Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 2 - Januar
- Date
- 1908-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 20 — setzen sich meist aus kaufmännischen Angestellten zusammen, doch sind neuerdings auch eine Anzahl Studenten und Primaner hiesiger Gymnasien anwend gewesen. Der Erfolg erklärt sich daraus, dass man für die jungen Leute den richtigen Weg beschritten hat, um sie an das Heim zu fesseln. Es wird ihnen nach des Tages Pflicht und Arbeit geistige Erholung angenehmer und ihnen zusagender Art geboten. Neben belehrenden Vorträgen werden die jungen Leute zu Diskussionen über das Gehörte angeregt, und einzelne von ihnen haben auch selbst schon recht interessante Themata in eigenem Vortrage behandelt. So wird ihnen neben reichem. Stoff zur Belehrung auch der Ansporn zur Aussprache und Selbstbetätigung ihrer geistigen Fähigkeiten gegeben. Auch dieses Jünglingsheim bot eine Chanukafeier im Logensaale, die so zahlreich besucht war, dass die Räume die Erschienenen nicht zu fassen vermochten. Vielfach nehmen die jungen Leute den Rat der Ausschussmitglieder in Anspruch, und auch der Versuch, stellenlosen jungen Leuten Beschäftigung «achzuweisen und zu beschaffen, ist verschiedentlich mit Erfolg gemacht worden. An den Versammlungsabenden werden die Erschienenen auf Kosten der Loge in einfachster Weise mit Thee und Kuchen bewirtet. Das Betragen ist in jeder Beziehung ein vorzügliches zu nennen. Das sind im allgemeinen die wichtigsten Schaffungen unserer Loge. Wir sind mit denselben zufrieden und bemühen uns, die Logenideen weiter zu pflanzen, unbeirrt dadurch, dass uns die direkte Betätigung an denselben noch nicht in allen Schichten unserer hiesigen Glaubensgenossen geglückt" ist. Berend Lehmann-Loge, Halberstadt. In unserer Loge hat sich seit Beginn der Winter-Saison ein recht lebhaftes „Logen-Leben" entwickelt. Dank dem Eifer unseres w. Präsidenten im Verein mit den Komitees ist auf allen Gebieten der Ordenstätigkeit mit frischem Mut fleissig gearbeitet worden. Ein Resultat der Tätigkeit unsres Geselligkeits-Ausschusses, der auf Anregung des w. Präsidenten die Vorbereitungen schnell zum Erfolg gedeihen liessrwar die nachträgliche Feier unseres XX. Stiftungsfestes am 8. Dezember. Durch Delegation des hochwürdigen Bruders Vize» grosspräsidenten Josef Wisloch von Seiten der hochwürdigen Grossloge uffd durch Entsendung Delegierter unserer lieben Nachbarlogen war dem Feste von vorneherein besonderer Glanz verliehen worden und wir haben dafür der hochwürdigen Grossloge, der Germania-Loge, Halle, der Mehdelssohn-Loge, Magdeburg, der Jakob Plaut-Loge, Nordhausen, und dem jüngsten Kinde, der Leopold Zunz-Loge, Braunsfchweig, herzlich zu danken. Von der Leipzig-Loge war zufällig unser hochgeschätzter Landsmann, Br. Dr. Nobel, zugegen; auch der verehrte Rabbiner unserer Gemeinde Dr. Auerbach, war erschienen, um seine Sympathie für die Tätigkeit der Berend Lehmann-Loge zu bekunden: t Feierliche Stimmung beherrschte die Versammlung, als um 5l/2 Uhr in unserem schönen Logensaale die offen! Festloge durch Chorgesang von Brüdern, dirigiert von Br. Blach, eröffnet wurde. Der Psalm „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" erklang stimmungsvoll vom Männerchor und im Anschluss hieran ergriff Präsident Moritz Jostph das Wort zur Festrede. ,,Seit einer Woche (die Feier fand am letzten Chanukatage statt), so begann der Redner, erklingt von Juda s L ppen der Dank zum Himmelsthron. Dankeriüllt stehen auch wir heute nach 20 jährigem Bestehen unster Loge". Mit pietätvoller Erwähnung der leider dahingeschiedenen Brüder schilderte er,..wie unsere Loge sich um die Devise „Wohltätigkeit und Bruderliebe" kristallisierend, zielbewusst und erfolgreich ihre Tätigkeit in den 20 Jahren entwickelt habe. , Manches Werk harrt noch unserer Initiative, manches auf Vollendung, aber gar manches auch ist von uns in der kurzen Spanne Zeit geschaffen worden. Stolz blicken wir auf unseren Kinderhort, in dem unter trefflicher Leitung die Kinder der Armen ihre Nachmittage bei Spiel und Arbeit verbringen. Alljährlich, seit 1889, haben wir das Glück, viele Kinder zur Stärkung ihrer Gesundheit als Ferienkolonisten hinaussenden zu können. Anfangs sandten wir sie nach Ballensted t, in den letzten Jahren blieben sie hier, um tagtäglich in den nahegelegenen Bergen sieb herumzufummeln. Die frische Farbe der Hinausgesandten und ihre Gewichtzunahme ist uns der schönste Dank für die nicht unbeträchtlichen Summen, die wir alljährlich aufwenden. Ein Werk der der Loge ist auch der Berend-Lehmann-Verein, der ^Verein zur Förderung ideeller Interessen jüdischer junger Kaufleute, der seine Aufgabe zur Freude der Loge voll erfüllt hat und rüstig vorwärts strebt. Von der Wohltätigkeit an Einzelpersonen und Vereinen, die überall sozial erziehliche Zwecke verfolgten, näher zu berichten, ist hier nicht Zeit und Ort. , An der Hand eines im Jahre 1890 vom Redner als derzeitigen Präsidenten erstatteten Berichtes über die Tätigkeit der Berend-Lehmann-Loge von 1887—1890 zeigte er weiterhin, wie die Loge auf geistigem Gebiete von Beginn an bis jetzt, sich bemüht habe, ihre Mitglieder zu erheben und zu e i n e n für die ethischen Ziele des Ordens. „Die gemeinsame Tätigkeit auf den höchsten Gebieten menschlichen Tuns erzeugt jene Brüderlichkeit, zu der uns die Loge führen will." Mit einem, Mut und Vertrauen in die Zukunft der Loge kündenden, trefflichen Bilde schloss der Präsident seine wirkungsvolle Rede. Hierauf brachten die Delegierten unserer Loge Glückwünsche dar, denen unser Br. Vizepräs. Dr. Emil Hirsch dankte und in sinniger Weise den Weg zeichnete, den die Loge bisher zurückgelegt hatte, und den sie weiter in naher und ferner Zukunft zu beschreiten habe. Mit dem Chorgesang „Vergiss ihn nicht" schloss der akademische Teil der Feier. , Das sich hieran anschliessende Festmahl leitete ein von Br. Dr. Georg Hirsch verfasster und von Fräulein Getrud Blach wirkungsvoll vorgetragener Prolog ein. Manch treffliches Wort würzte die Tafelfreuden, die uns