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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-02-01 · Nr. 3 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 3 - Februar
Date
1908-02-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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teilzunehmen bereit sind, in erster Reihe zu stehen. Unsere Aufgabe in Bezug auf den Mädchenhandel in Galizien erblickt Br. Bergel. im Gegensatz zu Frl. Pappenheim, nicht in der alleinigen Anbahnung und Förderung von internationalen und interkonfessionellen galizischen Komitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels, in welchen die Juden sich auf das Zusammenwirken mit Ruthenen und Polen verbinden sollen zum Anschluss eines besonderen jüdischen Komitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels.' Br. Bergel hält es vielmehr grade für unsre Aufgabe mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln die Schaffung eines solchen spezifisch jüdischen Komitees zur Bekämpfung des Mädchen, handels in Galizien anzustreben. Nur im Rahmen eines solchen nach einheitlichen Grundsätzen organisierten besonderen jüdischen Komitees — wie dies auch bei uns in Deutschland der Fall ist — wäre es für die Juden dort erspriesslich, sich einem noch zu erstehenden interkonfessionellen Landeskommitee dort anzuschliessen. So lange sie sich aber dabei nicht auf eine jüdische Landesorganisation zu stützen vermögen, würden bei einem Zusammenwirken mit Ruthenen und Polen, nicht nur wie bisher immer, die Juden die Zeche allein zu bezahlen haben, sondern noch an ihrem, ohnehin nicht allzuhohen Ansehen Schaden erleiden. Denn Ruthenen und Polen machen, so sehr sie sich auch sonst befehden, wehrlosen Juden gegenüber doch leicht gemeinsame Sache. J Decken sich ja auch ohnehin die Aufgaben, die einer jüdischen Kommission obliegen mit denen, die ein interkonfessionelles Komitee sich stellt keineswegs. Kann ein solches sich vielleicht damit begnügen, Miasmen aufzuspüren und zu vernichten, welche aufsteigen aus jenen Sümpfen, die durch das entsetzhebe materielle Elend und den dadurch hervorgerufenen sittlichen Notstand sich gebildet haben — so muss das jüdische Komitee, müssen wir alle, es als unsere Aufgabe betrachten, jene Sümpfe trocken zu legen, i Wenn schon in Deutschland die Schaffung einer solchen spezifisch jüdischen Organisation als notwendig angesehen wurde, und dieser Notwendigkeit seitens der Grossloge für Deutschland durch Einsetzung unseres Komitees Rechnung getragen wurde, so ist die Schaffung eines solchen jüdischen Komitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels in Galizien eine um so dringlichere Aufgabe. Wir waren die ersten (1897) welche die Bekämpfung des Mädchenhandels mit Ernst und Eifer in die Hand genommen haben; wir haben unsere Mitarbeit dem Deutschen Naüonal-Komitee freiwillig entgegengebracht, wir haben uns in die erste Reihe gestellt, um den Finger in die offene Wunde zu legen, ohne jede andere Rücksicht, als dieses schändliche Gewerbe auszurotten. Heute wird in Deutschland unser Komitee längst als ein integrierender Bestandteil des grossen internationalen Vereins zur Bekämpfung des Mädchenhandels angesehen und unser Wirken in diesem gebührend anerkannt. Heute wagt niemand mehr gegen uns Juden den so bösartigen wie ungerechten Vorwurf zu e>heben, als ob wir etwas zu verdecken trachten in der Frage des Mädchenhandels und das was zuerst zu einer Schmach für die gesamte Judenheit zu werden drohte, ist nunmehr zu ihrer Ehre geworden. Dies ist das Verdienst des Ordens und des von ihm eingesetzten Zweigkomitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels. Und wenn dieses Komitee, dessen Erfolge vorhin angezweifelt wurden, durch seine Wirksamkeit nichts weiter erreicht hätte, als die Ehrenrettung Israels auf diesem Gebiete, so hätte es dadurch allein schon seine Existenzberechtigung erwiesen. Wie aber den Logen in Deutschland das Verdienst nicht genommen werden könne, dass sie die Idee der Bekämpfung des Mädchenhandels zuerst in die breiten Massen geiragen, zu einer Zeit, als noch von keiner anderen Seite e.was auf diesem Gebiete geleistet wurde, so gebührt auch den Logen in Oesterreich die Anerk-nnung, auf diesem Gebiete besonders segensreich gewirkt zu haben. Die Mitglieder der Grossloge für Oesterreich haben es vermocht, auch andere, gl eichgesinnte für dieses, edle Werk zu erwärmen. Es wäre auch in Lemberg nicht zu einem Misserfolg gekommen, wenn die Leitung der ganzen Sache sich in Händen der Grossloge für Oesterreich befunden hätte. Ist auch zuzugestehen, dass an dem Lemberger Misserfolg der galizische Chauvinismus nicht unbeteiligt war, so darf uns dies doch nicht abhalten, unseren, auf diesem Gebiete tätigen ausländischen Gesinnungsgenossen unsere eifrige Mitwirkung zu gewähren und da, wo die Teilnahme unserer! Glaubensgenossen sich noch nicht wirksam hat beiätigen können, ihnen mif unseren Erfahrungen, unseren Kräften und Mitteln zur Seite zu treten. Darum begrüsst Br. Bergel es mit Freuden, dass der jüdische Frauenbund die galizischen Frauen zur Mitarbeit aufmuntern wolle, und auf diese Weise das Werk des Zweigkomitees des U. O. B. B. fördern werde. Auch er sei für die Bearbeitung der Hafenstädte und für die Gründung von Komitees in Holland und Belgien. In England seien solche Komitees bereits vorhanden; unser Logenbruder ClaudeMonteflore*) in London, der ja seit langen Jahren für den Schutz auswandernder jüdischer Frauen und Mädchen in hervorragender Weise tätig ist, habe ihm persönlich seine Mitwirkung in unserm Zweigkomitee, dem er ja nun auch als Mitglied angehöre, zugesagt. '! f . i >. Die Vorschläge 1, 3 und 4, die sich mit der bisherigen Tätigkeit des Zweigkomitees decken, werden angenommen. Der Vorschlag 2 betreffs Anstellung eines Agenten in Galizien wird bis zur Erstarkung der dort gegründeten Komitees zurückgestellt. Nach der Erklärung des Frl. Werner mit der Mitarbeit in Bremen in Gemeinschaft mit Br. Dr. Rosenack bald beginnen zu wollen, schliesst der Vorsitzende die Sitzung um V23 Uhr mit dem Danke an die Erschienenen Kömiteemitglieder. '• ', I /✓ .' :;' . *) Soeben hat Br. Montefiore uns geschrieben, dass er und das jüdisch-englische Komitee sich uns bereitwillig zur Verfügung stellen wollen.

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