Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 5 - April
- Date
- 1908-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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unserer Glaubensgenossen zu stärken im Stande ist, not- ' wendiger gewesen als gerade jetzt. Zwischen der indifferenten Moral der Kaffeehäaser, dem sinnenkitzelnden Zynismus der Cabarets und ihrer Lebemänner, dem Spie! und der Leidenschaft auf dem Sumpfboden unseres Gesellschaftslebens, sind Vereinigungen, wie < die Pflanzstätten unseres Ordens wie eine Oase in der j Wüstenei, — wennwir nur echte Brüder unseres | Bundes sind. Wo gibt es eine Gesellschaft, weichen \ Namen sie auch führen möge, die einen Inhalt aufzuweisen hätte, wie die Söhne des Ordens der Bnei Briss! — wenn j sie nur begeisterte Träger der Ordensi d e e s i n d. ' Aber das müssen wir auch sein, wollen wir uns nicht einmal den Vorwurf machen, das*''wir ein Gefäss überkommen i haben von „wundersamer Reine ', und dass wir seinen Wert > nicht erkannt haben. Wer unter uns weiss, ob nicht die J Zeit der Reaktion auf solche ungesunden Verhältnisse schon nahe ist, da man den Mammon allein nicht so hoch beweitet, wie dies jetzt,der Fall ist, da man sich sehnt, zu geistig I gesünderen Zeiten zurückzukehren, in welchen das Ideal unserer" Altvorderen, für das unsere Glaubensgenossen immer! empfänglich waren, wieder auf sein Piedestal erhoben wird,; von dem aus es verklärend und veredelnd wirken kann. Keine Stätte ist mehr dazu geschaffen als der unabhängige Orden der Bnei Briss. Mit aufrichtigem Danke müssen wir anerkennen, dass | der Orden und die Männer, die an seiner Spitze stehen,! vieles Gute und Grosse geschaffen haben. Aber seiner Ehre, j der Ehre des heutigen Tages und unserer Ehre sind w ir es schuldig, uns mit unbestechlicher Wahrheitsliebe zu s*gen,; dass uns noch vieles zu tun übrig bleibt, wollen wir den i Zielen nahe kommen, die uns die Zugehörigkeit zu dem Orden i vorschreibt. Wohl haben wir die grossen sozialen Hilfswerke fördern helfen, haben den verfolgten Glaubensgenossen in Osteuiopa j beigestanden, haben uns mit unseren ausserhalb des Ordens stehenden Glaubensbrüdern vereinigt,'um Wer ke des Gemein-! sinns neu zu schaffen, zu fördern und zur Blüte zu bringen.; Aber das allein ist nicht das innere Wesen des Ordens, j Wohltätigkeit ist noch nicht Wohlwollen und Mildtätigkeit ist" noch nicht Milde. Mit der Münze aus dem vollen Schatze steuert man so leicht der Not, wo sie zu sichtbar, dem Elend, wo es zu greifbar ist. Denken w ir nun auch einmal an uns J selbst, unsere eigene Verinnerlichung, wie wir uns in unseren j Zeitläuften nützen, ob wir nicht denen einmal ein rettender Hafen werden können, die nicht in materieller Bedrängnis sind. Denken wir daran, was wir uns selbst, unseren Brüdern im engsten Kreise schuldig sind, an denen wir im wirtschaftlichen Leben meist kalt und fremd voi übergehen. Seien wir einander wahrhafte Brüder! Nicht nur in den vier Wänden dieses Raumes, nicht in den Mauern dieses Hauses darf die Brüderlichkeit, die Hie auf ihr Panier geschrieben haben, ein Ziel finden; in die Welt und das Leben hinausgetragen, soll sie all unseren Handlungen von uns zu Grunde gelegt werden. Hüten wir uns vor dem Makel des Ghettos, denjenigen höher zu schätzen, der ausserhalb unserer Gemeinschaft steht, und denjenigen nur deswegen niedriger einzuschätzen, weil er zu uns gehört. Geben wir ein Beispiel allen Aussenstehenden derart, dass man allgemein und unwidersprochen sagen darf: ■„Männer der Lessingloge sind fleckenlos in^Iandel und Wandel, sind vorbildlich für die Unversehrtheit und Lauterkeit ihres Charakters, für die Keuschheit und Heiligkeit ihres Herdes, voller Hingebung für Religion und Vaterland, eine undurchdringliche Phalanx von Brüdern, von denen einer für den andern steht und nicht wankt. Dann wird das hohe Wort von Brüderlichkeit, das hier gesprochen wird, nicht zum hohlen Pathos der Phrase, die Erhabenheit unseres Zeremoniells nicht zum kindischen Marionettenspiel herabgewürdigt werden. Wir werden nicht nötig haben, in ohnmächtiger Propaganda zu werben um diejenigen, die auf dieser hohen Stufe stehen und zu uns nicht kommen, solange wir diese Stufe noch nicht erreicht haben; werben wir durch das einzig Wirksame, durch das Beispiel, das w ir geben an mannhaftem, echt brüderlichem Zusammenhalten, an Mannesstoß auf unsere Gemeinsamkeit, und Sie brauchen die oberen Zehntausend der angekränkelten Gesellschaft nicht; denn sie werden die Anwartschaft haben, die obersten Vierhundert' zu werden. . Schmieden Sie das Band wieder inniger zusammen, wie es dereinst gewesen, als wir noch klein und bescheidener Anfänge waren. Tragen wir daher die hohen .Ziele unseres Ordens auch in unsere Familie, damit unsere Frauen nicht in voller Verständnislosigkeit unseres Tuns grollend abseits stehen, wenn wir an die Stätte eilen, wo wir, ermattet von der Einförmigkeit niederdrückender Berufsgeschäfte, Erhebung finden wollen, in wahrer freundschaftlicher Hingebung, in brüderlicher Zuneigung. Aber auch unsere Kinder sollten wir beizeiten in die erhabenen Ziele unseres Ordens einzuweihen bestrebt sein, damit sie den Wert eines Ideals kennen und schätzen lernen, und nicht vergiftet werden durch die unkeuschen Miasmen, welche dem Sumpfboden unseres jetzigen Gesellschaftslebens entsteigen. Gigantische Mahnungen spricht ein Tag wie der heutige zu uns allen, die wir es ernst und treu mit dem Orden meinen. Wenn wir ihnen folgen, dann wird der Ordensbaum, der aus der fremden Zone zu guter Stunde zu uns verpflanzt worden ist, weiter blühen und gedeihen; unter dem breiten Schatten seiner Aeste und Zweige werden einst Jure Nachkommen noch segnend Ihrer gedenken, dass Sie ihnen nicht bloss kaltes Metall, sondern die unveräusserlichen Schätze der Menschenbrust hinterlassen haben. Sie selbst aber werden stolz sein dürfen im Bewusst- .sein treu erfüllter Pflicht, der Pflicht des erfüllten Manneswortes, das Sie dereinst an dieser Stelle mit heiligem Ernste gelobt haben, zu werden ein Segen sich selbst und der ganzen Menschheit. . *U*