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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-01-01 · Nr. 2 - Januar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 2 - Januar
Date
1908-01-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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geboten wurden. Den Kaisertoast brachte Expräsident Br. Kommerzienrat Hirsch aus. Ausser den von den Expräsidenten gehaltenen Tischreden, die"* alle begeisterten und freudigen Widerklang fanden, brachte Br. prot. Sekretär Jakobson sein Hoch der neuerdings reorganisierten Frauen-Vereinigung der Berend-Lehmann-Loge, deren Tätigkeit in der kurzen Zeit seit ihrer Reorganisation schon vielversprechende Früchte gezeitigt habe und deren Gedeihen von allen gewünscht werde. Fröhlicher Tanz, an dem die Jugend bis zum Morgen Freude fand, schloss das schöne Fest. » v. •)[' Dämon und Phintias in der Judengasse. Erzählung von Br. Arthur Kahn, Berlin. Verlag des „Israelit", G. m. b. H., Frankfurt a. M. Ein hebenswürdiges Buch liegt vor mir: Dämon und Phintias in der Judengasse. Liebenswürdig in der natürlichen Darstellung der einfachen menschlichen Erlebnisse, der kleinen Freuden und Leiden des Tages sowohl, wie in der grossen Ereignisse und Sorgen des Lebens unsrer Helden, die uns zu Freunden werden. Der rühmlichst bekannte Verfasser, dessen gewandter Feder wir viele schöne und anregende, das jüdische Leben behandelnde Erzählungen verdanken, weiht dieses Buch den Erinnerungen seiner Jugendzeit. Ein Kind des gesegneten Rheingaues, zeichnet er das Leben seiner kleinen Heimatgemeinde, wie es vor etwa 40 Jahren gewesen. Eng umschlossen, aber nicht eingeengt, stille, aber nicht erstarrt, mit den ersten Anfängen der modernen Lebensführung den Sitten der Aussenwelt schon Zugeständnisse machend, wenn auch Gewohnheit, Neigung und Notwendigkeit in der stillen Poesie der Judengasse die führenden und herrschenden Strömungen waren. Im Vordergrunde der Erzählung stehen die beiden Freunde Berez und Jechiel, ein Schuster und ein Schneider. Durch die Sorgen des Lebens, durch Arbeit und Kummer nicht weniger, als durch die Freuden, die ihnen in den bescheidenen Blumen auf ihrem Lebenswege blühen, überall leuchtet siegreich und rührend ihre Freundschaft. Im Geben wie im Nehmen sind sie sich gleich. Es ist ein Bild der Treue, die mit dem Leben nicht erlischt, die noch segensreich und liebevoll fortdauert über das Grab hinaus. Um die beiden gruppieren sich die dazu gehörigen Familien, alle lebenswahr, ehrlich, natürlich gezeichnet. Menschlich in ihrem Denken und Empfinden, kleinlich oft durch den engen Kreis, der ihren Sinn verengert, hat man doch bald ihr Wesen erfasst und empfindet für sie das Gefühl des Zusammengehörigen.' Mit anderen Namen, sehen wir in ihnen doch immer dieselben Menschen die wir kennen, Kinder ihrer Zeit, die, wie wir, kämpfen, um sich durchzusetzen, mühsahm sorgen und arbeiten, um den Ihren Alles gewähren zu können. Alle Gestalten atmen Wahrheit. Da ist die gute solide Familie Limbacher, in deren Haus der Wohlstand herrscht, alter Reichtum, beste Lebens, führung. Wir sehen sie untergehen am Spekulationssinn ihres Sohnes und Bruders, und durch das allzu vornehme Vertrauen i. . /,• - ■ -••; auf die Treue ungetreuer Diener. Wir sehen die Tochter dieses Hauses, ein feines sympathisches Mädchen, die Liebe des Buchhalters Rosenstein, des stillen, verschlossenen Menschen ahnen und wir sehen im späteren Verlauf in der neuen Welt diese beiden sich treffen und sich vereinen. Eine Gerechtigkeit der Poesie, die wir fürs Leben gerne annehmen. Den Limbachers gegenüber steht die Familie Korn. Ein derberer Schlag, seif made, aber durch den teinen Sinn der Mutter und das auf die Aussenwelt gerichtete Streben der Söhne und der Tochter an Vermögen und an Ansehen emporkommend. Wie die Kinder den Vater kränken, weil sie ihn nicht verstehen, wie der Vater auch seinerseits sich den Kindern entfremde^, wie ihr unreligiöses Empfinden ihn kränkt und beleidigt und zu den peinlichsten Situationen führt, all das weiss der Verfasser mit dem geschärften Auge des erfahrenen Menschen und des tiefblickenden Dichters klar zu schildern. Es sind die einzelnen Bilder und Gestalten so schön dargestellt, so voll packender Kraft, dass sie' an Raabe's Chronik der Sperlingsgasse erinnern. Da» ist der immer betrunkene, köstlich gezeichnete Nachtwächter Hahnemann, der uns viele Freude bereitet. Er passt gut in die Judengasse. . Sein steter Durst, der mit dem ewigen Geldmangel gleichen Schritt hält, sein freundliches Herz, sind für die jüdischen' Mitbewohner der Gasse immer neue Gelegenheiten, ihm beizustehen. Da ist ferner der Sohn unsres Schusters, Koppel, mit prächtigem Humor geschildert. Es verdient nun vor allem hier hervorgehoben zu werden, dass es eben das spezifisch Jüdische ist, was uns hauptsächlich fesselt. Die Art des jüdischen Lebens, wie sie hier Sich zeigt, ist unsrer jetzt heranwachsenden Generation vielfach fremd geworden. Da ist es doppelt wertvoll, dieses Leben hier erstehen zu sehen, wie es war, einfach, natürlich, ungeschminkt. Und es darf sich recht wohl sehen lassen vor uns Kindern einer neueren Zeit. Es hat seine intimen Reize, wie es seine offenen Schäden hat. Beiden wird der Verfasser gerecht. Seine trefflieben Schilderungen des jüdischen Lebens, die er auch in früheren vorzüglichen Erzählungen uns gegeben, verdienen in ihrer Art nicht weniger einen Platz in unserer belletristischen Literatur, als es die Schilderungen der böhmischen Juden von Kompert, die Schilderungen der ostdeutschen von Bernstein verdienen. Wir wünschen dem Buche die weiteste Verbreitung, dem geist- und humorvollen Autor noch eine lange Reihe arbeitsfreudiger Jahre. E.-Eschelbacher. ' ' i' •' j '■. -—!-1*_ . ■ . . ■. Neu-Erscheinungen auf dem Büchermärkte, welche das Judentum und die Juden betreffen. März bis Dezember 1907; (Mitgeteilt von Br. Richard Kaufmann in Stuttgart.) I. Jüdische Theologie and Philosophie. Die hebräische Sprache. Palästina. D. Arthur, Die Jaden, sind sie das auserwählte Volk? 1.50. N. Bamberger, Die synagogalen Gebräuche der Gemeinde Wftrzburg (hebr.). 1.50.

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