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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-04-01 · Nr. 5 - April · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 5 - April
Date
1908-04-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 56 — 8. Der Marschall und der Wächter sind Tom Termin 1909 an zu wählen und haben alle Rechte der bisherigen gewählten Beamten. 9. Der Antrag, dass durch Dispens der Grossloge auch Präsidenten, die nicht einen vollen Termin ihres Amtes gewaltet haben, als Expräsidenten betrachtet werden können, wird dem General-Komitee überwiesen. 10. Der Antrag, „der Ehrenrat ist beschlussfähig bei Anweseuheit Ton 5 Mitgliedern1", wird, abgelehnt. 11. Der Antrag, Mittel für rituelle Verpflegung lungenleidender Glaubensgenossen in einer Lungenheilstätte zu bewilligen, wird dem Generalkomitee überwiesen. 12. Der Antrag auf Einsetzung einer, literarischen Ueberwachungskommission soll mit der Wiedergabe der Debatte den grossen Verbänden (Verband der deutschen Juden, Rabbinerverband, Zentral verein) überwiesen werden. 13. Der Antrag auf Schaffung eines neuen Rituals wird dem Generalkomitee überwiesen. 14. Der Antrag auf einheitliche Grundsätze bei der Buchung in den einzelnen Logen und auf Aenderung der Jahresberichte des Grosssekretärs werden dem Generalkomitee überwiesen. Gedanken zum Ordensfest der Lessing-Loge 1907 von Br. Dr. Wilhelm Gross, Breslau. Das Fest, welches wir heute feierlich begehen, ist der Ehre des Tages geweiht, der unseren geliebten Orden in seinem Mutterlande, den Vereinigten Staaten von Amerika, entstehen sah. Ein Kind der Begeisterung eines kleinen Häufleins wackerer Männer, meist eingewanderter deutscher Juden, welche sich ein Herz für die geistige und materielle Not ihrer Glaubensgenossen bewahrt hatten, welche die Bedürfnisse ihrer Zeit so recht zu würdjgen wussten, so wurde diese Institution, so wuchs sie, fand mit ihrem Programm nicht allein ein vieltausendfaches Echo in den Vereinigten Staaten von Amerika, sondern war auch dazu berufen, Eingang zu finden unter den Juden des alten Erdteils und ganz besonders unter den Juden Deutschlands. Rätselvoll und wunderbar sind'die Wege des Schicksals. Aus dem Lande der Goldsucher mit ihrer spezifischen Eigenart, welche für etwas anderes als die rastloseste Arbeit in dem nimmermüden Kampfe ums Dasein kaum etwas übrig hatten, aus dem Lande, in welchem das „time is money" das erste und letzte Gebot war, hat ein Programm, dessen Kern so neu ist, wie die graue Vorzeit selbst mit ihrem ersten Patriarchen, verpflanzt werden müssen nach Deutschland, „dem Lande der Denker undj Dichter", denen der Inhalt dieses Programms schon längst die ganze grosse Kraft und hohe Begeisterung für ihre grossartigsten Kunstschöpfungen geliehen hatte, ein Programm, das eigentlich nicht mehr und nicht weniger predigt als „Idealismus." „Amerika, Du hast es besser Als unser Kontinent, das alte, *; Hast keine verfallenen Schlösser Und keine Basalte. Dich stört nicht im Innern Zu lebendiger Zeit Unnütziges Erinnern Und vergeblicher Streif sagt unser Altmeister Goethe in einer stark realen Anwandlung und mit einer gewissen Ironie auf pedantische Bücherwürmer. Aber gerade dieses von Goethe unnütz genannte Erinnern an die alten, im deutschen Vaterlande zurückgelassenen Heiligtümer von Kunst und Religion war in dem sentimentalen deutschen Juden, der den verzweifelten Kampf um das bisschen Dasein genugsam gekämpft hatte, dem die Kultur und Kunst des neuen Vaterlandes zu jung waren, die Rettung seines Herzens von leidenschaftlicher Verrohung zum idealen Menschentum, von der überspannten Kultur eines nur Nüchternheiten und Aeusserlichkeiten gewidmeten Lebens zur gebildeten und bescheidenen Natürlichkeit. Und so entstand in dem Lande, in dem man kein Ideal zu brauchen schien, weil keine Zeit dafür vorhanden war, der unabhängige Orden Bnei Brissmit der ganzen Grossartigkeit seines idealen Programms, heraus aus dem leidenschaftlichen Bedürfnis nach geisterhebender und herzbefreiender Tätigkeit, kurz gesagt aus dem Hunger nach ein wenig ethischer Betätigung, in seinem Schilde, das glänzende Dreigestirn der „Wohltätigkeit, Brüderlichkeit und Eintracht.- Trotz dessen war — und das ist das Merkwürdige dabei — das ursächliche Moment, das den deutschen Boden für dieses transatlantische Samenkorn erst so recht aufnahmefähig machte, ein äuserliches. Erst 40 Jahre später, als nach einer kurzen Periode von Licht und Wahrheit die Nebel der Barbarei und des finsteren Religionshasses wieder aufwallten, als das Gespenst des Antisemitismus die deutschen Lande vergiftete, da war auch in Deutschland nach einigen vorher missglückten Verpflanzungsversuchen die Zeit für den Orden der Bnei Briss gekommen. ".; '> Rätselvoll und wunderbar sind die Wege des Schicksals. Zu keinem Augenblicke war die Zeit fürMen Orden in Deutschland mehr gekommen als gerade jetzt, wo wir bereits auf eine 25 jährige Zugehörigkeit zu demselben zurückblicken. Heute sind es innerliche Momente, die seine Einführung notwendig machten, wenn sie nicht so viel früher schon erfolgt wäre. Zeigt doch unsere'Zeit ganz ähnliche Verhältnisse, wie die weiland von Amerika bei der Entstehung des Ordens. Aus den kleinen deutschen Ländchen der Denker und Dichter mit ihren sentimentalen oder romantischen Träumern ist ein grosses, einiges und starkes Reich geworden, in welchem der allgemeine Wohlstand, Handel und Industrie einen ungeahnten Aufschwung im friedlichen Wettstreit der Völker genommen haben,} und seine israelitischen Bewohner, die vorerst den ganzen grossen geistigen Inhalt des vorigen Jahrhunderts mit der Gier der beinah Verschmachteten in sich

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