Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 2 - Januar
- Date
- 1908-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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( Der Ständerat beschloss mit 220 gegen 215 Stimmen, Zulassung der Juden zu sämtlichen Staatsämtern. Die Herrenkurie hielt trotz aller Bemühungen ihrer, freisinnigen Mitglieder an den schwachsinnigen, widerrechtlichen Bestimmungen des Gesetzentwurfes fest. Vergebens boten die Grafen Dyhrn und York ihre Beredsamkeit auf, um denselben Erfolg wie in der Ständekurie zu erzielen. Den Universitäten sei es zu verdanken, dass in Deutschland mehr als anderswo die Ideen der reinen Humanität zur Entwicklung gekommen sei, kein Fähiger dürfe von der wahren Universitas literarum ausgeschlossen werden. York erinnerte an die schöne Zeit des Aufschwunges in Preussen, an die Berufung des als Irottesleugner verfolgten Fichte, an die Stiftung der Universität Berlin, an ihre Glanzperiode unter Hegel, alles vergebens. Die katholische Seite zeigte die schroffste Unduldsamkeit. Es wurde geradezu damit gedroht, dass wenn jüdische Professoren der Philosophie zugelassen werden sollten, die Bischöfe den katholischen Studenten den Besuch der Universität verbieten würden. Man musste froh sein, dass die Kurie die Juden wenigstens zu den ordentlichen Professuren* der mathematischen, naturwissenschaftlichen und medizinischen Lehrfächern zuzulassen beschloss. Infolge einer glücklichen Apostrophe des Grafen York, der daran erinnerte, das wir die Erhaltung und Kentnis eines grossen Teiles der alten Literatur den Arabern und Juden verdanken, und dass uns namentlich die Schriften des Arstoteles durch die Juden erhalten worden seien, kamen auch noch die linguistischen Fächer hinzu (mit 31 gegen 25 Stimmen). Die Errichtung eines Lehrstuhles für jüdische Theologie wurde dagegen ebenso abgelehnt, wie in der anderen Kammer beschlossen. In der Ständekurie dagegen forderten Freiherr von Finke unter donnerndem Bravo die Versammlung auf, sie möge an dem Grandsatze festhalten, von den höheren Bildungsanstalten, die sich als Sitz der Humanität in Preussen stets ausgezeichnet hatten, die engen konfessionellen Rücksichten auszuschliessen. Die Zulassung der Juden zu allen akademischen Aemtern, welche nicht ihrer Natur nach das ■ - F " - i j. christliche Glaubensbekenntnis voraussetzen, wurde mit 222 gegen 181 Stimmen beschlossen. Bei der Frage der Gewährung ständischer Rechte an die Juden, folgte die Ständekurie dem Grundsatze, dass gleiche Pflichten gleiche Rechte bedingen, die Herrenkurie, die wieder den Charakter des christlichen Staates vorschob, lehnte den Vorschlag mit 22U gegen 219 Stimmen ab. , Die Zivilehe zwischen den Juden unter sich würde in beiden Kammern, die der Mischehe zwischen Juden und Christen in der Ständekammer angenommen. Die preussische- Regierung von 1847 in ihrer Rückständigkeit schenkte nur den von der Herrenkurie ausgehenden Anträgen einige Berücksichtigung, während sie die Anträge der Ständekurie entweder ignonierte oder schroff abwies. "Von den Gegnern der Emanzipation wurde immer wieder auf die nationalen Sonderbestrebungen der Juden hingewiesen. Der Abgeordnete Graf Renard erklärte, er könne in der sittlichen und religiösen Anschauung der Juden keinen Grund gegen ihre Verschmelzung mit der übrigen Bevölkerung erblicken. Der Vorschlag, die Juden erst zur politischen Reife zn erziehen, ehe man ihnen Staatsrechte gibt, alle Lasten aber auferlegt, und sie für alle Ehren und Warden untüchtig erklärt, ist ein ganz unsinniger Gedanke. Nor die vollständige bürgerliche Freiheit gebe Kraft, Ehre, Vertrauen und Dankbarkeit. Betrachten wir das Resultat der Verhandlung und die Abstimmung über die einzelnen Paragraphen der Proposition, so fällt es auf, dass hier für die Emanzipation eine so geringe Majorität gewonnen ist; während unter den Rednern mit sehr wenig Ausnahmen alle sich dafür erklärten. Wenn wir die Minister ausnehmen, die in dieser Frage mehr theologisch-philosophische Gründe als staatsmännische vorbrachten, so waren die Stimmen gegen die Emanzipation so kleinlaut, so konfus, dass man meinen könnte, sie hätten sich ihrer Meinung geschämt. Haben doch selbst die Minister zu den kühnsten Kombinationen christlicher Spekulation ihre Zuflucht nehmen müssen, um einen Gesetzentwurf zu vertreten, in welchem das bisherige Unwesen, das allmählich verfallen war, von neuem organisiert und konstruiert werden sollte. Ueber den moralischen Eindruck dieser Debatte auf das Volk kann daher kein Zweifel obwalten. In Presse und Volksversammlung tönte der Ruf nach Freiheit der Religion und der Kirche, nach Gleichheit bürgerlicher Rechte und Pflichten, nach Befreiung aller Schranken und Fesseln, in welche religiöse Befangenheit, ipriesterliche Unduldsamkeit und nationale Engherzigkeit die Menschenwürde im Juden länger als Jahrtausende gefangen gehalten hat. Aus den Logen des VIII. Distrikts. Frateroitas-Loge in Dresden. Es hat schon lange Zeit auch bei ans die Absicht bestanden, wieder einmal weiteren Kreisen von dem Leben und Wirken in unserer Fraternitas- Loge Einiges zur Kenntnis zu bringen. — Leider ist durch Verkettung verschiedener Umstände, insbesondere durch Wechsel im Amte des Marschalls mitten im Termin, der jene Aufgabe übernommen hatte, diese Absicht bis jetzt unterblieben. Es würde zu weit führen, wollten wir jetzt noch alles nachtragen, was sich im Laufe der Zeit in unserer Loge . ereignet, und etwa in trockner Weise rein statistisch die Vorgänge aufzählen und namhaft machen, welche uns beschäftigt haben, im grossen und ganzen hat es sich um Angelegenheiten gehandelt, welche auch die übrigen Logen beschäftigt haben dürften, und die sich zumeist in den Korrespondenzen der würdigen Grossloge wiederspiegeln. Ein besonderes Interesse aber dürften immerhin auch jetzt noch jene Verhandlungen unserer Loge in Anspruch nehmen, die s. Z. wegen der Feier des 25jährigen Jubiläums des Bestehens unseres Ordens in Deutschland geführt wurden. Verhandlungen solcher Art haben ja unsere sämtlichen Schwesterlogen beschäftigt und überall hatte die Anregung