Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 2 - Januar
- Date
- 1908-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Beschaffung der Betriebsmittel zur Verfügung stellten. Wir nennen an erster Stelle den leider inzwischen Heimgegangenen Prof. Dr. E. Mendel, nnd neben ihm die Fachleute: Geh. Medizinalrat Dr. Baer, Prot. Dr. H. Liepmann, Prof. Dr. Hermann Oppenheim, Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Senator and den christlichen Gelehrten und als erster Sachverständiger anerkannten Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Ziehen, der sich in dankenswerter Weise auch zur kostenlosen Untersuchung der aufzunehmenden Kinder bereit erklärt hat. ]. Damit haben wir bereits die wichtigste Aufgabe, die durch die überraschenden Fortschritte unseres Vorhabens in den Vordergrund gerückt ist, berührt, die Aufbringung des Etats, der gering veranschlagt auf jährlich 20 000 Mk. zu beziffern ist. Denn es gilt nicht nttr den Unterhalt von 40 Kindern aufzubringen, sondern deren körperliche und geistige Beschaffenheit macht die Anstellung einer verhältnismässig grossen Zahl von geschulten Lehr- und Pflegepersonen erforderlich. Es sind notwendig: ein heilpädagogisch ausgebildeter verheirateter Inspektor als Leiter und Hauptlehrer, eine entsprechend vorgebildete Lehrerin, Wärter, Wärterin und Wirtschafterin. Zum Glück liegen bereits einige Bewerbungen geeigneter Persönlichkeiten vor; es steht aber auch andern Lehrern und Lehrerinnen, die neben der allgemeinen pädagogischen Qualifikation sich über absolvierte theoretische und praktische Ausbildung ausweisen können, frei, sich baldigst unter Einsendung ihrer Zeugnisse an das Burkau des D. I. G. B. zu bewerben. Die zur Beschaffung der etatsmässigen Mittel eingesetzte Propagandakommission, der ausser den oben genannten Gelehrten noch die Herren: Geh. Sanitätsrat Dr. Maretzki als Vorsitzender, Siegmund Bergel, Dr. W. Feilchenfeld, Justizrat Heinemann (Hannover), Rabbiner Dr. Kaelter und Rentier Max Marcus aus Potsdam, General-Sekretär Dr.W. Neumann und Grossekretär D. Wollt, also Männer des Gemeindebundes und des Bnei-Briss-Ordens in gleichem Masse angehören, wird sich in diesen Tagen an alle irgendwie leistungsfähigen Gemeinden, an die Brüder des Bnei-Briss- Ordens und an alle jüdischen Wohltäter im ganzen Reichtwenden. Sie hofft dabei auf die nachdrückliche Unterstützung der Herren Rabbiner und Lehrer, als der berufenen Förderer eines Werkes, das dem Wohle des bedauernswertesten Teiles der jüdischen Jugend geweiht ist. Wir leben der Hoffnung, dass, wie es bisher gelungen ist, das schwierige Vorhaben vorwärts zu bringen, es auch weiterhin möglich sein muss, es als ein Wohltätigkeitswerk in Wahrem Sinne des Wortes auszuführen, damit auch den Kindern der Minderbemittelten und der ganz Armen die Aufnahmemöglichkeit nicht aus Geldrücksichten beschränkt zu werden braucht. In diesem Wunsche sind die beiden Gründerkörperschaften einig, wiewohl die Grossloge durch die hochherzige Beteiligung mit der Summe von 40000 Mk. bereits das ihr Mögliche geleistet hat, und der D. I. G. B. infolge der nnsern Lesern genugsam bekannten Ueberlastung seines Etats mit kostspieligen Verpflichtungen keine grosse dauernde Hilfe neben seiner dem Werke zur Verfügung stehenden Arbeitskraft gewähren kann. Desto mehr müssen wir auf den wohltätigen Sinn unserer Mitglieder, der Bundesgemeinden, wie unserer persönlichen Anhänger hoffen. Auch für Stifter, die sich mit einer grösseren Spende an einem dem Gemeinwohle geweihten Werke beteiligen wollen, bietet sich hier ein geeignetes Feld, namentlich werden diejenigen, die ein schwachsinniges Kind in ihrem Verwandtenkreise haben und das Unglück aus eigener Anschauung kennen, bereit sein, ihre milde Hand zu öffnen. Es erscheint nach eingehender Prüfung aller in Betracht kommenden Fragen wünschenswert, däss alle diejenigen, die sich an dem Betriebe der „ Israelitischen Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder, Wilhelm Auguste Viktoria-1 Stiftung in Beelitz" beteiligen wollen, sich zu einem besonderen Verein zusammenschließen. Des Kuratoriums harrt für die nächste Zeit eine Fülle von Aufgaben, die wir bereits angedeutet haben: Gewinnung von Mitgliedern für den zu begründenden Verein, Konstituierung desselben, Wahl der anzustellenden Beamten und namentlich Prüfung der Aüfnahmegesuche. Schon jetzt übersteigt deren Zahl bei weitem diejenige der vorhandenen je 20 Plätze für Knaben und Mädchen. Bei der grossen Verbreitung des fraglichen Gebrechens unter den Juden ist noch eine mächtige Zunahme der Meldungen zu gewärtigen, sobald durch unsere Zirkulare der Plan in alle interessierten Kreise gedrungen sein wird. Für die Vorprüfung der Nachfragen wird eine besondere Kommission einzusetzen sein, die von dem Gesichtspunkte ausgehen wird, ein möglichst einheitliches Material in Rücksicht auf Alter und Grad des Leidens zusammenzustellen. Auszuschließen sind einerseits die geistig normalen, nur infolge einer häufig vorkommenden Verlangsamung der geistigen Entwickelung zurückgeblieben, aber an keinem krankhaften Defekt leidenden Kinder, andererseits die wegen zu schwerer Belastung keine Aussicht auf Besserung bietenden Fälle. Vielfach wird es von Anfang an ohne ärztliche Auskunft nicht möglich sein, auch nur über die eventuelle Zulässigkeit der Meldung zu entscheiden.. Der wirklichen Aufnahme muss selbstverständlich eine Untersuchung unserer eigenen Vertrauensärzte vorangehen. *In dankenswerter Weise hatten sich neben dem Mitgliede unseres Kuratoriums, Herrn Dr. Nawratzki, Leiter der Anstalt Waldhaus bei Wannsee, noch Herr Dr. Fürstenheim, der selbst ein Privatinstitut für solche Kinder führt, und Herr Geheimrat Prof. Dr. Ziehen kostenlos uns zur Verfügung gestellt. Möge dem edlen Vorhaben so vieler opferwilliger Menschen ein reiches Gelingen dt* Werkes lohnen! (Aus dem Bureau des D. L G. B.). Das „sogenannte" Toleranzgesetz von. 1847 und Seine Behandlung vor dem vereinigten preussischen Landtage*) Von Br. Otto Mendelsohn, Berlin. ~ (Schluss.) In dem vereinigten Landtage von 1847 - trat die preussische Regierung mit ihrem Gesetzentwurfe den Wünschen der Stände auf eine Emanzipation der Juden ent- *> Vgl. „Die Gegenwart" voip J- 1348, Bd. I S. :553 ff.: Die bürgerlicher Verhältnisse der .InJon in lh'-utschland.