Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Date
- 1908-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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_ 8 — Br. Wolff berichtet dann von der geplanten Bibliothek bei der Grossloge, die auch Jugendschriften zu sammeln gedenke. Eine Logenschwester in Mannheim, welche die .Feste " Israels* von Abrahams aus dem Englischen übersetzen möchte, solle ersucht werden, 3 bis 4 Stücke als Probe dem ..Wegweisereinzusenden, um dann Näheres beschliessen zu können. Mit Br. Moses Mannheim werde man sich noch dieserhalb in Verbindung setzen. Ueber eine Uebersetzung des Buches des Mr. Joseph, der als einer der besten Stilisten Englands bekannt ist, referiert Br. Dr. Eschelbacher. Er habe von der Uebersetzerin. einer Logenschwester in Breslau, einige Kapitel erhalten. Er sei nun der Ansicht, dass manche Kapitel wie die .über natürliche Religion" und „über die zehn Gebote" nicht nur für die Jugend, sondern auch für Eltern und Lehrer eine anregende Lektüre sein, andere wiederum unserem Geschmacke nicht entsprechen dürften. Deshalb sei er dafür, dass diese Dame nur eine Bearbeitung des Buches mache und dass ihr Fachmänner in Breslau als Beiräte zur Seite gestellt würden. Nach einer kurzen Aussprache wird beschlossen, diese Logenschwester zu ersuchen, eine Uebersetzung des ganzen Buches herzustellen, sie den Beiräten vorzulegen, damit diese prüften, welche Teile für uns geeignet seien. Eine Auslese soll auch im „Wegweiser" veröffentlicht werden. Br. Dr. Elbogen macht noch auf das biblische Spiel des Frl. Dr. Samter aufmerksam. Dasselbe scheine geeignet zu sein, der Jugend angenehme Stunden zu bereiten und ihre Kenntnisse in der biblischen Geschichte zu befestigen; der Preis sei aber zu hoch. Nach einer Verwahrung gegen eine nicht sehr wohlwollende Kritik eines Bruders, die geeignet sei, die Arbeiten der Jugendschriften-Kommission zu beeinträchtigen, wird ein Antrag des Br. Kaufmann, Verträge mit den Verlegern der Jugendschriften nicht abzuschliessen, ohne die Kommission gehört zu haben, angenommen. Derselbe Bruder bemängelt auch die Gewährung einer j Preisermässigung bei der neu erschienenen Anthologie an die Logenmitglieder. Denn dadurch würden Verleger und Buchhändler gehindert, das Buch in die breite Oeffentlichkeit zu bringen. Die Brüder sollten lieber auf den Rabatt verzichten, damit die von der Kommission herausgegebenen Bücher den gewünschten Absatz in den weitesten Schichten erlangten. Um 1 Uhr schliesst Br. Dr. Elbogen die Sitzung mit dem Danke an die Mitglieder für die treue Mitarbeit und mit dem Ausdruck der Hoffnung, dass die Bemühungen der Kommission der Gesamtjudenheit zum Segen gereichen werde. An die Logen des VIII. Distrikts. Von. Br. J u 1 i u s Bäsch, München-Loge. Der Weckruf unseres Bruders Dr. Arth. Kahn „Die Wurzeln des Uebels" hat tief im Herzen jedes jüdisch fühlenden und denkenden Menschen begeisterten Widerhall gefunden. Unser Orden, der Orthodoxe und Liberale mit gleicher Liebe umfasst, der sich die hohe Aufgabe gestellt hat, Israeliten zu vereinigen zur Förderung der höchsten und idealsten Güter der Menschheit, muss an der Spitze marschieren, muss die Führung übernehmen, wenn es gilt, diesen Mahnruf, der die idealsten Interessen des Judentums in ihrem Lebensnerv berührt, in die breiteste Oeffentlichkeit zu werfen. Wie sehr das Sehnen nach einer innern Mission, nach dem Erkennen des Wesens des Judentums ein Zug der Zeit ist, lehrt uns ein Blick auf alle Aeusserungen jüdischen Geistes, die in die Oeffentlichkeit dringen. Im Dezemberheft der weitverbreiteten Monatsschrift „Ost und West", dem Organ der A. I. U. in Deutschland lesen wir einen Artikel von Dr. S. Bernfeld: „Ueber die Organisation der Verteidigung", der zum Schlüsse die dringende Forderung aufstellt, die Kenntnis des Wesens des Judentums zu verbreiten; denn das sei die beste Apologie. Blicken wir zurück auf den Bericht der Grossloge vom Fes4monat März, in dem gewiss nur die berufensten Männer jüdischen Glaubens zu Worte kamen; da fordert Br. Gustav Karpeles mit flammenden Worten auf, den Gedanken zu verbreiten: „Das Judentum ist die Religion der Liebe, das Judentum ist die Religion der Humanität." Er verlangt von uns, den Bnei Briss, bei jeder Zusammenkunft, in jeder Sitzung, bei jedem Mahle, bei jedem Begräbnis, und-in jeder Trauerloge den führenden, geistigen Gedanken des Judentums zu verkünden, zu befestigen und zu verbreiten, die Tatsache, dass das Judentum zuerst die grossen, weltbefreienden Gedanken des Monotheismus, der Nächstenliebe, der Gleichheit aller Menschen, der Sabbatruhe auf sein Banner erhoben hat. Und unser hochgeschätzter Bruder Geheimrat Professor Dr. Cohen, der Marburger Pnilosoph, führt in dem gleichen Monatsbericht in seinem Artikel „Zwei Vorschläge zur Sicherung unseres Fortbestandes" in durchdachten, begründeten -Darlegungen aus, wie dringend das Bedürfnis nach jüdischen.! Pensionshäusern sei, um die heranwachsende Jugend in der Kenntnis des Judentums zu stärken. Er schreibt: „Ohne religiöse Bildung, ohne ein lebendiges Wissen von unseren Ideen, von unserer Literatur und Geschichte bleibt die religiöse Gesittung ohne Halt und Inhalt. Ohne den Stoff von Kenntnissen kann sich kein Zusammenhang von Gefühlen halten." Er fordert weiter mit beredten Worten die Wissenschaft des Judentums an de^i Universitäten einzubürgern. Und eindringlich lässt sich die Festschrift zum 25 jährigen Bestehen des Ordens U. O. B. B. Seite 237/238 ff. mit Bezug hierauf folgendermassen aus: Treu der Verfolgung idealer Ziele hat sich der Orden der erwachsenen Jugend angenommen. Bereits 1891 wurde die Notwendigkeit der Bildung von Jünglingsvereinen betont, eine erziehliche Wirkung vorzubereiten und auszuüben besonders auf denjenigen Teil unserer Glaubensgenossen, welche der Schule bereits entwachsen, der Leitangand Beaufsichtigung der Eltern entbehren und somit leicht in die Gefahr geraten, der V er-