Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 3 - Februar
- Date
- 1908-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/4864325-6028974-6074166--1237-4865379- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
BERLIN, im Februar 1908. * Ho. 3. Bericht der Grossloge für Deutschland U. O. B. B. Nachdruck sämtlicher Artikel aas diesen Berichten verboten. Fernsprecher: D. Wolff, VI. Ko. 4619, Wilhelmstrasse 118. Inhalt: Vorteile und Nachteile grosser Logen. — Was können wir für unsere Jugend tun? -r Aus der HO. Sitzung des Gen.-Kom. — Wohlfahrtsbestrebungen der Logen. — Sitzung des Komitees zur Bekämpfung des Mädchenhandel*. — Das Judentum und das Wesen des Christentums. — Neu-Erscheinuugen auf denf* Büchermarkte. — Aus dem Gedächtnisbuch der Grossloge. — Aps den Logen des VIII. Distrikts. — Mitteilungen der Logen. Vorteile und Machteile grosser Logen. Wenn ich von grossen Logen spreche, so sind damit die Logen in den grossen Städten mit zahlreicher Judenschaft genleint. An dem Aufschwung, den der Orden genommen hat, haben sich auch die grossen Logen beteiligt; auch sie haben an Mitgliederzahl bedeutend zugenommen Wir zählen 3 Logen mit über 400, 2 mit mehr als 300, 3 mit mehr als 200 Mitgliedern. Es ist erfreulich wahrzunehmen, dass der Orden nicht nur an Logen zunimmt, sondern dass auch die Logen selbst in ihrem Bestände wachsen. Naturgemäß können die mittleren und kleinen Logen nur allmählich zunehmen, da der Kreis der Aufzunehmenden immerhin ein begrenzter ist, wenn man auch die Umgegend dazu zählt, während in den grossen Städten mit zahlreichen Familien ein grösserer Kreis von Glaubensgenossen zur Verfügung steht, und die Zuwahl noch lange nicht erschöpft ist, vielmehr für eine Reihe von Jahren ausreichendes Material zu Gebote steht. Indessen hat das Wachstum der grossen Logen in den letzten Jahren in solchem Umfange zugenommen, zumeist in Berlin, dass diese Erscheinung wohl verdient, von allen Seitsn beleuchtet zu werden. ' Abi Grunde für den enormen Zuwachs kann man im allgemeinen angeben: 1) die grössere Kenntnis und Würdigung des Ordens seitens der Judenheit und seiner Wirksamkeit in den breiten Schichten der Glaubensgenossen. 2) die grössere Rührigkeit der Logen in bezug anf Anwerbung. 3) die persönliche intensive Betätigung einzelner Brüder. Ist nun einmal eine Loge in raschem Wachstum begriffen, so wirkt dieses Moment fast schon allein durch seine Schwerkraft fördernd und beschleunigend auf die Meldung von, Kandidaten. Nur das Tempo und der Umfang sind bei den Logen verschieden. Man möchte sagen, es hängt das vom Temperament der Loge ab, wie weit und wie rasch sie sich ausdehnt. Fragen wir uns nun, ob es im Interesse der Ordensidee 'liegt, wenn Logen eine so grosse Zahl von Mitgliedern haben, welche' Vorteile mit dem starken Anschwellen der Logen verbunden sind, und ob doch nicht auch Nachteile daraus erwachsen. Von vorn herein scheint es auf der Hand zu liegen, dass bei den grossen Logen nur Vorteile und alle Vorteile liegen. Sie haben reiche Gelegenheit, den Orden in weite Kreise zu tragen, seine Tendenz unausgesetzt zu verbreiten, zahlreiche Glaubensgenossen zu sich heranzuziehen, eine ungleich grosse Anzahl wohlhabender und intelligenter Männer aufzunehmen. Die grosse Zähl der Mitglieder setzt sie in den Stand, reiche Mittel aufzubringen. In den grossen Logen befinden sich ungleich mehr wohlhabende Br&der, von denen man grössere Spenden erwarten kann, auch dass sie mit grösseren Summen beispringen können, wenn es sich um ausserordentliche Fälle zur Unterstützung oder Wohlfahrt handelt. Die Erfahrung hat aber gelehrt, dass die Hilfsbereitschaft in den kleinen und mittleren Logen nicht gering ist, vielleicht im Verhältnis reger und stärker hervortritt, wenn sie auch ihre natürlichen Grenzen hat. — Damit geht Hand in Hand, dass die grossen Logen auf dem Gebiete der Wohlfahrt eine grössere Wirksamkeit entfalten können. Sie sind eher in der Lage, nicht nur an viele Institutionen Beiträge zu geben, sondern können auch aus eigenen Fonds Wohlfahrtseinrichtudgen grösseren Stils schaffen. — Und was das Personelle betrifft, sind auch darin die grossen Logen im Vorteil, dass ihnen mehr Personen für den Dienst im Orden mit allen seinen Aufgaben zur Verfügung stehen, sie auch eine grössere Auswahl unter den Brüdern für Aemter und Komitees haben. Das zeigt sich auch aui geistigem Gebiete. Eine grössere Anzahl von Brüdern beteiligt sich an Referaten und Vorträgen, dadurch tritt ein öfterer Wechsel der Vortragenden und Themen^ein. In dieser Abwechslung liegt viel Anregendes und Spannendes. Die Bürde des Ordensdienstes kann ebenfalls in schneller Reiheniolge auf wechselnde Brüder verteilt werden. Die Arbeitslast ist für den Einzelnen in vielen Fällen sehr gross, er kann sie nur. schwer bewältigen, und es gehört grosse Freudigkeit, immer wieder an die Arbeit zu gehen. Es ermüden dadurch die Brüder nicht leicht, erhalten sich vielmehr frisch für alle wiederkehrenden oder neu auftauchenden Aufgaben. In den kleinen und mittleren Logen sind es immer nur wenige, die ihre Kräfte ununterbrochen dem Orden widmen, und es liegt Gefahr vor, dass sich ihrer