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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-03-01 · Nr. 4 - März · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 4 - März
Date
1908-03-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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— 48 — anwesend. Alle übrigen Sitzungen waren nur von 3 Mitgliedern des Ausschusses, also von der Mindestzahl für die Beschlussfähigkeit, besucht. Auch für die Beratung der Reform-Vorschläge wird es nicht ohne Interesse sein, festzustellen, dass abgesehen von den 38 Sitzungen 12 mal die Sitzungen wegen Behinderung einer grösseren Anzahl von Mitgliedern verlegt werden mussten, und dass in 5 anberaumten Sitzungen Beschlüsse nicht gefasst werden konnten, weil die beschlussfähige Anzahl nicht vorhanden war. Die Reformvorschlage enthalten indess keine Bestimmung, dass in schleunigen Fällen anch der Grosspräsident allein Bestimmungen treffen könne, wie diese Vorschlage überhaupt die Befugnisse des Grosspräsidenten in keiner Weise fixieren. , Unsere Beziehungen zu unseren Nachbardistrikten Oesterreich und Rumänien sind weiter herzliche geblieben. Die Verhältnisse in Galizien haben sich nicht wesentlich gebessert, sie erfordern unausgesetzt die weitgehendste Aufmerksamkeit des österreichischen und deutschen Distrikts. Die betrübenden Ereignisse in Rumänien haben uns zu gemeinschaftlicher Arbeit mit dem rumänischen Distrikt geführt, und es war uns eine besondere Genugtuung, der Grossloge von Rumänien aus unseren Sammlungen 1OO0O M. zuweisen zu können. ' ' Wenn wir Vertreter dieser beiden Nachbardistrikte bei unserer Grosslogensitzung zu sehen die Ehre haben werden, so werden wir dieselben auf das herzlichste willkommen heissen, und deren Ausrührungen werden sicherlich nicht ohne Einfluss auf unsere EntSchliessungen bleiben. Unsere Beziehungen zu dem Hilfsverein der deutschen Juden sind die gleich angenehmen und herzlichen geblieben wie früher. Der Hilfsverein wächst stetig an Mitteln und Mitgliedern, und dadurch werden seine Hilfeleistungen für die osteuropäischen Juden immer wirksamer. Wie wir seiner Zeit durch Veranstaltung von Sammlungen in unseren Kreisen zu unserm bescheidenen Teile uns in den Dienst des Hilfsvereins gestellt haben, habe ich bei Gelegenheit unseres Jubelfestes auszuführen Gelegenheit gehabt Es gereicht uns zur Genugtuung, dass im geschäftsführenden Ausschuss des Hilfsvereins Einstimmigkeit darüber herrschte, dass das Wachsen des Hilfsvereins in seinem Mitgliederbestände zum grüssten Teil der propagandistischen Tätigkeit unseres Br. Bergel zu verdanken sei: Br. Bergel wird aber auch anerkennen, dass ihm hierbei unsere Organisation und die Lust der Führer der Logen auch an den Arbeiten des Hilfsvereins sich zu beteiligen, wesentlich zu statten gekommen ist. Bei der Jubelfeier hatte ich auch Gelegenheit, von der Unterbringung russischer Waisen berichten zu können, bezüglich deren der Grossloge die Aufsicht übertragen ist. Von 120 Pogromwaisen sind 53 in Deutschland geblieben und es ist besonderes Gewicht darauf gelegt worden, dass Geschwister möglichst in derselben Stadt oder in der Nähe untergebracht werden sollten. Die Grossloge fordert alljährlich Berichte ein, und es kann mit Genugtuung festgestellt werden, dass die Berichte fast ausnahmslos, sowohl den körperlichen als den geistigen Zustand der Waisen betreffend, günstig lauten. Mir selbst war es möglich, eine Anzahl dieser Waisen aufzusuchen; soweit dies geschehen ist, habe ich sie in des besten Händen gefunden. Die Grossloge hat beschlossen, jedem Waisenkinde alljährlich 20 M. zu stiften, damit ein gewisser Fonds vorhanden ist, falls die Waisenkinder einen bürgerlichen Beruf ergreifen wollen. Der Hilfsverein der deutschen Juden hat 53 Waisenkindern und die Alliance Israelite für 5 von ihr untergebrachte Kinder die gleichen Beiträge bewilligt, und ich möchte die lieben Brüder bitten, vielleicht gelegentlich bei Festlichkeiten an' Verstärkung dieses Waisenfonds zu denken. An der in Berlin bestehenden Organisation zur Beförderung judischer Rückwanderer in die Heimat hatte sich die Grossloge zusammen mit der jüdischen Gemeinde, dem Hilfsverein und der Alliance beteiligt, musste sich aber, nachdem sie für diese Zwecke 7500 M. beigesteuert hatte, zurückziehen, da die Unkosten hierfür für sie zu gross wurden. Das Korrespondenzblatt des Zentralbureaus für jüdische Auswanderungsangelegenheiten wird auch ferner von dem Hilfsverein in Gemeinschaft mit der Grossloge herausgegeben. Hierdurch werden überallhin Aufklärungen und Kenntnis der einschlägigen Fragen verbreitet. Zur Organisation der Hilfstätigkeit in Galizien wurde bekanntlich durch den Hilfsverein der deutschen Juden eine galizische Unterkommission geschaffen, die sich aus Vertretern des Hilfsvereins und der Grossloge zusammensetzt. Diese Kommission geht dabei Hand in Hand mit dem österreichischen Hilfsverein für die notleidende Bevölkerung in Galizien, der sich auf das beste bewährt und bereits 7 Hausindustrien in Galizien eingeführt hat. Die galizische Kommission beschäftigt sich augenblicklieh mit der Errichtung von Analphabetenschulen, von Kindergärten und mit der Ausbildung junger Leute in Fortbildungsschulen, um sie erwerbsfähig zn machen. Die dauernde finanzielle Leistung des Ordens gegenüber dem Hilfsverein besteht ausschliesslich aus dem Betrage von 5000 M., der bisher alljährlich bewilligt worden ist mit der Beschränkung, dass dieser Betrag ausschliesslich für Galizien verwendet werden müsste. Dass der Betrag von 5000 M. jährlich — der eher zu -niedrig als zu hoch erscheinen dürfte — auch weiter von der Grossloge bewilligt werden wird, dürfte wohl nicht zweifelhaft sein, zur Erwägung wird aber anheimgegeben, ob die Beschränkung bezüglich der Verwendung nicht weggelassen werden könnte. Die deutsche Konferenzgemeinschaft der Alliance Israelit« Universelle hatte sich an uns. mit dem Ersuchen gewandt, unsere Logen und deren Mitglieder zum Beitritt anzuregen. Bei dem segensreichen Wirken der Alliance, bei den herzlichen Beziehungen zwischen den Leitern der deutschen Konferenzgemeinschaft und den des Ordens sind wir dieser Anregung, gern gefolgt. Wir wiederholen dieselbe und wünschen ihr den besten Erfolg. Mit dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund hatten wir bekanntlich das Gesamtarchiv der deutschen Juden gegründet. Wir tragen die Hälfte der entstandenen Kosten und haben im Jahre 1906 1166,09 M. und im Jahre 1907 828,35 M. verwendet.

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