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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-02-01 · Nr. 3 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 3 - Februar
Date
1908-02-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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— 35 — , und ob die Juden an der Bekämpfung mitarbeiteten. Darauf habe der Vorsitzende geantwortet: „Wir haben mit unseren jüdischen Mitbürgern die besten Erfahrungen gemacht. International glaube ich zu wissen, dass in Frankreich und England jedenfalls verschiedene jüdische Herren an dem gleichen Strange ziehen wie wir. Dieselbe Versicherung! kann ich für Deutschland geben. Die gewünschten Mitteilungen über einen bestimmten Prozentsatz werden wir j uns wohl nicht verschaffen können." Frl. Pappenheim möchte die Richtlinien für die Arbelt j des jüdischen Zweigkomitee geben. Sie erinnert an die vor Jahren stattgehabte Versammlung in Lemberg, an der Logen, Rabbiner und Lemberger Herren teilgenommen hatten. Diese Versammlung war erfolglos; Frauen waren gar nicht zur Mitarbeit aufgefordert „g/wesen. Frl. Pappenheims Erfahrungen gingen dahin, dass die genannten Kreise wenig nützen. Die Rabbiner sagen, es gebe keinen Mä leben- | handel, Nichtlogenkreise wollen vielfach nicht mitarbeiten. In Galizien sei der Boden allerdings sehr steinig, weil viele Vorbedingungen für jede soziale Arbeit fehlen. Auch die Sozialdemokraten und die Zionisten versagten bei der Bekämpfung des Mädchenhandels. Die ersieren betrachteten dieses Uebel lediglich als eine Folge des Kapitalismus, und die Bekämpfung, wie sie heute angestrebt wird, als ein Palliativmittel, das nichts nützen könne. Die Zionisten hätten ihre Aufgabe auf ganz anderem Gebiete; sie wollen erst Politik und nur in zweiter und dritter Linie; Volkserziehung und Volkshygiene betreiben. Aus den lokalen Verhältnissen ergibt sich für Galizien die Notwendigkeit, internationale und interkonfessionelle Komitees zu schaffen, in denen Juden, Polen, Ruthenen aller polltischen Färbung gemeinsam mit der Regierung Sektionen der Oesterreichischen Liga zur Bekämpfung des Mädchenhandels gründen, in denen vor allem Frauen arbeiten. In 8 Städten hat Frl. Pappenheim solche Komitees angebahnt, in Czernowitz und in Lemberg haben sie zu arbeiten angefangen und zwar haben sie sich vorwiegend mit dem Schutz und der Beratung jüdischer j Mädchen zu befassen. Die Katholiken sind dadurch, dass sie Herbergen und Heimstätten und Bahnhofsmissionen haben, besser in der Lage, ihre Töchter zu schützen. Die jüdische Bevölkerung muss in gleichem Sinne angeregt werden. Frl. Pappenheim macht folgende Vorschläge: 1. Es soll eine Beaufsichtigung der Hafenstädte angestrebt werden, vorerst Bremen, Rotterdam, Triest und Marseille. Dazu sollen Frauen und Männer gewonnen werden. 2. Es wäre wünschenswert, einen Agenten in Galizien anzustellen, der speziell den jüdischen Organisationen zu dienen habe. ~3. Es wäre wünschenswert, mit den amerikanischen jüdischen Frauenvereinen und Verbänden zum Zweck der Bekämpfung des Mädchenhandels Fühlung zu nehmen. 4. Es ist notwendig für vorkommende Fälle der Bekämpfung des Mädchenhandels und der Unsittlichkeit einen kleinen Dispositionsfond bereit zu halten, da die bestehenden Unterstützungen für diese Zwecke Verlagen, Br. Maretzki dankt Frl. Pappenheim für die Ausführungen, meint aber, dass das Zweigkomitee im Sinne der Vorschläge gearbeitet habe. Was den Agenten betrifft, so sei ihm bekannt, dass in Buenos Ayres ein tüchtiger Agent arbeite, der von der Baronin von Rotschild in London honoriert werde. Wahrscheinlich ist es das englische jüdische Komitee, der die Baronin zugehört.. Br. Landsberg wendet "sich gegen die von Frl. Pappenheim vorgeschlagene Gründung eines internationalen und interkonfessionellen Komitees in Galizien ohne Betonung des jüdischen Moments, vielmehr ist. er für ein jüdisches Zweigkomitee, dass wie in Deutschland ein Unterkomitee des grossen nationalen Komitees ist. Das Zweigkomitee bestehe aus dem Grunde nur aas Logenbrüdern, weil alle edeldenkende Juden, die für das Judentum noch etwas übrig haben, den Logen angehören. Betreffs des Agenten sei Vorsicht geboten. Denn derselbe könnte selbst ein Mädchenhändler sein. Wenn diese Frage spruchreif geworden sein wird, könnte dieser in Aussicht genommene Agent nur mit Hilfe des österreichischen Liga angestellt weiden. Die Arbeit in den Hafenstädten habe 'das Zweigkomitee stets im Auge gehabt, ebenso den Anschluss an Amerika Was dort an Zweigkomitees vorhanden sei, werden wir durch die „Ica" gewinnen können. Ein Dispositionsfond sei direkt nicht nötig, weil Geld zur Bekämpfung des Mädchenhandels in Logenkreisen stets vorhanden sei. Br. Wolff betont gegenüber den Ausführungen des Frl. Pappenheim,'dass alles, was bis jetzt auf dem Gebiet der Bekämpfung des Mädchenhandels getan ist, das Werk der Logen sei, er freue sich, dass Frl. Pappenheim jetzt hiervon Kenntniss erlangt habe. Früher sei sie wohl nicht hierüber informiert gewesen. Mit Br. Landsberg stimmt er darin überein, dass der Anstellung eines Agenten zur Zeit noch sehr viele Schwierigkeiten entgegenstehen. Die Erweiterung des Netzes' von Zweigkomitees in Amerika könnten am sichersten die dortigen Logen durchführen, weil in Amerika gegen 400 Logen vorhanden sind. Br. Laskar unterstützt die Vorschläge des Frl. Pappen- und empfiehlt sie sämtlich zur Annahme. Br. Maretzki wünscht, dass die Vereinstätigkeit in Galizien weiter gefördert Und die Frage der Anstellung eines Agenten vorläufig zurückgestellt werde, bis die Komitees in Galizien an Zahl und Tätigkeit erstarkt seien. Fräulein Werner möchte den Vorschlag des Agenten unterstreichen. Sie glaubt, Frl. Pappenheim dahin verstanden zu haben, dass in Galizien hur im AnscNuss an die Liga ein jüdisches Komitee mit Erfolg wirken könne. Gegen den Vorwurf des Frl, Pappenheim, die Rabbiner seien für diese Arbeit nicht geeignet, weist sie auf ihren Bruder, den Rabbiner Dr. Werne r-Münehen, hin, der für die Bekämpfung des Mädchenhandels das. wärmste Interesse habe und erfolg« reich wirke. Br. Bergel stimmt mit Frl: Werner darin überein, dass die Rabbiner nicht ausgeschaltet werden dürfen. Bei einem Werke, dass der gesamten Judenheit als heilige Aufgabe obliege, gebühre ei grade den Rabbinern, welche dessen Tragweite zu würdigen berufen und wohl durchweg an ihm

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