Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 3 - Februar
- Date
- 1908-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ist in den grossen Logen eine sicherere Garantie gegeben, weil eine grössere Anzahl von Brüdern sich an den Debatten beteiligen. Sicherlich kommen Ausschreitungen überall vor, in grossen wie in kleinen Logen, dagegen müssen sich die Logen zu schützen suchen. — Kurz möchte ich noch streifen, dass die Geselligkeit in den kleinen und mittleren Logen eine stärkere und intimere ist als in den grossen Logen, schon aus dem Grunde, weil eine bessere Annäherung der Brüder sich dort herausbildet. Aber es scheint mir kein prinzipieller Unterschied darin zu liegen, es liegt wohl auch viel an den Brüdern, ob sie das Bedürfnis eines freundschaftlichen Verkehrs empfinden. « ' Das wären wohl die wesentlichsten Züge, die sich im Laufe der Zeit bei den Logen entwickelt haben. Vielleicht finden die Brüder noch andere unterscheidende Merkmale heraus, und es wäre höchst interessant, wenn die Brüder sich darüber äussern wollten. , Ist es nun wünschenswert, dass die Logen sich ins Ungemessene vermehren, und bringt es den Lögen einen idealen oder realen Vorteil, wenn ihre Mitgliederzahl sich stark vermehrt? Ein bestimmt abschliessendes Urteil lässt sich im allgemeinen kaum geben., Es wird immer darauf ankommen, was die Loge will. Legt sie Wert darauf, mit der Zahl zu glänzen, so wird sie werben und werben, bis sie sich von der Zahl befriedigt glaubt. Aber auf die Zahl allein kann es doch nicht ankommen. Die Auswahl kann bei solchen Grundsätzen' keine einwandfreie bleiben. Ist das Tor zur Loge weit geöffnet, so können immerhin Elemente hineinschlüpfen, an denen man keine rechte Freude hat. Darin sind die kleinen Logen besser gestellt, sie kennen jeden Kandidaten genau. Andererseits sind die kleinen Logen auch sehr vorsichtig in der Anmeldung von Kandidaten, sie müssen darauf achten, dass der Kandidat infolge einer Ablehnung keine Einbusse in seiner gesellschaftlichen Stellung erleidet. Bei grossen Logen fällt dieser Umstand wenig oder garnicht ins Gewicht, weil der abgelehnte Kandidat sich in der Menge verliert. — Sind nun gar mehrere Logen au einem Orte, so entwickelt sich mit der Zeit eine rage de nombre, ein Wettstreit zur Vermehrung der Reihen, der auch seine unerwünschte Seite hat. Und dann sind doch die Geldbeiträge nicht das Wesentj liebste im Orden, nicht das allein glücklich Machende. Man muss sich doch eigentlich immer vor Augen halten, dass wir einen Orden haben, einen Orden, in dem die Brüderlichkeit gepflegt werden soll. Diese beschränkt sich bei den grossen Logen auf die ständigen Besucher. Die seltenen und fehlenden Brüder gehen der Brüderlichkeit vollständig verlustig, sie verlieren bald ganz das Interesse für den Orden. Das muss auch 1 auf die Zusammengehörigkeit der Logen untereinander unheilvoll wirken. Wie die Mitglieder der Logen sich fernstehen, so schliesslich die Logen zu einander. Und diese Wirkungen sehen wir jetzt schon, die Logen sin* einander fremd geworden. Die allgemeinen Aufgaben leiden darunter, die lokalen Interessen der Logen überwiegen bereite. Und doch besteht noch soviel Gefühl für Annäherung, dass die Logen sich zu Verbänden zusammentun. Meines Erachtens sollte eine Loge nicht über 200 Mitglieder hinausgehen. Ein solche Loge! lässt sich noch gut übersehen und führen, die persönliche Annäherung; und Einwirkung lässt sich ermöglichen. Die sehr grossen Logen sollten sich teilen. 'Ich verkenne die Schwierigkeit einer Teilung nicht (ich will sie nicht aufzählen), aber sie ist nicht unüberwindlich. Die österreichischen Brüder haben sich wohlweislich gehütet, die Logen so enorm anwachsen zu lassen. Dort legt man mehr Gewicht auf brüderliches Tun und freundschaflicheu Verkehr. Darum hat man in Wien und Prag bald eine zweite Loge gegründet, als die erste über 150 Mitglieder zählte. Das sollten doch die grossen Logen in ernste Erwägung ziehen. Wie ich schon früher hervorgehoben habe, ist es jetzt an der Zeit, das innere Leben in den Logen auszubauen, die grossen, für unseren Orden segensreichen Aufgaben der Brüderlichkeit, Vervollkommnung intensiver aufzunehmen, den Zusammenhang der Brüder und der Logen zu starken, sonst verlieren wir bald den wahren idealen Konnex miteinander. - Maretzki. ■ " ' i ■ * - " ■ 1 Was können wir für unsere Jugend tun?*) E. F. Das Judentum i>t kränk, so hört und liest man vielfach in letzter Zeit. Die Pessimisten unter uns suchen mit Hilfe der Statistik nachzuweisen,, dass es in unserer Mitte sehr schlimm bestellt sei. Mit. markerschütternden Kassandrarufen prophezeien sie den baldigen Untergang unserer Glaubensgemeinschaft in Deutschland^ weun nicht Mittel und Wege gefunden würden, um dem überhand nehmenden Abfall, der Fahnenflucht und den Mischehen Einhalt zu tun. Auch die Optimisten werden voh der Blässe dieses Gedankens angekränkelt, und obgleich sie sich der Tatsache nicht verschliessen, dass gerade in letzter Zeit, auf vielen Gebieten des jüdischen 'Lebens ein kräftiges Blujien und Sprossen bemerkbar ist, stinunen sie mit in den Ruf ein: das Judentum ist krank! Dass der Organismus des Judentums nicht ganzgesund ist, wer wollte das abstreiten, wer küante das in Abrede stellen? Schon der Umstand, dass viele Aerzte sich melden und Sanierungsvorschläge für. Israel machen, beweist zur Genüge, dass der Gesundheitszustand unserer Gemeinschaft nicht ganz befriedigend ist. Allerdings gehen die Ansichten unserer Aerzte iiibezug auf Diagnose und Trognose. auseinander. Der eine glaubt, deu Sitz der Kra»fk1jeit im Judentum selbst gefunden zu haben; in der jetzigen jüdischen Familie und in den jüdischen Gemeinden seien die Wurzeln des Uebels, die beseitigt werden müssten. Hier sei^der Hebel anzusetzen, hier müsste die Operation. vorgenommen werden. Ein anderer Arzt verwirft diese Theorie und' meint, die „sedes morbi" sei nicht im Körper des {deutscheu Judentums zu suchen, sondern ausserhalb desselben. Die 'politischen und sozialen Verliältnisse seiner Umgebung müssen umgestaltet werdeu und gesunden, dann werde auch das Judentum keine Krankheitssymptome mehr zeigen. Würde die Taufe nicht mehr das bekannte Entreebillet zu den akademischen Lehrstühlen, zu Titeln und höheren Berufen sein, so würde kaum ein Jude mehr dem Glauben seiner Väter treulos den Kücken kehren. •!•'■, *) l)ieser vor geraumer jileit fieseliriebeue Artikel konnte wegen KruiminaiigelH erst jetzt gedruckt Genien:-