde der Leitsatz aufgestellt, dass die Veranstaltungen zwar vornehmlich und in erster Reihe das jüdische Moment zu pflegen hätten, ohne sich jedoch auf konfessionelle Einseitigkeit zu besehtänken und sich hierauf festzulegen, in Bezug auf die geistigen. Materien, die den Inhalt der Vorträge für die Jugend zu bilden hätten. Bei der Fülle des reichhaltigen Materials, dass die diesjährige fruchtbare Grossloge zu Tage gefördert hat, werden die referierenden Brüder-Repräsentanten in ihren Logen so viel zu berichten haben, dass dieser Spezialpunkt der Jugendvereine nur im Zusammenhange mit den vielen anderen Ergebnissen der diesjährigen Grossloge Darlegung finden kann. Um jedoch die Durchführung des angenommenen Antrags betreffs Jugend vereine hiermit vorzubereiten, sei es mir gestattet, die würdigen Logen unseres Distrikts mit diesen Hinweisen in die Präge speziell einzuführen, indem ich den angenommenen Autrag und die wesentlichen Gesichtspunkte aus der Begründung im nachfolgenden auszugsweise folgen lasse, um so ohne Verzug das Interesse der würdigen Logen für Jugendvereine aufzurufen. Weiteres werden die Verhandlungen des Generalkomitees, das sich mit dieser Materie noch befassen wird, ergeben.. Angenommener Antrag: Die Grossloge wolle beschliessen, die Logen aufzufordern, überall wo es nach den lokalen Verhältnissen wünschenswert und möglich erscheint, die Gründung von jüdischen Jugendvereinen in die Wege zu leiten. Der Zweck dieser Jugendvereine soll im wesentlichen sein: geistige und ethische Fortbildung-im allgemeinen; Pflege und Stärkung des jüdischen Bewusstseins im besonderen. Es empfiehlt sich, dass'die" Logen mit den zu gründenden oder bereits bestehenden. jüdischen Jugendvereinen in Fühlung bleiben und., sie. dauernd materiell und ideell fordern. Es empfiehlt sich ferner, dass diese Jugendvereine einen eigenen Verband mit einer Zentralstelle bilden unter Mitwirkung eines der Grossloge verbundenen Organs. Mit der weiteren systematischen Durchführung dieses fiross'.ogenbeschlusses wird das General-Komitee betraut. Aus der Begründung Wenn irgendwo das viel zitierte Wort: „Wer die Jugend hat, hat die Zukunft" Anwendung Huden darf, so ist dies hinsichtlich der jüdischen Jugend der Fall. Es ist ein nicht wegzuleugnender Mangel, dass die jüdische K i n d e r e r '■% i e h u n g sich nicht ausreichend in einer nachhaltigen J u g e n d e r z i e h u n g fortsetzt. Es handelt sich im vorliegenden Antrag um die reifere .fugend, um die Jünglinge, die in ihrem beginnenden Lebenskampfe dazu verleitet werden, vom" Judentum abzurücken und den Zusammenhalt mit dem Judentum mehr oder weniger einzubüssen. Schule und Elternhaus sind in ihrem Einflüsse dann bereits in den Hintei grund gedrängt. Das Leben mit seinen Forderungen, dem gesellschaftlichen Verkehr, dem Streben, sich in' der benii)ichen Tätigkeit auszuzeichnen und vorwärts zu kommen, lassen das jüdische Interesse der jungen Leute erkalten. Dieses jüdische Interesse muss daher geweckt und rege gehalten werden. Neben .allgemeiner Fortbildung ist der Jugend Weit und Bedeutung des Judentums, seid' geistiger Besitz, seine Geschichte und Literatur, seine Ethik und Morallehre, das jüdische Bewusstsein und Solidaritätsgefühl in vermehrtem Masse erzieherisch beizubringen. Mit Mitteln edler Geselligkeit solldem idealen Ziel 'eine um so freudigere und zugänglichere Aufnahme bereitet und der Zusammenschluß der jüdischen Jugend bewirkt werden. Sie soll beizeiten, da ihre jungen Herzen noch um so empfänglicher sind, zum Idealismus, zu geistiger Widerstandsfähigkeit, zu edler Gesinnung, zu Charakteren herangebildet werden; sie soll mit dem geistigen Rüstzeug versehen Werden, das sie gerade als Juden im Leben um so notwendiger - braucht. Diesen Zwecken sollen jüdische Jugendvereine dienen. Aber nur, wenn diese an den Logen einen Rückhalt finden, ist eine Gewähr für eine gedeihliche Tätigkeit und für eine zielrichtige Entwickelung geboten. Der Orden in seinen Logen verfügt über die organisatorischen Kräfte, die den Jugendvereinen ideelle und materielle Stütze zu. sein vermögen. Viele Jagendvereine sind entstanden und wieder vergangen, viele andere sind von ihren ursprünglichen idealen Zwecken abgeirrt und za reinen Unterhaltungsvereinen geworden, Weil sie der zielbewussten Führung und des Anschlusses, an eine grosse richtunggebende Organisation ermangelten. Andere bestehende Jugend vereine erfüllen in dankens- und anerkennenswerter Weise ihren Zweck und sind ein Beweis für die Existenzberechtigung von Jugendvereinen. Die in Aussicht genommene Verbindung zwischen Logen