Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 3 - Februar
- Date
- 1908-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- 26 — bald Ordenemüdigkeit bemächtigt. — Aber obiger Vorteil der grossen Logen tritt doch nicht so in die Erscheinung, wie man theoretisch anzunehmen gewillt ist. In Wirklichkeit stellen sich die Dinge doch anders dar. In den grossen Logen arbeiten meist dieselben Personen, es ist ein kleines Häuflein, das sich jahraus jahrein im Orden betätigt. Man sollte meinen, dass der Nachwuchs an frischen und jüngeren Kräften ein regelmässiger und beständiger sei, aber dem scheint nicht so zu sein. Immer dieselben Brüder kommen allwöchentlich zur Loge, beteiligen sich an den Arbeiten, Vorträgen, Debatten, besetzen die Aemter. Daher sieht man einzelne Brüder wiederholt auf dem knrulischen Sessel, wiederholt .in bestimmten Ausschüssen arbeiten. Hief ' liegt ein grosser Nachteil. Die Indolenz steigt mit der Zahl der Mitglieder einer Loge. Die grosse Mehrzahl der Brüder kommt fast garnicht zur Loge, kann keine Kenntniss von den Vorgängen im Orden haben, verliert allmählich das Interesse für den Orden. Sie sind nur Bertrag zahlende Mitglieder. Die grossen Logen haben auch garnicht die Macht, alle ihre Mitgliedei zu dauernder Beteiligung heranzuziehen. Alle vorgeschlagenen und angewandten Mittel, wiederholte dringende Aufforderung, persönliche Beeinflussung haben fehlgeschlagen. Die Brüder lernen sich nicht einmal kennen. Dadurch werden sie gleichgültig gegen einander, verlieren das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Die Idealität des Ordens leidet, wenn eine grosse Zahl von Brüdern teilnahmlos dem Orden gegenübersteht. Nur durch Selbstbetätigung und-Mitarbeit erhöht sich das Interesse und stärkt sich die Zusammengehörigkeit. Die innere Kraft des Ordens beruht doch darauf, dass jeder Bruder an der Verwirklichung der Ordensziele mitarbeitet, um sich selbst zu veredeln und die Gesamtheit zn heben. Wir dürfen von jedem Bruder fordern, dass er mittut, um ein brüderliches Verhältnis zu einander nicht nur zu schaffen, sondern es auch zu stärken, .dass jeder Bruder eine ethische Einwirkung auf den andern ausübe. Das ist nicht möglich, wenn zwei Drittel der Mitglieder einer grossen Loge sich fernhalten. Darum ist die Einfluss- . Sphäre auch eine kleine, fast nicht grösser als die Gesamtzahl einer mittleren Loge, die fast alle Brüder an den Logenabenden beisammen sieht. Nach dieser Richtung haben die grossen Logen nicht den Wert, den sie haben sollten, erfüllen sich nicht die Hoffnungen, die man an die grossen Logen knüpfen möchte. — Andererseits können die grossen Logen jedesmal eine Sitzung abhalten, denn soviel kommen immer, dass gearbeitet werden kann, während bei kleinen Logen es sehr häufig vorkommt, dass wegen Mangel an Quorum Sitzungen ausfallen müssen. Gleichen sich die Vorteile und Nachteile in dieser Richtung einigermassen aus, so haben die grossen Logen in anderer Weise einen unbestreitbaren Vortei|. Sie haben einen grösseren Einfluss auf die Gesetzgebung und Verwaltung im Distrikt dadurch, dass sie mehr Repräsentanten zur Grossloge deputieren können. Es wird auch naturgemäss bei Besetzung des Gen.-Kom. auf sie grössere Rücksicht genommen, weil sie eben die potenten sind. Dadurch üben sie unverkennbar einen grösseren Einfluss aus, ihre Ansichten und Wünsche können sich viel mehr Geltung im Rate der Grossen verschaffen. Es ist zu verstehen, dass die mittleren und kleinen Logen oft den Anspruch erhoben, in grösserer Zahl in dem Gen.-Kom. vertreten zu sein, um das Uebergewicht der grossen Logen herabzumindern. Aber eine Gefahr liegt meines Erachtens in dem l'eberwiegen der grossen Logen nicht, wenigstens hat sich solche bis jetzt noch nicht herausgestellt Das grosse Interesse am Orden, das in jeder Loge stark zu Tage tritt, die brüderliche Gesinnung der Logen hat es nicht zu Machtproben kommen lassen. In wichtigen Fragen kam es nicht zn einer deutlichen Scheidung zwischen grossen und kleinen Logen, sie stimmten alle nach ihrer Ueberzeugung und den wohlverstandenen Ordensinteressen. Die kleinen Logen werden von den grossen nicht erdrückt. Das darf auch nicht eintreten, sonst nehmen wir Schaden an dem Geist des Ordens, und sein Fundament kommt ins Wanken. Sehen wir uns das innere Leben in grossen und kleinen Logen an, so hat es gewiss viel für sich, dass die Brüder in mittleren und kleinen Logen sich einander gut kennen, öfter zusammenkommen, dauernd in Verbindung miteinander bleiben, sich leichter Freundschaften anknüpfen. Aber die Reibungsflächen sind auch gross und die Reibungsmöglichkeiten sindöfter gegeben, sei es in persönlichem Verkehr, als auch, was nicht so gar selten ist, durch die Logenarbeit. Die persönliche Empfindlichkeit trjitt mehr in den Vordergrund, zumal, wenn einzelne Brüder durch ihr Können und Wissen lange Zeit an der Spitze der Loge stehen. Die Neigung zur Beherrschung ist leicht gegeben. Die Debatten spitzen sich leichter persönlich zu, weil sie sich zu genau kennen. Alles möglich, und ist auch schon oft genug dagewesen. Eingetretene sachliche oder persönliche Differenzen steigern sich zur Feindschaft, welche die ganze Loge in Mitleidenschaft ziehen, zumal wenn sie lange andauern. Ich habe es erlebt, dass Feindschaften zwischen führenden Brüdern 3 Und 7 Jahre angedauert haben. Die Ambition und die Rivalität für die Beamtenschaft ist stärker als in grossen Logen, die Brüder fühlen sich, wenn sie nicht gewählt sind, zurückgesetzt und lassen es die Loge entgelten. Solche unheilvollen Vorkommnisse sind in den grossen Logen erschwert, wenn sie auch nicht gänzlich fehlen, weil sich Viele Brüder in der Führung teilen. Dagegen bilden sich in grossen Logen leichter Gruppen, die zu Parteiuugen führen, die sich einander befehden. Dabei wird das Piiuzip mehr betont, das Grundsätzliche hervorgehoben, und die Vorlagen, Anträge werden vom Parteistandpunkt aufgefasst und behandelt. Das ist sehr natürlich. In den kleinen Logen kennen sich alle, die persönliche Unterredung vermittelt die Differenz, es tut einer dem andern etwas zuliebe. In den grossen Logen fällt der persönliche Moment wenig in die Wagschale, da entscheidet das Prinzip. Gleichgesinnte Brüder tun sich mit oder ohne Absicht zusammen, um ihnen genehme Beschlüsse herbeizuführen. Damit ist nicht gesagt, dass es in kleinen Logen keine Prinzipienreiter gibt, aber es sind immerhin einzelne, während in den grossen Logen sieb Parteien bilden müssen. Nun ist gegen Bildung von Parteien an und für sich nichts zu sagen, vorausgesetzt, dass sie auf gesunder Grundlage beruhen; auch ist der Kampf der Meinungen nicht zu verwerfen, nur muss er sachlich geführt werden. Dafür .