Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 4 - März
- Date
- 1908-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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fftf diese Zwecke betragen im Jahre 1906 1710 M. und im Jahre 1907 1805 M. Ebenso hat sich die nunmehr jahrelang andauernde Gewohnheit bewährt, die Beamten-Installationen durch Exp andeuten anderer Logen vornehmen zu lassen. Die Logen waren natürlich auch überaus erfreut über die Besuche bei ihres Stiftungsfesten, grösseren Arrangements etc. Bei der Ausdehnung des Ordens ist es fraglich, ob die Grossloge nach dieser Richtung den Wünschen der Logen weiterhin wird Rechnung tragen können. Es scheint mir überhaupt fraglich, ob es denn notwendig ist, dass einfache Stiftungsfeste unter Teilnahme anderer Logen und besonders der Grossloge gefeiert werden. Die Krankenpflegerinnen-Einrichtung ist äusserlich in ein nur wenig gebessertes Stadium getreten, denn auch jetzt sind nur 9 ausgebildete Schwestern in unserm Distrikt tätig, da eine altere Schwester durch Verheiratung ausgeschieden ist. Aber die inneren Verhältnisse haben sich wesentlich dadurch gebessert, dass sich gegenwärtig 4 Schwestern in der Ausbildung beiladen und 6 Neuanmeldungen vorliegen Diese grössere Anzahl von Neuanmeldungen ist ein erfreulicher Beweis dafür, dass die Krankenpflegerinnen Jdee immer weiteren Boden gewinnt, dass der Beruf mehr und mehr Würdigung findet und die Erkenntnis sich immer mehr Bahn bricht, dass nützliche Arbeit keine Schande ist. Von unseren Schwestern befinden sich 3 in Dortmund und je eine in Danzig, Leipzig, Chemnitz, Freiburg i. B.. Mannheim und Worms. Die Logen sind mit den Schwestern durchaus zufrieden und die Schwestern sind es in gleicher Weise. In den meisten Fällen wird die Krankenpflege von unseren Krankenpflegerinnen ohne Unterschied der Konfession ausgeübt, was den Logen besondere Wertschätzung und Anerkennung eingebracht hat. Mit Zustimmung des Berliner Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen ist auch der Breslauer Verein zur Ausbildung jüdischer Schwestern f ir uns gewonnen worden, sodass die Wartezeit der sich Meldenden nicht mehr so lange dauert. Die sehr unangenehme Klage, dass der eine Krankenpflegerinnen-Verein dem andern gegenüber durch Schaffung günstigerer Bedingungen etc. unlauteren Wettbewerb treibe, dürfte verstummen, sobald der Verband der jüdischen Krankenpflegerinnen-Vereine in Deutschland seine Absicht ausgeführt hat, gemeinschaftliche Bestimmungen zu treffen über die Lehrzeit, das Honorar, die Pensionsberechtigung etc. Die Bibliothek der Grossloge, die sich in ihrem Anfangsstadium befindet, erfreut sich einer grossen Beliebtheit. Logen und Brüder haben der Bibliothek Bücher geschenkt und namentlich Autoren, die das, Judentum und die Juden interessierende Schriften verfassen, haben uns erfreulicherweise je ein Exemplar für die Bibliothek der Grossloge gewidmet. Das Komitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels zeigt auch trotz der Beschränkung seines Arbeitsgebietes, dass «s der Arbeit genug gibt. In den Grenz- und Hafenstädten werden Unterkomitees eingesetzt und Vertrauensmänner geworben. Für diese hat Br. Laskar eine Instruktion ausgearbeitet. Eine von Br. Maretzki bearbeitete Warnung für auswandernde jüdische Mädchen und Frauen ist in 4 Sprachen in etwa 2000 Exemplaren fertiggestellt worden und ein Verzeichnis der Vertrauensmänner und Helfer in den verschiedensten Städten des In- und Auslandes beigegeben, an welche sich die Mädchen nnd Frauen zu wenden haben. Die Nachbestellung dieser kleinen Schrift ergibt, dass dieselbe bei den interessierten Kreisen grossen Anklang gefunden hat. Die Ausgaben der Grossloge zur Bekämpfung des Mädchenhandels betrugen im Jahre 1906 4359,— M. und im Jahre 1907 1646,20 M. In den Jahren 1906 und 1907 haben nur zwei Tagungen von Logen-Verbänden stattgefunden. . Dieselben hatten nur die Behandlung interner Angelegenheiten zum Iuhalt bis auf den diesjährigen Verbandstag der mitteldeutschen Logen, der auch die Reform-Vorschläge behandelt hat. Bei diesem Logentage kam auch der Wuusch zum Ausdruck, dass jedem Logen verband die Repräsentation von Mitgliedern zum General-Komitee zugestanden werden müsse. Hiernach ist schon für die diesjährige Grosslogensitzung gehandelt worden. Natürlich haben sich auch die Geschäfte der Grossloge erheblich vermehrt. Die Eingänge im Jahre 1906 betrugen 8616 Stück, die Ausgänge 20 841 Stück, die Eingänge im Jahre 1907 9 944 Stück und die Ausgänge 24 140 Stück. Die Tagesordnung für die diesmalige Grosslogensitzung ist eine lecht reichhaltige. Die Schaffung eines neuen Rituals, die die Grossloge schon in langwierigen Verhandlungen resultatlos beschäftigt hat, soll wiederum Gegenstand einer Beschlussfassung werden. Ich kann nur feststellen, dass auf meinen wiederholten Reisen die früheren Klagen über unser Ritual sich nicht erneuert haben. Freilich glaube ich, dass sich die Gewohnheit, sich nicht nach dem gedruckten Ritual zu richten, sondern freie Ansprachen zu halten, noch mehr als früher ausgedehnt hat. Trotz der umfangreichen Tagesordnung wird die Grosslogensitzung als gut vorbereitet zu erachten sein, wenn die Referenten meiner dringenden Bitte nachkommen, ihre Referate schriftlich festzustellen, damit dieselben noch rechtzeitig zur Kenntnisnahme an die Mitglieder der Grossloge gelangen. Denn nutzbringend tür die Gesamtheit kann nach meiner Auflassung nur derjenige Bruder reden, der mit der Materie durch fleissiges Studium sich völlig vertraut gemacht hat. Der Inhalt meines Berichtes ergibt, dass es sich in der abgelaufenen Berichtszeit nicht so sehr um Schaflang neuer Institutionen, sondern mehr um das Ausbauen und die Weiterentwicklung der vorhandenen gehandelt hat. Wenn ich eine grosse Anzahl von Fragen" in meinem Bericht erwähnt habe, so habe ich dies zum Teil auch aus dem Grunde getan, um den Mitgliedern bei der allgemeinen Besprechung des Berichts die Möglichkeit zu geben, über die verschiedensten Fragen sprechen zu dürfen und Kritik zu üben. Empfindlichkeit darf auf keiner Seite herrschen. Denn nur durch eine ungeschminkte Kritik kann etwas Gutes geschaffen werden; eine ungeschminkte und vernünftige Kritik ist das beste Heilmittel zur Herbeiführung der Gesundung. Wenn die Führer der einzelnen Logen zusammenkommen, um über das Wohl und Wehe des Ordens zu beraten, so