Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 4 - März
- Date
- 1908-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4864325-6028974-6074167--1261-4865402- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
geht es selbstverständlich ohne Kämpfe nicht ab, and so wird auch die diesjährige Grosslogensitzung eine Geistesschlacht werden, bei der aber nur vorhandene Wunden geheilt, nicht aber neue Wanden geschlagen werden sollen. Dies wird aber nur dann zu erreichen sein, wenn die Waffen der persönlichen Verletzung vorsichtig in der Scheide gelassen werden. Mit dem Wunsche, dass der Verlauf der diesjährigen Grosslogensitzung Erspriessliches für die Zukunft unseres Ordens zeitigen möge, heisse ich die Mitglieder der Grossloge auts herzlichste willkommen. 'i ■■ ]:., ' '; i Ä - . Zur Grosslogen-Sitzung. Wiederum rüstet sich die Zentrale unseres Distrikts zum Empfange der w. Repräsentanten und der lieben Brüder, die an der diesjährigen Tagung der Grossloge teilnehmen werden. Aus den Vorbereitungen, die die einzelnen Tochterlogen getroffen, aus den Beratungen, die sie mit Ernst and Eifer gepflogen haben, ersieht man die Erwartungen, die an die Verhandlungen der Vollversammlung geknüpft und die Hoffnungen, die auf dieselbe gesetzt werden. Und in der Tat steht die diesjährige Tagung der Grossloge unter einem ganz besonderen Zeichen idealen Strebens. Ein Vierteljahrhundert erfolgreichen Schaffens liegt binfer ans; was wir im Schweisse und mit Mühe gesät, hat reichliche Früchte gezeitigt; wir sind nach innen erstarkt und nach aussen gewachsen. Immer mehr dringen die hohen Ideen unseres geliebten Ordens in die weitesten Kreise, in die breitesten Schichten unserer Glaubensgemeinschaft. Unser ehrliches Wollen wird immer mehr anerkannt, unser rastloses Wirken nach Gebühr gewürdigt. Unsere Tempel werden als Zentren und Stützpunkte mannigfacher Wohlfahrtsbestrebungen angesehen. Die Gemeindeverwaltungen, die Hilfsorganisationen und die Wohlfahrtsinstitute berufen unsere Brüder in leitende Stellangen, in deren Hände sie vertrauensvoll die edle Arbeit zum Wohle der Menschheit legen. Mit berechtigtem Stolze können wir auf das errungene Ansehen, das wir jetzt bei den Besten unserer Glaubensgemeinschaft geniessen, blicken, und uns des Erreichten freuen. Soll aber der Aufschwung, den wir genommen haben, uns auch erhalten bleiben, soll der Aufstieg, den wir mühsam emporgeklommen sind, uns zu noch weiteren Höhen führen, so darf kein Nachlassen in unserm Eifer Platz greifen. Ans dem Grunde dürfen wir nicht nur das Erworbene zu erhalten suchen, vielmehr müssen wir uns neue Ziele stecken, neue Aufgaben uns stellen, um in ununterbrochener Arbeit unsere Kraft zu stählen, unsern Mut zu stärken. Diese neuen Ziele und Aufgaben erwarten unsere Brüder von der diesjährigen Grosslogensitzung. Sie soll sich nicht nur mit der Kritik über die Tätigkeit der eineeinen Organe beschäftigen, sie soll vielmehr dem ganzen Ordensleben neuen, erfrischenden Inhalt geben, neue Anregungen bieten; sie soll die Richtlinien weisen, wie die bereits bestehenden Schöpfungen ausgebaut and aasgestaltet werden müssen and welch neae in Angriff za nehmen sind. In diesem Sinne bewegen sich auch die eingelaufenen Anträge. In wohltuendem Gegensatze za den froheren Tagungen sind die Anträge diesmal nicht so zahlreich; unsere lieben Brüder haben sich eine weise Beschränkung auferlegt; sie haben den bekannten Sprach befolgt: „non maltam sed multa." Nicht auf die Fülle des Stoffes kommt es an, sondern anf die eingehende Prüfung, auf die gründliche Durchberatung der Materie. Und die vorliegenden Anträge, die nach einem bestimmten Gesichtspunkt gruppiert, zwei Gebiete umfassen, bedürfen gar sehr der genauesten Erwägung, der sorgsamsten Beratung. Denn beide Grappen haben die Kräftigung and Erstarknng des Ordens im Auge. : Beschäftigt sich die eine Gruppe von Anträgen mit Organisation^- and Verwaltungsfragen, die nach Ansicht der Antragsteller bei dem steten Wachsen unseres Distrikts und bei den infolgedessen veränderten Verhältnissen brennend geworden seien und einer baldigen Lösnng erheischten, so behandelt die zweite Gruppe der Antiäge ideale und höhere Aufgaben des Ordens. Die Jugend, die schalentlassene Jagend, geistig hoch and sittlich stark heranzubilden, bei ihr das jüdische Bewusstsein zu pflegen nnd zu stärken, nnd sie so dem Judentame zn erhalten, erstrebt der eine Antrag. Diese Aufgabe, so meinen viele Brüder, sei Sache unseres Bandes; grade wir, die Bnei Briss, seien berufen, ja verpflichtet, mit allen Kräften diesen Antrag zur Ausführung za bringen. Gehöre es ja doch zn den vornehmsten Prinzipien unseres Ordens, den geistigen nnd sittlichen Charakter unserer Stammesgenossen zu heben. Und wo könnten wir es besser tun and mit grösserem Erfolge taa als gerade bei der Jagend? »i Nicht minder bedeutsam ist der Antrag auf Einsetzung einer literarischen Ueberwachnngskommission für literarischen Neuerscheinungen, die za Jaden und Judentum in irgend einer Beziehung stehen. Diese Kommission soll die Oeffentlichkeit aufklären über Werke, die in böser Absicht das Judentum falsch beurteilen, am so seinen Wert herabzusetzen; ferner soll diese Kommission für die Verbreitung solcher Schriften sorgen, die vorurteilslos dem Judentnm Gerechtigkeit widerfahren lassen. Mit anderen Worten, diese Kommission soll apologetisch wirken and für die Ehre und Lehre des Judentums eintreten. Auch diese Aufgabe gehört, wie jeder zageben dürfte, in den Kreis aaserer Ordenstätigkeit. Ist doch unser Orden eine lebendige Apologie des Judentums! Ein Bund, der sich zur Aufgabe gestellt hat, die reinsten Ideale der Menschheit za pflegen, ein Baad, der seine Mitglieder durch die innere Logenarbeit dazu erzieht, dass sie den höchsten Anforderungen der Ethik gerecht werden, ein solcher Band, der auf dem Boden des Judentums entstanden, im Boden des Judentums wurzelt und im jüdischen Geiste wirkt, ist die glänzendste Verteidigung des Judentums. V Wie die Beschlüsse der Vollversammlung ausfallen werden, lässt sich nicht voraussagen. Aach liegt es nicht in unserer Absicht, schon jetzt zn irgend einem der Anträge Stellang za nehmen. Nur einen Wunsch zu äussern sei uns hier gestattet. Die Grosslogentagungen haben von jeher auf die Teilnehmer einen tiefen Eindruck gemacht. Von nah and fern, aas den verschiedensten Richtungen der Windrose strömten die lieben Brüder herbei zur gegenseitigen Beiehrang and gegenseitigen Förderang. Die einen kamen, um das, was sie als segensreich erkannt haben, mitzuteilen and die