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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-03-01 · Nr. 4 - März · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 4 - März
Date
1908-03-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 44 — Die jadische Gemeinde Berlin hat sich bereit erklärt, für ihr eigenes Archiv feuersichere Räume herzustellen und die Bäume derart zu gestalten, dass auch das Gesamtarchiv der deutschen Juden eventuell dort untergebracht werden könnte. Allerseits wird dieser Institution grösste Bedeutung beigelegt. Aber angewiesen sind wir auf die Ueberlassung des Materials durch die Gemeinden. Ich komme gern dem an mich gestellten Ersuchen nach, auch an dieser Stelle einen warmen Appell andie . Erschienenen zu richten. Unsere Versammlung vereinigt ja eine Anzahl Vorstandsmitglieder jüdischer Gemeinden in Deutschland. Vergessen Sie, meine lieben Brüden, nicht, in Ihrer Gemeinde für das Archiv tätig zu sein. Wertvolles Material liegt unbenutzt und unberücksichtigt fast in jeder Gemeinde. Es gehört nur ein guter Wille und freilich auch Mühe dazu, das Material herauszusuchen und dem Gesamtarchiv zur Verfügung zu stellen. Mit der Publikation über das bereits vorhandene und über den Wert des Gesamtarchivs wird baldigst begonnen werden. Diese Publikationen werden auch in den Monatsberichten erscheinen. Mit dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund sind wir aber auch in weitere Beziehungen getreten durch Begründung der „Israelitischen Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder in Beelitz (Wilhelm und Auguste-Viktoria- Stiftung)". Am Tage unseres Jubelfestes haben wir den Betrag von 40000 M. für dieses Institut bewilligt, und voraussichtlich wird das Heim bereits am 1. Oktober er. eröffnet werden. Die Bedürfnisfrage ist nicht mehr zweifelhaft, denn obwohl nur 40 Stellen vorhanden sind, liegen bereits etwa 150 Anmeldungen vor. Der Kostenaufwand für die 40 Zöglinge wird voraussichtlich jährlich 24000 M. betragen, sodass die Kosten pro Zögling und Jahr auf 600 M. zu stehen kommen. Im Kuratorium und in den Unterkommissionen sind gleichmässig die beiden Gründungskörperschaften vertreten. Der Appell an die Logen und an die Brüder durch die Grossloge war nicht wirkungslos, ein Bruder der Montefiore-Loge hat 10000 Mark gestiftet. Von neuen Logenschöpfungen in der Berichtszeit ist vornehmlich die Stiftung des Br. Adolf-Trier in Darmstadt mit «inem Kapital von 40000 M. zu erwähnen, die den Zweck hat, unbemittelten Kindern israelitischer Konfession aus der hessischen Provinz Starkenburg eine gute Schulbildung zuteil werden zu lassen, um sie in den Stand zu setzen, später einen bürgerlichen Beruf mit Erfolg ergreifen zu können. Ich möchte ferner hinweisen auf das in Bau befindliche Ferienheim der Fraternitas-Loge in Dresden und namentlich auf das am 1. Juli 1907 in Wirksamkeit getretene Jaffa'sche Fürsorge- und Waisenheim der Grossloge für Deutschland VIII. Trotzdem die Wirksamkeit in aller Stille begonnen hat, ist bereits eine übergrosse Anzahl von Anmeldungen eingelaufen. Das Heim befindet sich in der Leibnizstrasse 106 und sind nach einer halbjährigen Tätigkeit bereits 13 Kinder aufgenommen. Ich verweise auf den soeben erschienenen Bericht' des Kuratoriums dieser Anstalt und begnüge mich mit der Bitte, das Heim in Augenschein zu nehmen und; es kräftig zu unterstützen. Gerade die Errichtung des letzteren Instituts giebt mir die erwünschte Gelegenheit, doch einmal zur Erwägung Auheim zu geben, ob nicht für den Orden in Deutschland überhaupt die Zeit gekommen ist, eigene, wohltätige Institutionen ins Leben zu rufen. In Amerika spielen die eigenen Institutionen der dortigen Logen eine besonders hervorragende Rolle und haben wesentlich zur Stärkung des Ansehens der Logen beigetragen. Fast alle grösseren Logen sind ins Vereinsregister eingetragen. Bei der diesjährigen Grosslogensitzung soll auch die Rechtsfähigkeit der Grossloge ins Leben gerufen werden. Die früheren Bedenken, dass eine geordnete Verwaltung für solche Vermögensstiftungen nicht vorliegt, sind geschwunden. Ohne Neid sehen wir, wie eine grosse Anzahl von Brüdern sich mit Stiftungen an anderen Institutionen beteiligen. Aber den Wunsch haben wir doch, dass die Brüder auch hierbei einmal an die Logen und an die Grossloge denken mögen. In dankenswerter Weise ist freilich damit bereits ein schöner Anfang gemacht worden. Die Siegfried Jacobsohn- Stiftung, im Betrage von 10000 M., gegründet von einem Bruder der Berthold Auerbach-Loge zum Andenken seines infolge eines Herzleidens verstorbenen Sohnes, hat den Zweck, dass die Zinsen alljährlich zwei herzkranken Juden zu einer Kur zugewendet werden sollen. Die Witwe eines verstorbenen Bruders der Deutschen Reichs-Loge hat -10000 M. zu einer Wagner-Stiftung bestimmt, deren Zinsen nach dem Ermessen der Deutschen Reichs-Loge verwendet werden sollen. Eine grosse Anzahl von Institutionen werden finanziell sowohl von den einzelnen Logen als auch von der Grossloge unterstützt. Gewiss mit vollem Recht. Aber wie wäre es, wenn die Logen und die Grossloge sich darin eine grössere Zurückhaltung angewöhnen würden mit der ausgesprochenen Absicht, die dadurch ersparten Gelder parat zu halten für eigenste Bedürfnisse der Logen und der Grossloge. Ich würde mich freuen, wenn bei der allgemeinen Diskussion über meinen Bericht gerade diese Frage — eine Lieblingsidee von mir — ausführlich besprochen werden würde. Die Grossloge hat an Institute im Jahre 1906 2635 M. und im Jahre 1907 3760 M. ausgegeben. Die Logen haben in dem entsprechenden Zeitraum für Institute 34,383 Mk. und 139,072 M. ausgegeben. Sicherlich befinden sich die Hälfte der bedachten Institutionen in keiner unmittelbaren Verbindung mit den Logen. Ueber die äussere Propaganda kann ich leider nichts Günstiges berichten. Während in der Grosslogensitzung im März 1906 von 6 Neuinstallationen berichtet werden konnte, kann ich als Resultat der äusseren Propaganda in den letzten zwei Jahren nur die Errichtung von zwei neuen Pflanzstätten feststellen: Am 14. April 1907 wurde die Jacob Plaut-Loge in Nordhausen mit 60 Brüdern und am 6. Oktober 1907 die Leopold Zunz-Loge in Braunschweig mit 35 Brüdern installiert. Dieser Erfolg kann nicht befriedigen. In der letzten Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses

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