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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 1 - Januar
Date
1908-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Ton nnseren Schwesterlogen hat, wie die „Geschichte des aasweist, die Rheinlandloge eine Handfertigkeitsschuie eingerichtet: ebenso die Henry Jones-Loge. Die Eger- 9 : iekt Knaben in die städtische Handfertigkeitsschule, rührige August Lamey-Loge, die für alle ethischen und zialen Bestrebungen, die zur Hebung der Juden beitragen, ■ begeistern war. ist an dieser Stelle der Ordensge#cbi ilite nicht aufgezählt. Fehlt es ihr vielleicht hier an -geoheit zur Betätigung? Öder glaubt sie, infolge der tizenz der Stadtverwaltung, auf diesem Gebiete nieht eingreife! zu brauchen? Wir wollen sehen. Aus den Jahresberichten der hiesigen Volksschule ist ' zu ersehen. wie sich die am Arbeitsunterricht beteiligten in konfessioneller Hinsicht zusammensetzen. Es gibt Gott sei Dank keinen evangelischen Kerbschnitt und kt •i.!1*k-.tholische Holzbeize. Dank der Freundlichkeit meiner jüdisches Kollegen konnte ich,jedoch die Zahl der jüdischen Elanda) oeitsschüler feststellen. Unter 59 isr. Knaben des - & Schuljahres besuchen 5 einen Arbeitskursus. Ist diese Zahl absolut schon eine kleine, umsomehr verschwindet sie elätiv betiachtet. Diese 59 Knaben bilden knapp lf'/0 der 1 i Hsam'zähl der fünf obersten Knabenklassen, die von rund 70'K) Jungen besucht werden. Von diesen nehmen 2100, also 30 %, am Handarbeitsunterrichte teil, während dies nur b-i S1 , % der isr. Knaben der Fall ist. Würden die Judenknabe» im gleichen Verhältnisse wie ihre christl. Mitschüler in den Werkstätten arbeiten, so müssten diese von mindestens 1> besucht werden. Das ist für uns eine traurige Tatsache. Sie M scheint um so trauriger, wenn wir bedenken, dass sich diese üinder vorwiegend aus den materiell weniger begünstigten Kreisen unserer Glaubensgenossen — zumeist aus angesiedelten osteuropäischen Familien — rekrutieren.16) Fragt man die Knaben, warum sie diesem Unterrichtsfache fernbleiben, so werden als Gründe angegeben: L -Der takultative hebräische Unterricht hindere sie daran. Das mag ' in manchen Fällen wohl zutreffen. Wir müssen 'alle wünschen, dass sämtliche jüdische Kinder die heilige Sprache kennen lernen. (Bedauerlicherweise wird der hebräische Unterricht, entgegen den Bestimmungen des Lehrplanes, hier nicht als Pflichtfach angesehen und der Besuch les-elbeu dem freien Ermessen der Eltern anheimgegeben.) Trotzdem liesse sich ohne allzugrosse Schwierigkeiten für ed*a Knaben die Möglichkeit scharten, dass er neben den ii-l räisehen Unterrichtsstunden einen Nachmittag der Woche : den Besuch der Arbeitsschule zur Verfügung hat. 2. Ais zweiter Grund wird geltend gemacht: ich ha >e kejne Zeit. Fragt man nach der Art der Verhi derung, so $ind es meistens nichtige Dinge, die vorgebracht werden. Unter diesen Jungen sind manche, :--en Eltern tagsüber auswärts tätig sind und die, aus 'Imgel an genügender Beaufsichtigung, sich zu lichtigen . ,'lannemer"-Gassenbuben entwickelt haben. Jeder dieser Knaben hätte wöchentlich zwei Stunden für manuelle •t) In ■!••!: Mittelschulen scheint das Verhältnis ein günstigeres : seid. So; < -.Tirhen in den drei nnterstep Klassen dVr Refonn- hule unter l'i isr. Schillern 14 einen Handarbeitskursus,. Betätigung übrig und würde derselben auch obliegen, wenn man ihn dazu anhielte. Aber daran fehlt es. Die Eltern wissen meistenteils nichts von der Existenz der Schülerwerkstätten. Wenn ja, bestehen manche Vorurteile, vielleicht auch unbegründete religiöse Bedenken, und so wird den Kindern die Gelegenheit zur Uebung des Auges und der Hand entzogen. Es tritt daher an uns die Aufgabe heran, hier aufklärend zu wirken. Keine Gelegenheit dürfte von uns, und besonders unseren Frauen, die infolge ihrer charitativen Tätigkeit häufiger Veranlassung haben, unversäumt bleiben, die betr. Kreise auf die Notwendigkeit der Knabenhandarbeit hinzuzuweisen. Besonders die Religionslehrer sollten als Bundesgenossen erworben werden. Sie könnten am meisten und eindringlichsten in dieser Sache tun. 3. Ein dritter Grund des Fernbleibens heisst: wir haben kein Geld. Die 8tadtgemeinde ist in der Befreiung bedürftiger Schüler von Zahlung des Materialgeldes sehr entgegenkommend. (Im laufenden Jahre wurden alle diesbezüglichen Gesuche (etwa 250) bis auf eines genehmigt). Dieser Grund scheint also nicht stichhaltig zu sein. Und doch ist etwas daran. Wälirend meiner hiesigen Tätigkeit konnte ich wiederholt die Wahrnehmung machen, dass hier wohnende ausländische Glaubensgenossen vor 4er Inanspruchnahme städtischer Fürsorgeinstitute eine gewisse Scheu an den Tag legen. Sie glauben dadurch der Stadt lästig zu fallen und ihr Asylrecht zu verlieren. Es mag darum wohl möglich sein,, dass manche Eltern ihre Knaben nicht am Handarbeitsunterrichte teilnehmen lassen, weil sie selbst das Materialgeld nicht bezahlen können und die Stadtverwaltung nicht um Befreiung bitten. Hier sollte die Loge eintreten und für alle diese Knaben das Materialgeld entrichten. Bei Bereitstellung von 100 Mk. könnte 25 Knaben geholfen werden. Gewiss ein geringes Opfer, das wir einem eminent erziehlichen Unternehmen bringen würden. I * * In dreifacher Weise könnte also unsere Löge zur Förderung der Handfertigkeit unserer jüdischen Knaben beitragen: 1. Die Leiter der Institute für den hebräischen Unterricht ' sollen ersucht werden, bei der Festsetzung ihrer Lehrstunden auf die Knaben, die einen Handarbeitskursus besuchen, tunlichst Rücksicht zu nehmen. ■ . t -M%'-_i'- * ' i ' 2. Alle lieben Brüder und Schwestern möchten im eigenen Kreise und bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den Kreisen unserer weniger bemittelten Glaubensgenossen — ganz besonders der zugewanderten osteuropäischen — auf die Möglichkeit und Notwendigkeit des Handarbeits- ' £ . Unterrichts hinweisen. Die Religionslehrer sollen ersucht werden, in dieser Hinsieht auf die Kinder direkt einzuwirken. 3. Die Loge stellt Mittel zur Verfügung, um für bedürftige Kinder, deren Eltern keine Reichsangehörige sind, das Materialgeld zu bezahlen. Schenken wir also diesem Gebiete der erziehlichen Tätigkeit unser praktisches Wohlwollen! Wir entsprechen dadurch den Grundsätzen unseres Ordens: Wir fördern ein soziales, ethisches und ästhetisches Werk, beherzigen wir die Worte

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