Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Date
- 1908-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 9 — fflhrung in jeder Gestalt anheimzufallen und den sittlichen Halt zu verlieren. Das ist namentlich in Grosstädten zu befürchten, wo die Gelegenheit auf Abwege zu geraten leicht und vielfach gegeben ist. Dieser Idee lag auch derWunsch zugrunde, die jungen Leute mehr wie bisher mit jüdischem \V i s s e n bekannt zu machenunddem Judentum in höherem und idealem Sinne zu erhalten. Genau im gleichen Gedankengang bewegt sich der Artikel von Br. Dr. Heinemann im „Wegweiser" August 1907 „Eine Sammlung religions-wissenschaftlicher Aufsätze", und auch er kommt zu denselben Forderungen, die, wie die Oktobernummer des gleichen Blattes beweist, so vielseitig Anklang gefunden haben. Wir brauchen diese Aufsätze für die heranreifende Jugend und auch viele von uns werden mit Dank und Nutzen für ihre Weltanschauung Arbeiten über Probleme der jüdischen Ethik (Almosen und soziale Hilfsarbeit — der Volksfreunde — Toleranz), die Dogmen des Judentums etc. lesen. Aber das Wichtigste an all diesen Bestrebungen ist doch, dass diese Betrachtungen und vergleichenden Aufsätze in möglichst viele Hände kommen, dass es womöglich keinen jüdischen Haushalt, keinen jüdischen Knaben, kein jüdisches Mädchen gibt, denen nicht jährlich einmal das Resultat all dieser Bemühungen kostenlos überbracht wird. Am klarsten ausgesprochen ist aber das Sehnen, das unsere Zeit erfüllt, die Mittel, welche allein zu einer Besserung führen können, in dem Artikel von Br. Dr. Arth. Kahn „Die Wurzeln des Uebels". . Eine Popularisierung der Kenntnis der jüdischen Wahrheiten tut uns not, eine Darstellung der jüdischen Ethik) der jüdischen sozialen Forderungen im Vergleich mit der Ethik und den sozialen Anforderungen der andern Kulturreligionen. Wir brauchen für die Jugend eine Erläuterung unserer Satzungen mit Angabe ihres tiefen Sinnes, damit der Jugend die Formen nicht als erstarrt, als Inhalts- und sinnlos erscheinen können, Und wir müssen mit allen Mitteln bestrebt sein, diesen Schriften die weiteste, kostenlose Verbreitung zu sichern. Wie sehr sich die Bestrebungen der Jugend, die Kenntnis jüdischen Wesens, jüdischer Geschichte und Literatur zugänglich zu machen, mit den Tendenzen des Ordens decken, beweisen nicht nur die angeführten Aeusserungen der Festschrift und berufener Brüder, sondern vor allem auch die Gründungen, die der U. O. B. B. bereits ins Leben gerufen hat, um das ersehnte Ziel zu erreichen. Jugendbund, Vorträge für die heranwachsende Jugend, wie solche in Berlin mit erfreulichem Erfolge, stattfinden, sind wohl ein Schritt aut dem erwünschten Weg. Selbst die Einführung der Wissenschaft des Judentums auf den Universitäten, die Schaffung jüdischer Pensionen, das Verkünden der unvergänglichen Wahrheiten des Judentums in jeder Logensitzung sind nur Teile des Ganzen; denn nicht auf die Bnei Briss, auf die Mitglieder der A. I. U. und ähnlichen Organisationen wollen wir in erster Reihe einwirken, denn all diese haben ja noch ein jüdisch empfindendes Herz, sie werden wir in den Reihen der Gleichgültigen, der Abtrünnigen nicht finden. Wir müssen vor allem mit allen Mitteln der Jugend uns bemächtigen, der Jugend, sowie sie der Führung durch die Schule entwachsen ist, sowie sie die Volks- und Mittelschulen verlässt. Es gilt einzuwirken auf die Unwissenden, auf die Ablehnenden, auf die Jugend in dem Alter, in dem sie nachzudenken, nachzugrübeln beginnt. Es gilt, ihnen einen Leitfaden zu geben, an dem sie durch eigenes Nachdenken, aus eigenem Erkennen zu der Ueberzeugung gelangen müssen, dass das jüdische Bekenntnis der reinste, geistigste Monotheismus ist, den es geben kann, dass das Judentum den t Anforderungen der modernsten, wissenschaftlichen Ethik voll und ganz entspricht. Es gilt, unserer Jugend zur Lebensauffassung, zur innersten errungenen Wahrheit werden zu lassen, dass sie nicht dem jüdischen Bekenntnis nur angehören durch ihre Geburt, sondern dass sie Juden sein können und sollen auf Grund ihrer Weltanschauung, dass sie stolz darauf werden müssen, Juden zu sein, Juden, deren Bekenntnis das Forschen in der Lehre nicht verbietet, sondern zur religiösen Pflicht macht. Mit grosser Genugtuung und herzlicher Freude muss es uns daher erfüllen, dass die Jugendschriftenkommission beschlossen hat, den „Wegweiser" derart auszugestalten, dass der erste Teilauch ferner ein kritischer bleiben, während ein zweiter, neuer, grösserer Teil belehrende Und unterhaltende Artikel für die reifere Jugend bringen soll. Doch auch dieser Plan, so sehr er sich mit den Gedanken und Wünschen der Weitschauenden unter unsern Brüdern deckt, muss wirkungslos bleiben, wenn die Forde-, rung der kostenlosen, weitesten Verbreitung nicht erfüllt wird. Der „Wegweiser" kann nur von Brüdern gelesen werden, also absolut nicht von dem Publikum, auf den sein zweiter, belehrender Teil eine Wirkung ausüben soll.*) Die Ausgestaltung des Wegweisers, so wünschenswert sie an sich ist, muss zwecklos bleiben, wenn nich' '.u.ial jährlich kostenlose Verteilung an alle jüdischen Familien mit ihr Hand in Hand geht. Bei der Wichtigkeit der Angelegenheit ist es wohl eine Pflicht der deutseben Logen zu dem Artikel von Br. Dr. A. Kahn Stellung zu nehmen, darüber zu diskutieren und im Anschluss an den Beschluss der Jugendschriftenkommission womöglich einstimmig folgende Resolution der Grossloge zu unterbreiten: Die . . . Loge erklärt ihr Einverständnis mit dem Artikel des Br. Dr. A. Kahn: „Die Wurzeln des Uebels" und gibt ihrer Befriedigung darüber Ausdruck, dass der „Wegweiser für die jüdische Jugendliteratur" in diesem Sinne vergrössert werden soll. Um den gewünschten Zweck zu erreichen, ist' *) Br. Bäsch befindet sich im In tum, dor , Wegweiser" wird sc hon jetzt von einer grossen A:.mW Nirhtbrüdrr gelesen, denen er kostenlos zugestellt wird. D. R.